01.10.2015   von Katrin Koppold

«Manchmal muss man ganz schön weit reisen, um nach Hause zu kommen»

Katrin Koppold erzählt von der Entstehung ihres Romans «Zeit für Eisblumen» und ihrem Traumland Irland

© K. Koppold
© K. Koppold

Warum ich es so liebe, Geschichten zu erzählen? Weil das Schreiben für mich eine wundervolle Möglichkeit ist, Dinge zu konservieren. Erfahrungen, die ich gemacht habe; Menschen, die mich beeindruckt oder enttäuscht haben; schöne Erinnerungen und weniger schöne. Eines meiner persönlichsten Bücher ist «Zeit für Eisblumen» ...

Auf dem Rücken der Pferde

Ein persönliches Buch ist es, weil die Heldin Fee mir ähnlich ist und ich mich gut in ihre Zerrissenheit, die Verletzlichkeit und den Perfektionswahn hineinversetzen kann – und weil ich in der Geschichte einen Teil meiner eigenen Biographie verarbeite. Zum anderen aber auch, weil es in Irland spielt. Auf der grünen Insel, an die ich, ebenso wie Fee, mein Herz verloren habe.


Vor 14 Jahren war ich das erste Mal dort. Zusammen mit meiner Freundin Caroline bin ich direkt nach dem Studium hingeflogen, um auf der Slieve Aughty Riding Ranch zu arbeiten und dadurch die Zeit bis zu meinem Lehramtsreferendariat zu überbrücken. Morgens halfen Caroline und ich rund um Haus und Hof, nachmittags durchstreiften wir auf dem Rücken der Pferde die Slieve Aughty Mountains oder sprangen auf der zum Hof gehörenden Military-Strecke über Traktorreifen und Steinmauern.


An den meisten Abenden saßen wir gemeinsam mit Esther, der Besitzerin der Ranch, und den anderen «working holidayern» zusammen vor dem Kamin, lasen, quatschten und hörten Keith, dem Lebensgefährten von Esther zu, wie er Klavier spielte. Und ich lernte die Musik der irischen Sängerin Dido kennen. Ihr «Here with me» ist bis heute eines meiner Lieblingslieder, das ich sowohl mit meiner Zeit in Irland als auch mit meinem Mann verbinde. Den habe ich nämlich exakt einen Tag, bevor ich mich für mehrere Wochen aus Deutschland verabschiedet habe, kennengelernt.

Besondere Begegnungen, spektakuläre Ausblicke

An den Wochenenden machten Caroline und ich die Insel unsicher. Da wir uns keinen Mietwagen leisten konnten, mussten wir uns mit den öffentlichen Verkehrsmitteln durchschlagen. Ein Projekt, das wegen des äußerst kreativen Umgangs der Iren mit Fahrplänen allerdings schnell zum Scheitern verurteilt war. Deshalb taten wir etwas, was ich mich in Deutschland niemals getraut hätte: Wir trampten. Und es hat richtig Spaß gemacht, denn wir haben dadurch unglaublich viele nette Leute kennen gelernt. Ein Pärchen hat wegen uns sogar einen Umweg gemacht, weil es uns unbedingt spektakuläre Küstenausblicke zeigen wollte.


Die meisten Plätze, die wir damals besuchten, tauchen auch in «Zeit für Eisblumen» auf: Die karge Mondlandschaft der Burrens, Connemara mit seinen struppigen Ponys, Achill Island, wo der deutsche Dichter Heinrich Böll gelebt hat, Dingle, das Städtchen an der Südküste mit dem berühmten Delfin, die stürmischen Cliffs of Mohér und der «romantic place» – ein geheimnisvoller Ort im Wald, zu dem man nur auf dem Pferderücken gelangen konnte.

Irland revisited ...

Mit meiner Mutter bin ich vor zwei Jahren all die Orte, die Caro und ich damals besucht hatten, noch einmal abgefahren. Im Winter. Die meisten Freunde und Familienmitglieder haben uns deswegen für verrückt erklärt. Aber Irland im Winter erschien mir einfach ein viel passenderer Schauplatz für eine Sinnsuche als ein grünes Irland mit Schäfchenwolken am Himmel und Touristen, so weit das Auge reicht.


Und auf der Suche nach einem Sinn in ihrem Leben ist meine Hauptperson Fee. Sie, die früher so erfolgreiche Moderedakteurin, merkt, dass sie nach der Geburt ihres Sohnes Pauls ihr Leben auf der Überholspur nicht mehr ohne weiteres fortführen kann. Deshalb kehrt sie dem Stress und der Hektik Münchens den Rücken und macht sich zusammen mit Mutter und Sohn auf nach Irland. Eine turbulente Reise beginnt, auf der Fee wieder zu sich selbst findet – eine Reise, auf die ich euch, liebe Leserinnen und Leser, gerne mitnehmen möchte. Eisblumen inklusive!

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