29.09.2017   von rowohlt

Lieblingsautorinnen, Lieblingsautoren

Leselust und Schreibvergnügen. #buchpassion: Nikola Scott verrät uns ihre Lieblingsautoren

Shelley DeJager
Shelley DeJager

Mein Leben war schon immer vom Lesen und Schreiben geprägt. Die Stadtbibliothek war mein erster Lieblingsort, mein Studium (englische, amerikanische und deutsche Literatur) schien absoluter Luxus, genauso wie meine zehn Jahre als Belletristik-Lektorin. Heute schreibe ich Familienromane über Frauen, die schwierige Situationen mit (oft ungeahnter) Stärke und Humor meistern müssen und an ihnen wachsen. Solche Bücher habe ich selber schon immer am liebsten gelesen und möchte deshalb die #buchpassion als Anlass nehmen, einige der Autorinnen und Autoren vorzustellen, die meine Affinität zu diesem Genre mitgeprägt haben.

Joan Aiken, Christine Nöstlinger, Roald Dahl


Joan Aiken: Wölfe ums Schloss. Joan Aiken schreibt mit viel Fantasie und einem Hauch an Schauer, und ihre Heldinnen sind scharfsinnig, clever und pfiffig. Aikens Kinder- und Jugendromane haben mich über Jahre begleitet, insbesondere die Abenteuer von Dido Twite, die 1962 mit dem Band «Wölfe ums Schloss» begannen und über Jahrzehnte andauerten. Aber auch ihre etwas weniger bekannten Erwachsenenromane machen sie zu einer Autorin, die ich immer sehr bewundert habe.


Christine Nöstlinger: Gretchen Sackmeier. Keine Liebhaberin starker Heldinnen kam in den 80er und 90er Jahren ohne Christine Nöstlinger aus. Ihr Gretchen, zum Beispiel, hat eine ganze Reihe von Problemen, von Übergrößen bis hin zu einer Mama, die sich unbedingt auf Kosten der Familie emanzipieren muss. Nöstlinger erzählt nicht nur diese, sondern alle ihre etwas schrägen Geschichten mit Frechheit und Charme.


Roald Dahl: Matilda. Roald Dahls Bücher sind allesamt komplett verrückt, aber mit Matilda habe ich mich immer besonders seelenverwandt gefühlt, nicht nur aufgrund ihrer Bücherliebe, sondern auch durch ihren netten Witz, ihre Genügsamkeit und Beharrlichkeit.

Margaret Mitchell, Leo Tolstoi, Daphne du Maurier


Margaret Mitchell: Vom Winde verweht. Ein Familiendrama par excellence mit gleich zwei starken Frauenfiguren -- an denen sich die Geister jedoch oft scheiden: die willensstarke Scarlett O’Hara und die sanfte Melanie Hamilton. Die Dynamik zwischen den beiden Frauen hat mich beim Lesen oft noch mehr fasziniert als die Liebesgeschichte.


Leo Tolstoi: Anna Karenina. Anna Kareninas Charisma und Leidenschaft werden nur von ihrem unabdingbaren Weg in die komplette Selbstzerstörung übertroffen, und ihre Kapazität für Liebe und Selbstaufgabe hat mich von Anfang an sehr beeindruckt.


Daphne du Maurier: Rebecca. ‹Vergangene Nacht träumte ich, ich wäre wieder in Manderley.› Ein englischer Liebes- und Schauerroman, dicht erzählt, herrlich mysteriös und durch das atmosphärische Setting von Anfang bis Ende eindrucksvoll. Witwer Maxim de Winter lernt eine junge Frau aus einfachen Verhältnissen kennen und entführt sie als neue Ehefrau auf seinen Landsitz Manderley in Cornwall. Dort wird das junge Glück aber bald durch die allgegenwärtige Präsenz der verstorbenen ersten Mrs. de Winter getrübt -- besonders als deren Leiche auftaucht. Wie Daphne du Maurier liebe ich die englische Küste und insbesondere Cornwall als Schauplatz für meine Geschichten.

Rosamunde Pilcher, Arthur Golden, Gail Honeyman


Rosamunde Pilcher: Die Muschelsucher. Vor knapp 25 Jahren habe ich Rosamunde Pilcher das erste Mal entdeckt und empfehle sie immer wieder gerne weiter. Etwas schade, dass der Ruf der Autorin durch die Fernsehfilme leiden musste, denn wie auch ihre anderen großen Bücher «Heimkehr» und «September»  ist «Die Muschelsucher» ein ganz wunderbar lesbarer, spannender und packend erzählter Roman. Eine Mischung aus Liebesgeschichte (Cornwall zu Beginn des Zweiten Weltkriegs) und Familiendrama (London, Gegenwart), dessen Protagonistin Penelope Keeling dem Leser auch lange danach noch im Gedächtnis bleibt.


Arthur Golden: Die Geisha. Chiyo/Sayuri wird von der Mutter in ein Geisha-Haus verkauft. Der Aufstieg der jungen Frau durch die intriganten und komplexen Ränge der Geisha-Gesellschaft wird begleitet von einer zurückhaltenden Liebesgeschichte mit dem mysteriösen ‹Direktor›. Nicht nur die Heldin macht den emotionalen Zug dieses Romans aus, sondern auch ihre Mentorin Mameha, die ich insgeheim fast noch faszinierender fand als Sayuri.


Gail Honeyman: Ich, Eleanor Oliphant. Mein Lieblingsbuch in diesem Jahr, in welchem eine außergewöhnliche, etwas schräge, aber umso liebenswertere Heldin den Mut zu einem Neubeginn findet. Eleanor Oliphant zeigt, dass es nicht immer nur die überdimensionale Persönlichkeit einer Scarlett O’Hara oder Anna Karenina sein muss, sondern dass das Glück sich in ganz kleinen Dingen des alltäglichen Lebens findet: einer unerwarteten Freundschaft, einer selbstlosen Hilfetat oder einem Sprung über den eigenen Schatten.


Starke Autorinnen, starke Heldinnen – das waren meine Lieblinge. Ein großes Dankeschön an Janine von kapri-ziös, dass sie diese tolle Aktion schon zum zweiten Mal anregt.

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