31.08.2015   von rowohlt

Krebs – Die Krankheit. Die Therapien. Die Profiteure

«Wir werden zu alt, um krebsfrei zu leben»: Wie der Krebs Deutschland erobert und eine ganze Industrie schafft

Wissenschaftler prognostizieren bis zum Jahr 2030 rund 60 Prozent mehr Krebsfälle  – eine gigantische Herausforderung, menschlich wie gesundheitspolitisch. Jeder Zweite wird an Krebs erkranken. Der Arzt, Wissenschaftler und Politiker Karl Lauterbach legt in seinem Buch prägnant (und auch für medizinische Laien verständlich) alles dar, was wir über die Volkskrankheit Krebs wissen müssen. Und weshalb die Gesundheitslobby – Ärzte, Krankenhäuser und Pharmaindustrie – so glänzend daran verdient.

Volkskrankheit Nr. 1

«Schon heute lässt sich sagen, dass Krebserkrankungen die öffentliche Debatte um Gesundheit und Gesundheitspolitik in den kommenden Jahren bestimmen werden ... Krebs (ist) die wichtigste Epidemie unserer Zeit, die sich unaufhaltsam ausbreitet.» Krebs – das unkontrollierte Wachstum mutierter Körperzellen – ist von zahlreichen Mythen umgeben, die es schwer machen, ihn zu bekämpfen. An dieser Entmythisierung der Volkskrankheit Nr. 1, die allein der mächtigen Gesundheitslobby dient, arbeitet Lauterbach mit Hochdruck.


Weshalb das Buch wichtig ist: Karl Lauterbach argumentiert aus einer exponierten Position heraus – als Arzt, Wissenschaftler, Gesundheitsexperte und Politiker. «Die Krebs-Industrie» verbindet Basiswissen über die Krankheit und die Therapiemöglichkeiten mit einer massiven Kritik an den zum Teil zynischen Kalkülen der Pharmaindustrie und ihrer Lobbyisten in Politik und Medien. Die Vorwürfe: 1. Die Kosten der neuen Therapien stehen in keinem nachvollziehbaren Verhältnis zu ihrem realen Nutzen. 2. Die gern von Industrieseite kolportierten Kosten von mehr als einer Milliarde Dollar pro Krebsmedikament sind ein Mythos. 3. Die Konzerne missbrauchen ihre Marktmacht; dafür müssen sie nicht einmal zum Instrument der Preisabsprachen greifen: Es gibt nur wenige potente Anbieter. 4. Pharmafirmen geben im Schnitt nur 1,3 Prozent ihres Umsatzes für Grundlagenforschung aus. 5. Die hohen Preise der neuen Krebsmedikamente sprengen das System. «Der Ruin und die Verzweiflung der Krebskranken sind schlicht der Gier der Aktionäre und der Unternehmensvorstände geschuldet.»


Der Autor: «Karl Lauterbach ist gebildeter, unabhängiger, eloquenter als fast alle seine Kollegen im Parlament – er ist eine der ungewöhnlichsten Figuren der jüngsten deutschen Parlamentsgeschichte. Er ist angetreten, die deutsche Politik zu verändern.


Der Aufbau des Buches: Wie Krebs entsteht – Neue Therapien: gezielt und teuer – Die Krebs-Industrie wächst – Was kann die Politik tun

Befunde und Prognosen

1. «Von der Babyboomer-Generation der Jahrgänge 1950 bis 1970, insgesamt rund 25 Millionen Menschen, wird die Hälfte im Laufe ihres Lebens an Krebs erkranken.»


2. «Das größte Risiko dieser Generation ist ihre lange Lebenserwartung. Sie erhöht das Krebsrisiko deutlich mehr, als alle bekannten Vorbeugemöglichkeiten es reduzieren können.»


3. «Die Frage ist also, wie viele Menschen an Krebs sterben werden und welche Lebensqualität ihnen bis dahin bleibt – und weniger, wie viele Menschen erkranken … Eine komplett krebsfreie Familie wird in Zukunft eher die Ausnahme sein.»


4. «Während die Frage, wie wir im Alter leben wollen und wie das finanzierbar ist, völlig zu Recht breit diskutiert wird, ist Krebs von dieser Aufmerksamkeit weit entfernt.»


5. «Die Therapie von Krebs wird in den nächsten Jahren dramatisch teurer werden, weil wir zurzeit in einem Bereich eine wahre Revolution erleben: den Übergang von der klassischen Chemotherapie zur sogenannten gezielten Therapie. Dabei werden statt relativ simpler chemischer Moleküle oder Hormone maßgeschneiderte Spezialmoleküle oder Antikörper eingesetzt, die mehr oder weniger gezielt in die erst in den letzten Jahren erfolgreich erforschten Mechanismen des Krebswachstums eingreifen.»


6. «Die Babyboomer waren und sind den Risikofaktoren für Krebs – hohe Lebenserwartung, Rauchen, Alkohol, Übergewicht, Bewegungsarmut – so lange und so intensiv ausgesetzt wie keine andere Generation. (…) Daher ist sie, was den Krebs betrifft, eine Sandwich-Generation. Sie ist zu jung, um an anderen Erkrankungsarten zu sterben, und zu alt, um die Heilbarkeit vieler Krebsarten zu erleben.»


7. «Im Kampf gegen Krebs brauchen wir alle Mittel, die es gibt; deshalb sind wir auch angewiesen auf eine Krebsindustrie, die diese Mittel herstellt. Aber wir benötigen eine bessere Krebsindustrie, und dieses Buch will zeigen, wie das gehen könnte.

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