19.10.2016   von rowohlt

Messeimpressionen: Tag 1

Willkommen bei der Frankfurter Buchmesse, willkommen bei Rowohlt!

© iStockphoto.com
© iStockphoto.com

Vom 19. bis 23. Oktober hat die Frankfurter Buchmesse wieder ihre Tore geöffnet; Ehrengast in diesem Jahr sind Flandern und die Niederlande. Mehrere hunderttausend Besucher, 7.100 Aussteller aus über 100 Ländern, rund  4.000 Veranstaltungen, fast 1.000 akkreditierte Journalisten und Blogger – imposante Zahlen für das Branchenereignis des Jahres. Wieder einmal gilt: Frankfurt ist mehr als Goethe, Römer, Städel, Schirn, Eintracht und Ebbelwoi – in diesen Tagen ist die Mainmetropole the place to be für Büchermenschen aus aller Welt. Von heute an werden wir täglich von der Buchmesse berichten: Messeimpressionen in Wort und Bild. 

«Ärmel aufkrempeln, zupacken, aufbauen!»

Eine Buchmesse will seriös vorbereitet sein – das gilt nicht nur für die Taschen und Koffer der Verlagsmitarbeiter*innen, die zur Messe fahren. Alles, was an Material von Reinbek nach Frankfurt geschafft werden muss (Bücher, Flyer, Gimmicks, Plakate, Formulare, Body-and-Soul-Food etc.), steht am Tag des Aufbruchs in Reih und Glied bereit. Es wird gepackt, beschriftet, kontrolliert. Und noch mal kontrolliert. Wehe, da fehlt etwas Entscheidendes! Der Messelaster bringt alles nach Frankfurt, zum Rowohlt-Stand E 65 in Halle 3.1. Und dann heißt es: auspacken, einräumen, dekorieren, aufhübschen. Oder um es mit dem Liedermacher Franz Josef Degenhardt zu sagen: «Ärmel aufkrempeln, zupacken, aufbauen!»


Hochkultur? Work in progress!

 Am Anfang wirkt die Szenerie in den Messehallen noch ziemlich spooky, von wegen alles im Lot – als wäre ein Panzer durch die Gänge gebrettert. Paletten, Kisten, Werkzeug, Verpackungsmaterial überall, auf den ersten Blick das pure Chaos. Noch ist die Halle 3.1 in kapelliges Halbdunkel getaucht – das wird sich bald ändern. Am Mittwoch, 9 Uhr, ist die Buchmesse, um mit Siri Hustvedt zu sprechen, eine «gleißende Welt». Bis dahin ist alles ausgepackt und eingeräumt, sortiert und arrangiert. Das Bild mit dem famosen Thrillerduo Poznanski und Strobel hängt am vorgesehenen Platz, und Horst Evers wird sich milde lächelnd am bald über ihn hereinbrechenden Trubel erfreuen – und denken: «Das Komplizierte am Leben ist halt das Leben selbst.»


Diesseits und jenseits von Horror vacui

Laut Wikipedia handelt es sich bei «Horror vacui» nicht um eine von Krieg und Vergessen malträtierte Kleinstadt in Vorderasien, sondern (lat.) um die «Scheu vor der Leere», der man am besten mit dem Füllen leerer Flächen mit Darstellungen oder Ornamenten begegnet. Genau das machen wir in den Tagen und Stunden vor der Eröffnung der Buchmesse. Man freut sich, dass der Stand steht – im Prinzip zumindest. Also als Holzkonstruktion. Das ist aber erst der Anfang. Was dann kommt, dauert Stunden, viele Stunden: das Bestücken der Regale mit den richtigen Büchern; das Aufhängen der wichtigen Autorenplakate an den richtigen Stellen. Es ist ein munteres Räumen und Richten, Hin und Her, Für und Wider, Frage und Antwort. Bis alle sagen: Das ist es, so bleibt's.


Rowohlt sportiv

Viele wissen es nicht. Aber es ist die reine Wahrheit: Rowohlt ist ein verdammt sportlicher Haufen, ist es immer schon gewesen! Manche stellen sich das Büchermachen als eher bewegungsfreie Angelegenheit vor. Ehrfurchtsstarr über erlesenen Manuskripten brütend, gebannt auf Grundlayouts und Covertypografie starrend … Träumt weiter! In der Regel geht es hier zu wie im Taubenschlag, schnell, hektisch. Und irgendwie auch sportlich. Sieht man einmal von eher zweifelhaften Disziplinen aus der paläolithischen Verlagsära wie Kampftrinken, Glasfressen und Purzelbaumschlagen ab, die nicht einmal bei Eurosport und Sport1 Sendezeit bekämen, sind in der gut hundertjährigen Rowohlt-Geschichte folgende Sportarten aktenkundig: Gewichtheben, Ringen, Segelfliegen, Segeln, Boxen, Tischtennis, Ballonfliegen, Badminton – von Fußball, Marathon und Triathlon einmal ganz zu schweigen.
Hier ein aktueller Messe-Schnappschuss, der von der Geburt einer neuen sportlichen Disziplin kündet. Bankdrücken war gestern – heute messen sich Männer im Tischdrücken. Sieht ziemlich martialisch aus, gilt aber unter Tischdrück-Freaks als perfektes Ganzkörpertraining, Testosteron und Adrenalin pur. Übrigens: Vertriebskollege und BVB-Hardcore-Fan Till B. (am Boden) soll es dem Vernehmen nach bestens gehen. 


