15.11.2017   von rowohlt

Mad about the girl

Ein kleines Buch, ein großer Roman: MAD MEN-Erfinder Matthew Weiner hält uns mit «Alles über Heather» in Atem

Mark und Karen Breakstone haben spät geheiratet. Bald wird ein Mädchen geboren, Heather. Ein wunderbares Kind, von allen vergöttert. Vor der Familie scheint ein privilegiertes, sorgenfreies Leben in Manhattan zu liegen. Doch das Dreieck Vater-Mutter-Kind ist labil. Mit Bobby Klaskey – Kind einer drogensüchtigen Prostituierten, gezeichnet von einer Höllenkindheit – tritt das Böse in Heathers Leben Als sich die beiden Geschichten kreuzen, ist die Katastrophe unausweichlich … Matthew Weiners Kurzroman liest sich wie ein Drama in fünf Akten. Schnörkellos knapp, dicht und ungeheuer spannend – hier sitzt jeder Satz. Es gibt wenige Bücher, von denen sich sagen lässt, dass man sie nicht aus der Hand habe legen könne. Dieses gehört definitiv dazu.

Stimmen zu Matthew Weiners Debütroman


Deutschlandfunk Kultur: «Das Buch ist so spannend, dass es schmerzt, die Lektüre zu unterbrechen.»
James Ellroy: «Dieser kleine Roman ist eine Sensation! Dabei ist es das klassische Rezept des Noir: der kurze Schritt über die Klippe und der Sturz in eine Hölle der Gleichgültigkeit. Eine teuflische Geschichte, die man in einem Atemzug lesen muss.»
F.A.Z.: «Matthew Weines Erzählung hat in ihrem grimmigen Nihilismus etwas Bezwingendes. Es ist eine verstörende Kälte, aus der diese Novelle gemacht ist.»
Michael Chabon: «Eine Tour de Force: kontrollierter Blick, messerscharfe Psychologie (…) Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen.»
Rolling Stone: «Pointiert und schnörkellos skelettiert Weiner die US-amerikanische Gesellschaft, arbeitet dabei gelegentlich mit Hitchcock-Suspense, ohne sein Buch zum Thriller werden zu lassen. Der mit nur 120 Seiten einer der kürzesten Romane des Jahres ist auch einer der besten.»
Süddeutsche Zeitung: «‹Alles über Heather› ist ein großartiger Psychothriller in der Tradition von Richard Yates und F. Scott Fitzgerald, eine Psychopathologie der amerikanischen Elternschaft, ihrer innersten Wünsche und Hoffnungen, Träume und Obsessionen.»


Als Autor, Produzent und Regisseur von Mad Men, der großartigen TV-Serie über die Werbewelt im New York der sechziger Jahre, hat sich Matthew Weiner weltweit einen Namen gemacht. Davor feierte er als Autor und Produzent für The Sopranos Erfolge. Mit seiner Frau, der Architektin Linda Brettler, und den vier Söhnen lebt Weiner in Los Angeles. «Alles über Heather» ist Weiners literarisches Debüt: eine «abgründige Novelle», «ein Schauerstück von der Upper East Side», wie Sandra Kegel in der F.A.Z. schreibt. Und eine Herzensangelegenheit: «Es war für mich die Erfüllung eines Kindheitstraums und ein lebensveränderndes Ereignis, dieses Buch zu schreiben …»

«Die Freude an Heather überstieg alles andere»


Eigentlich hatte sie die Hoffnung auf ein normales Familienleben schon aufgegeben. «Karen war schon fast vierzig und jenseits aller Hoffnung, jemanden zu finden, der es mit ihrem Vater aufnehmen konnte.» Bis Mark kam. Mark, Sohn eines Lehrers und Footballtrainers aus Newton, Massachusetts, kann ihr dank seines lukrativen Jobs im Finanzdistrikt von Manhattan zumindest materielle Sicherheit bieten: eine repräsentative Wohnung (auch wenn es nur die Gegend jenseits der Park Avenue ist, und nicht die 5th Avenue), ein ordentlich gefülltes Bankkonto, ein ruhiges, Leben.


Und damit nicht genug des Glücks: Karen wird schwanger. Als Heather zur Welt kommt, gibt sie ihren Job als PR-Frau im Verlagswesen auf; das für ein Leben in Manhattan notwendige Geld bringt ja Mark nach Hause. Karen will alle Zeit der Welt haben für ihr bildschönes, kluges, allseits beliebtes «Wunderkind». Je mehr sie Heather für sich reklamiert und vor Mark abschirmt, desto tiefer geht der Riss in der Beziehung des Paars. Nur in einem stimmen Karen und Mark noch überein: «dass ihr Innerstes in diesem herrlichen Geschöpf seinen Ausdruck gefunden haben müsse.»


Als Heather sich von Karens erstickender Liebe zu lösen beginnt, gerät das nach außen aggressiv beschworene Familienglück vollends ins Wanken. Während Karen, radikal desillusioniert von ihrem armseligen Leben, am Rande des Nervenzusammenbruchs wandelt, konzentriert sich Mark in obsessiver Weise auf das Glück und die Unversehrtheit seiner Tochter.  Deren unbeschwerte Existenz in Gefahr gerät, als plötzlich ein Fremder vor ihrem Haus steht.

«Bobbys Blick ... so brutal, so gierig»


Robert Klasky, genannt Bobby, wächst bei seiner alleinerziehenden Mutter in einer heruntergekommenen Gegend in New Jersey auf. Die heroinabhängige Prostituierte lebt von der Stütze und vom Klauen; ihr Kind lässt sie in kompletter Verwahrlosung aufwachsen. Bobbys Kindheit ist in einer Weise kaputt, die einen gruseln lässt: «Noch vor seinem zehnten Geburtstag hatte Bobby Zigarettenstummel gegessen, Bier getrunken und den Lovern seiner Mutter und manch einer ihrer Freundinnen geholfen, sich einen Schuss zu setzen, wenn sie es selber nicht mehr hinkriegten.»


Dass ihm das Zufügen von Schmerzen Lust bereitet, zählt für den Jungen zu den aufregendsten Entdeckungen seines Lebens. «Durch Zufall entdeckte er seine eigene Macht, als er einen Vogel fand, der sich in der Air-Condition am Fenster verfangen hatte. Bobby stellte die Anlage an und sah ehrfürchtig zu, wie das Tier von den Rotoren zerhackt wurde, bis Blut aus dem Ventilator spritzte.» Den letzten Rest Mitgefühl für andere Lebewesen verliert Bobby, als er nach der brutalen Misshandlung eines mexikanischen Mädchens aus der Nachbarschaft für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis muss. Wie es der Zufall will, findet er seinen ersten Job nach dem Knast mitten in New York, bei der Renovierung eines Hauses im Brownstone-Viertel nahe der Park Avenue. Jenem Haus, in dem Heather mit Mark und Karen das Penthouse im zehnten Stock bewohnt. 


Als er das schlaksige Mädchen mit den blauen Augen zum ersten Mal sieht, ist es, als habe ihn ein Blitz getroffen. «Bobby würde Heather besitzen, jeden Teil von ihr; sie beide würden in ihm eins werden, und er wäre der Anfang und das Ende von allem.» Die Kollision zweier Menschen, die sich unter normalen Umständen nie begegnet wären, ist ebenso unausweichlich wie das der beiden Lokomotiven, die auf demselben Gleis aufeinander zurasen. Kein Ausweichen möglich, das Verhängnis nimmt seinen Lauf …

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