22.03.2018   von rowohlt

Kaddisch für Kafka

«Mysteriös und verführerisch … Metaphysik und entschiedener Realismus gehen eine faszinierende Verbindung ein.» (Harper's Magazine)

© Goni Riskin
© Goni Riskin

Zwei Menschen an der Schwelle zu etwas Neuem – zwei Lebenswege, die sich in der Wüste Negev kreuzen. Jules Epstein, 68, ein vom Leben enttäuschter reicher New Yorker Anwalt, gerät nach der Scheidung von seiner Frau aus dem Tritt. Zum Schrecken seiner Kinder verschenkt er den größten Teil seines Vermögens und plant, den Rest in eine Stiftung zum Gedenken an seine Eltern zu stecken. Dass alles ganz anders kommt, liegt an einem meschuggenen Rabbiner, der Epstein als Abkömmling der dynastischen Linie von König David für etwas Größeres ausersehen hat. Auf der anderen Seite: die junge Autorin Nicole, die ihre Familie in Brooklyn zurücklässt und nach Tel Aviv ins Hotel Hilton flieht. Anstatt dort die ersehnte Ruhe zu finden, bedrängt sie ein emeritierter Literaturprofessor, ein unvollendetes Dramenskript Kafkas fertigzuschreiben …

Stimmen zu «Waldes Dunkel»


Stern: «Ein mystischer, brillant geschriebener Roman
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: «Nicole Krauss hat ihren besten Roman geschrieben. es ist ein Roman über Verschollene, die in Israel Zuflucht suchen und doch kein Zuhause finden.»
Brigitte: «In ihrem Roman über eine Frau namens Nicole treibt Nicole Krauss ein geschicktes Spiel mit Biografie und Fiktion.»
Cosmopolitan: «Faszinierend erzählt.» 
FRIZZ: «Nach sieben Jahren legt Nicole Krauss einen neuen Roman vor, der all schillernd-intellektuelles Verwirrspiel bezirzt.» 

Überhaupt – Kafka!


In «Waldes Dunkel» treibt die jüdisch-amerikanische Schriftstellerin Nicole Krauss das Rätselraten um den 1924 verstorbenen Autor lustvoll auf die Spitze. Die Nachlasssituation in Sachen Franz Kafka ist, wie man weiß, ziemlich verworren. Was u.a. daran liegt, dass Max Brod die hinterlassenen Handschriften seines Freundes nicht, wie versprochen, verbrannte, sondern mit nach Israel nahm (und so vor den Nazis rettete). Ester Hoffe, Brods 2007 im Alter von 101 Jahren verstorbene Sekretärin und Lebensgefährtin, schenkte das kostbare Erbe des Jahrhundertautors ihren Töchtern – angeblich einen ganzen Koffer voller Handschriften, Postkarten und Briefe. (Nach einem langwierigen Rechtsstreit sprach der Oberste Gerichtshof Israels im August 2016 den Nachlass endgültig der israelischen Nationalbibliothek zu.)


Mit sprühender Intelligenz und erzählerischer Raffinesse webt Nicole Krauss, Autorin des Welterfolges «Die Geschichte der Liebe»,  ein traumhaft metaphorisches Gespinst von einem Roman, frei nach Dante: «Ich fand auf unseres Lebensweges Mitte in eines Waldes Dunkel mich verschlagen, weil sich vom rechten Pfad verirrt die Schritte.» 


Apropos verirrt und verwirrt: Könnte es sein, dass Franz Kafka gar nicht am 3. Juni 1924 in einem niederösterreichischen Sanatorium im Alter von 40 Jahren an Tbc gestorben ist (eine Inszenierung!), sondern auf Umwegen Palästina erreichte, wo er die nächsten drei Jahrzehnte unter dem Namen Anshel Peleg als Gärtner arbeitete – und ganz nebenbei auch sein Werk auf Hebräisch weiterschrieb? «Die Kinder liebten ihn wegen der kleinen Puppen und Flugzeuge, die er ihnen aus Balsaholz bastelte, und wegen seines verschmitzten Humors.» Ja, die Literatur schreibt wirklich die schönsten Geschichten!

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