17.03.2016   von rowohlt

Messeimpressionen Leipzig – Tag 1

Willkommen auf der Leipziger Buchmesse 2016, willkommen bei Rowohlt!

© iStockphoto.com
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Leipzig, the place to be! Bis Sonntag hat die Buchmesse ihre Pforten geöffnet. Vieles spricht dafür, dass es bei grandiosem Wetter einen neuen Besucherrekord gibt. Wir berichten täglich von der Leipziger Buchmesse: Messeimpressionen in Wort und Bild.




Mittwoch, 16. März 2016 …

20.51 Uhr. Der hünenhafte Paul Pogba bringt Juventus Turin in der vollbesetzten Allianz-Arena mit 1:0 in Führung. Jan Weiler ist entsetzt, traut seinen Augen nicht. David Alaba, kaum zu glauben! Würde sein FC Bayern den Einzug ins Viertelfinale der Champions League vergeigen? Zwanzig Minuten später: Juve erhöht auf 2:0. Jan Weiler ist fix und fertig, weder Wasser noch Wein mögen ihn trösten. Hunger? Vergiss es, nichts als Seelenpein. Das war's wohl mit Pep Guardiolas Triple-Traum. Was er da auf dem (kleinen) Bildschirm sieht, macht den bekennenden Fußballfan fassungsloser als der Anblick noch des wüstesten Chaos im heimischen Pubertistenzimmer.


«So seh'n Sieger aus, sha-la-la-la-la, so seh'n Sieger aus …»

Eineinhalb Stunden später. Das Leben ist schön. Und irgendwie auch gerecht. Die Bayern haben das Spiel in letzter Sekunde noch gedreht, klar, Thomas Müller, der Wunderstürmer ganz ohne Muskeln, hat's mal wieder gerichtet. 2:2 in der 91. Minute, Verlängerung. 4:2 für Bayern München nach 120 Minuten. Jan Weiler jubelt. Dusel-Bayern? Quatsch. War doch eh klar, dass sich seine Bayern nicht von piemontesischen Defensivfetischisten abschlachten lassen würden. Mit etwas Distanz könnte man sagen, dass spätestens jetzt jene Frage zufriedenstellend beantwortet ist, die die Herren Weiler und Traxler in ihrem entzückenden Buch «Gibt es einen Fußballgott?» gestellt haben. Die Antwort lautet: Aber hallo, selbstredend!


Moment, wo sind wir hier eigentlich?

Keine Angst, Sie sind NICHT in einem literarischen Fußballblog oder im Fanforum des FC Bayern  gelandet. Eigentlich und ab jetzt (fast) ausschließlich wird es um Literarisches gehen: um Bücher, Autor*innen, Trends auf dem Buchmarkt. Um Buchblogger und andere Menschen, die beglückt sind, stundenlang zwischen Büchern, Schriftstellern und anderen Buchmenschen zu flanieren. Nämlich auf der Leipziger Buchmesse, die auch in diesem Jahr wieder mit imposanten Zahlen aufwartet. Literatur und Leipzig, das gehört wirklich zusammen.


Eine letzte Vorbemerkung noch …

Wer im Ansturm der buchaffinen (und häufig juvenilen) Massen von morgens bis abends bestehen will, und zwar nervenstark, allzeit informationskompetent und mit einem heiteren Lächeln im Gesicht, der benötigt vor allem eines: Soul Food. Zum Beispiel Lebens- und Genussmittel, wie sie hier in schier endloser Schlange auf dem Einkaufsband herumlungern. Bunt, nachhaltig, kalorienbewusst und … nee, vegan wohl eher nicht.


Und nun schalten wir endlich zur Literatur. Zu zwei ganz besonderen Autoren und ihren Büchern, die beide für den Preis der Leipziger Buchmesse 2016 nominiert waren: Nis-Momme Stockmann und Heinz Strunk. Ganz herzlichen Glückwunsch übrigens an den neuen Preisträger Guntram Vesper für sein 1008 Seiten starkes Epos «Frohburg» (erschienen bei Schöffling & Co.)!


Nis-Momme Stockmann entdeckt das Feuer

Die Titelgeschichte der ZEIT Literatur ist ein wunderbares Porträt des Dramatikers und Romanciers Nis-Momme Stockmann: eine Reise auf die Insel Föhr, wo er 1981 geboren wurde. «Nis-Momme Stockmann geht mit seinem ersten Roman ‹Der Fuchs› aufs Ganze», heißt es dort. «Die Götter kämpfen mit den letzten Menschen. Verschwörungstheorie und Schöpfungsgeschichte in einem. Und das alles hinterm Nordseedeich.» 715 Seiten rauschhafte Prosa: ein großer Wurf.


Schwer gefragt: Heinz Strunk auf dem Blauen Sofa

Sein Roman «Der goldene Handschuh» über Fritz Honka, den «Frauenmörder von St. Pauli», sorgt nach wie vor für Furore. «Ich versuche nachvollziehbar zu machen, wie jemand zum Mörder wird», sagt Strunk im taz-Interview. Für in den 1970er Jahren aufgewachsene Deutsche war Honka so etwas wie das personifizierte Böse, das schwarze Gespenst ihrer Kindheit. Die FAZ nennt es ein «Stilwunder», wie es Strunk gelingt, lakonisch ohne jeden Anflug von Kälte zu schreiben. Für den Stern ist klar: «Der ‹Handschuh» ist Strunks Meisterwerk.»


Horst Evers bei 3sat Kulturzeit

WÄRE der Berliner Großflughafen rechtzeitig (was auch immer das heißen mag) fertig geworden, HÄTTE Horst Evers heute Morgen auch dort in den Flieger nach Leipzig steigen können (was er aus ökologischen und sonstigen Vernunftsgründen eh nicht gemacht hätte). Aber Hätte/hätte/Fahrradkette – der BER ist nicht fertig. Und laut Horst Evers so was von nicht fertig. Denn Folgendes ist laut Evers' hinreißendem neuem Roman «Alles außer irdisch» passiert: Wenige Minuten nach der Inbetriebnahme des Berliner Jahrhundertprojekts ist ein riesiges Raumschiff auf den Landebahnen aufgeschlagen. Die Nachricht verbreitet sich in Windeseile um die Welt, Panik macht sich breit: Sie sind da – sie, die bisher draußen im Universum vor sich hinexistierten. Und nur Goiko Schulz (ausgerechnet der!) kann die Totalveschrottung der Erde verhindern … Mehr dazu erzählt Horst Evers seinen zahllosen begeisterten Zuhörern in Leipzig.


Tschicker Hingucker: der Original-Lada

Was Autos mit Literatur im Allgemeinen und mit Buchmessen im Besonderen zu tun haben? Jede Menge. Wolfgang Herrndorfs TSCHICK war der erfolgreichste deutschsprachige Roman der vergangenen Jahre.  Jetzt wird die unvergessliche Geschichte von Maik, Tschick und Isa zum Kinoereignis: Fatih Akins Bestselleradaption TSCHICK kommt am 15. September in die deutschen Kinos. Wenn das kein Grund ist, sich jetzt schon zu freuen!


Wenn es Nacht wird in Leipzig

Begonnen haben wir die heutigen Messeimpressionen mit Jan Weiler, beenden wollen wir sie auch mit ihm. Genauer gesagt mit seinem zweiten Pubertier-Bestseller «Im Reich der Pubertiere». Warmes Licht der Leipziger Abendsonne fällt auf den Rowohlt-Stand – und dort genau auf Weilers Pubertiere. Wenn das mal kein schönes Bild ist!

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