01.06.2015   von rowohlt

Martina Hill importiert rheinischen Frohsinn nach China

Nicht nur für Spiegel Online ist Martina Hill «die lustigste Frau im deutschen Fernsehen»

© Hill/Musienko
© Hill/Musienko

Ob in Switch reloaded, Oliver Welkes heute Show oder ihrer eigenen Sketch-Comedy Knallerfrauen – man versteht sofort, weshalb Martina Hill mehrfach mit dem Deutschen Comedypreis und dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. In ihrem «Chinaroadreisemoviebildertagebuch» fragt Martina Hill sich (und uns) auf ihre unwiderstehliche Art: Was mach ich hier eigentlich? – also: hier in China, speziell in Beijing, oder wie der Kölner sagt: Peking?

«Ich glaub, ich hab DSDS. Damit sollte ich dringend mal zu Dr. Plemplem»

China war für Frau Hill immer schon wichtig. Bereits Klein-Martina wusste, dass sie auf der anderen Seite der Weltkugel genau in China rauskommt, wenn sie nur tief genug im Sandkasten ihres Kindergartens buddelt. Das war die Zeit, als ihr Primärwissen über das Land des Lächelns sich im Wesentlichen aus jenem Kinderlied speist, in dem «dru Chunusen mut dum Kuntrubu» munter durch die Lande ziehen.
Als sie immer häufiger chinesische Touristen trifft, die ihr glaubhaft versichern, sie bestens aus dem heimischen Fernsehen zu kennen, wird die Kölner Schauspielerin hellhörig. Kann das sein? Wie das? Und: Warum weiß ich davon nichts? Als wenig später die Einladung kommt, in China bei einer Comedy-Show dabei zu sein, ist die Sache klar: nichts wie hin! Andererseits …
Großes ANDERERSEITS! Martina Hill leidet unter heftiger Flugangst; daran hat auch die Brachialerfahrung eines Tandem-Fallschirmsprungs nichts geändert, den sie ihrer Freundin Jenny verdankt. Wie das war? «Ich also rein in die kleine Propellerkiste, geschnallt an einen attraktiven, braun gebrannten Fallschirmsprunglehrer (man hätte mich in dem Zustand allerdings auch an eine tiefgefrorene Schweinehälfte schnallen können, ich hätte den Unterschied nicht gemerkt), um dann aus dem Flugzeug ‹gesprungen› zu werden.» So war das. Nie wieder!

Wenn Mao auf Kurt Cobain trifft

Aber, Sie ahnen es, China hat sich Martina dennoch nicht entgehen lassen, Flugangst hin oder her. «Krasse Sache! Ich in China! Wer hätte das gedacht!» Was ihr als Erstes auffällt: «Peking ist überraschend grün. Vor allem untenrum.» Beim ersten Peking-Bummel scheitert Martina zwar an der Verbotenen Stadt, schafft es aber doch zu einer anderen «Top-top-top Sehenswürdigkeit» (Pep Guardiola): «Die Leute wollen alle ins Mao-Mausoleum, um sich den einbalsamierten Staatspräsidenten Mao Zedong anzugucken. So mancher deutsche Comedian würde sich so einen Besucherstrom zu Lebzeiten wünschen, wie Mao Zedong ihn selbst nach seinem Tod noch «erlebt».
Tagsüber gehen ihr vor Staunen die Augen über. Und nachts kommen Träume mit 1a-kompensatorischem Touch: Mal überfällt sie mit Strumpfhose überm Kopf in Peking nachts um eins einen Getränkeladen, mal erscheint ihr ein blonder Grunge-Superstar, mit dem es bekanntermaßen ein schlimmes Ende genommen hat: «Heute Nacht habe ich im Traum Kurt Cobain, dem Sänger von Nirvana, das Leben gerettet. Wie genau, weiß ich nicht mehr, aber ich konnte ihn irgendwie davon überzeugen, dass ‹sich mit der Schrotflinte das Gesicht wegwämmsen› langfristig gesehen kosmetisch keine besonders gute Lösung sei – und er habe doch so'n hübsches.»
Anderes Thema: das Essen. Man hört ja schon Sachen, die einem zu denken geben. Aber als durchglobalisiertes Multikultiwesen gibt man sich noch im fernsten Ausland offen und experimentierfreudig, was das kulinarische Angebot betrifft. Lektion 1: «Man kann alles essen, was sich nicht mit vernünftigen Argumenten zu wehren weiß, und ‹rattenscharf» kann «sowohl als auch» bedeuten.»
Lektion 2: «Hier gibt es alles, was das chinesische Feinschmeckerherz höherschlagen lässt: Pansen, Skorpion am Stiel, Seestern am Spieß, Flugeidechse kross gegrillt, Hühnerherzen und auch Vögel in Ganz und in Sauce. Grundsätzlich heißt es hier, dass man alles essen kann, was vier Beine hat, schwimmt oder fliegt – außer Tische, Boote und Flugzeuge.»

Fragen Sie Frau Inge!

Und die Arbeit? Passt schon. In der Show Dior's Man agiert Martina an der Seite des Comedians Da Peng. Smarter Hund, muss man schon sagen … mit Da peng in da house! Da Chinesen im Prinzip nur Chinesisch sprechen, ein wenig Englisch vielleicht, Deutsch aber ganz sicher nicht, ist Martina froh, Inge an ihrer Seite zu haben. Wobei Inge quasi der Kampfname der wackeren Übersetzerin ist: «Inge heißt mit richtigem Namen Dr. Zhang Yan. Ich denk, ich bleib bei Inge.»
Das toll bebilderte Buch ist ein einziges Vergnügen, auch wenn der rote Erzählfaden mitunter macht, was er will. Mit einem Tränchen im Knopfloch macht sich Frau Hill nach getaner Arbeit wieder auf die Heimreise. Eine Sache hat sie übrigens aus Beijing nach Köln importiert, die sie selber gern erfunden hätte: eine «Symbiose von halbautomatischer Gemüsezerkleinerungsapparatur und kosmetischem Necessaire: der Taschengurkenhobel mit Ausklappspiegel.» Ideal für die Gurkenmaske für zwischendurch. Und spottbillig dazu: ein (1!) Euro. «Gei-ell! Den MUSS ich haben!»

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