Der neue Hirschhausen! Der neue Safier!

Wenn aus Nachbarn Freunde werden … Hier gilt:  Traumhaft trifft wunderbar! In David Safiers neuem Roman ersteht quasi aus dem Nichts ein Traumprinz («stark, edel und dreitagebärtig»), der auf den abenteuerlichen Namen Retro von Amanpour hört. Und ehe er sich versieht, Teil einer kühnen Weltrettungsmission der jungen Grafikerin Nellie wird. Gleich nebenan lässt Dr. med. Eckart von Hirschhausen die Sterne funkeln (danke, Katharina!). «Wunder wirken Wunder», das ist die Botschaft des Arztes, TV-Moderators und Medizinkabarettisten. Neben vielem anderem im Spannungsfeld zwischen Magie und Wissenschaft geht Hirschhausen auch diversen existenziellen Problemen auf den Grund, von denen Safiers Traumprinz vermutlich nicht einmal gehört hat:  Erzeugen Zahnspangen Pubertät? Kann man sich öfter als zweimal totlachen? Steckt Deutschland in der Globulisierungsfalle? Und: «Woher weiß die Kopfschmerztablette, wo der Kopf ist? Wenn man sie herunterschluckt, geht es ja erst einmal in die völlig falsche Richtung …»


Es müssen ja nicht immer 99 Luftballons sein …

Für diesen Moment der Ruhe vor dem Sturm reichen auch ein Ballon und ein paar Bücher. Ohne unsere Messe-Azubis ginge es am Rowohlt-Stand drunter und drüber. Dieses Jahr stürzen sich Luisa Dehn und Roy Marfo mit Feuereifer in die Schlacht. Sie stehen all die Tage am Infotresen, mitten im Messetrubel. Freundlich, charmant, aufmerksam. Sie sind gesucht, weil sie – oft als Einzige – die Fragen von Buchhändlerinnen, Journalisten, Schulkindern, Bloggern etc. zu beantworten wissen. Sollte nicht Daniel Kehlmann jetzt am Stand sein? Ist die Verlegerin zu sprechen? Kommt Bob Dylan? Gibt es für unsere Klasse 9 b rotfuchs-Leseexemplare? Wie komme ich an Tickets für Rowohlts Messeparty in der Schirn? Wo ist die Signierstunde mit Simon Beckett? Ist ein Sachbuchlektor hier am Stand, dem ich mein Buchmanuskript in die Hand drücken kann?  Und: Weshalb hat Thomas Melle eigentlich nicht den Deutschen Buchpreis bekommen? (Ja, wenn wir das nur wüssten …)
Kurz und gut: Ein Hoch auf Roy und Luisa (und all eure Vorgänger in den vergangenen Jahren bei den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt) – ihr seid toll!
Mehr von Luisa & Roy auf Snapchat unter rowohltverlag


John Wray im Gespräch mit Jan Drees beim Deutschlandfunk

Er ist zweifellos einer der aufregendsten US-Autoren der Gegenwart: John Wray. Ein Mann, der in zwei Welten zu Hause ist. Seine Mutter ist Österreicherin, sein Vater Amerikaner; er selber lebt abwechselnd in New York und Kärnten. Nach dem Roman «Retter der Welt»,  in dem wir einen jungen Psychotiker bei seiner rauschhaften Fahrt durch die New Yorker U-Bahn und die Abgründe seiner Seele begleiten, legt er nun mit «Das Geheimnis der verlorenen Zeit» sein Opus magnum vor, ziegelsteinschwer und – trotz synchron rotierenden Zeitebenen – doch wunderbar leicht zu lesen. Ein Familien-, Wissenschafts- und Zeitreisen-Epos, das seinen New Yorker Kollegen Colum McCann begeistert:
«Wray packt in diesen spektakulären Roman seinen Calvino, seinen Murakami, seinen Mitchell und sogar seinen Joyce. Die Handlung schwingt sich munter durch ein ganzes Jahrhundert und zwei Kontinente und landet schließlich eloquent wieder bei den zentralen Fragen, wer wir sind und warum wir existieren. Wer sagt, der Roman sei tot? Zerstört einfach die Uhren und schlagt dieses Buch auf!»


Top