17.12.2018   von rowohlt

Ganz schön hyggelig!

Kate, Ben und das Lebensgefühl der Dänen: eine hinreißende Liebesgeschichte im idyllischen Kopenhagen

© Beskova Ekaterina; Iveta Angelova/shutterstock
© Beskova Ekaterina; Iveta Angelova/shutterstock

PR-Frau Kate Sinclair organisiert eine Pressereise nach Kopenhagen: ein Stressjob, der reinste Flohzirkus! Sechs Journalisten soll sie für das Lebensgefühl der Dänen begeistern, die als glücklichste Menschen der Welt gelten. Mit dabei ist der zynische Ben: ein Mistkerl, findet Kate, aber verdammt attraktiv. Ben hält von dem Hygge-Hype überhaupt nichts, ebenso wenig von gesponserten PR-Reisen. Am liebsten würde er nonstop gegen die Ungerechtigkeiten der Welt anschreiben. Kein Wunder, dass zwischen ihm und Kate die Fetzen fliegen. Aber dem Charme Kopenhagens kann sich auch Ben nicht entziehen. Und erst recht nicht dem von Kate.

«Ich liebe meinen Job in Public Relations. Aber …»


Richtig glücklich ist Kate
über den Auftrag nicht. Eine Pressereise nach Kopenhagen organisieren, um handverlesenen Journalisten im Auftrag eines potentiell wichtigen lukrativen neuen Kunden das Lebensgefühl das Lebensgefühl der Dänen nahezubringen – für andere wäre das ein Traumjob gewesen. Aber derzeit ist Kate alles andere als gut drauf. Ihr karrieregeiler Freund Josh Delaney bekommt den Job in der renommierten Londoner PR-Agentur, auf den sie sich beworben hatte. Auf den sie wirklich scharf war – und den sie, nach Ansicht fast aller Kolleginnen und Kollegen, auch verdient hätte. Ganz übel stößt ihr auf, dass Josh nicht einmal die Größe hatte, ihr zu beichten, dass auch er eine Bewerbung abgeschickt hatte.


Diese Illoyalität gibt ihrer Affäre den Todesstoß. Josh ist ein Feigling und ein Macho-Idiot, eine widerliche Kombination. Statt nach der Verkündung der Personalie wenigstens den Rücken geradezumachen, speist er sie in seiner perfiden Selbstgerechtigkeit mit diesem Satz ab: «Am Ende hat der Vorstand befunden, dass du noch etwas mehr praktische Erfahrung brauchst. Und etwas mehr Gravitas.» Gravitas, das Wort muss Kate erst einmal nachschlagen. Außerdem, so Josh, «du bist noch immer jung … Kate, du wirst mal heiraten und Kinder haben. Du brauchst das Gehalt nicht.» Gravitas! Da kann man nur sagen: Bye-bye, Arschloch!


Nun also Kopenhagen. Eine Exkursion in Sachen Hygge – für Kate klingt das nach dem «neuesten Lifestyle-Scheiß». Weil offensichtlich keine ihrer Kolleginnen bei The Machin Agency zeitlich für diesen Auftrag frei war, hat ihre Chefin Megan sie gefragt. So sieht Kate das. Was sie da nicht ahnen kann: Die Marketingoffensive für Lars Wilders, den Geschäftsführer des dänischen Kaufhauses Hjem, wird für sie zum doppelten Glücksfall werden, beruflich wie privat. Ein Big Bang des Glücks. Wilders will eine Filiale des Kaufhauses nach London bringen. «Wie bringen wir das Herz von Hygge nach Großbritannien und auf die Marylebone High Street in London?»


Das Herz von Hygge? Da heißt es, gute Miene zum heiklen Spiel machen. Sechs Journalisten, fünf Tage Kopenhagen. Und gaaanz viel Hygge! Für Kate klingt das sehr nach Flow, Esoterik und – bestenfalls – dänischer Inneneinrichtung. Ihre Freundin Connie schüttelt ob solcher Ignoranz nur den Kopf. «Nee, das ist viel mehr. Es ist eine Haltung. Eine Lebenseinstellung. (…) Es geht darum, sich das Leben durch die kleinen Dinge schöner zu machen.»

«Hygge?! Bleiben Sie mir weg mit Kerzen und Wolldecken!»


Eine wahre Personifizierung der Hygge-Haltung
lernt Kate gleich am ersten Tag in Kopenhagen kennen. Lars Wilders' Mutter Eva betreibt ein kleines, gemütliches Café in der Stadt, der Name ist Programm: Varme, Wärme. Hier ist alles hyggelig: die liebevolle Einrichtung, das warme Licht, die duftenden Kanelsnegle (Zimtschnecken), überhaupt all die köstlichen Kuchen, Gebäcke und Desserts! Eva ist eine kluge, nein: eine weise Frau. Warmherzig, liebevoll, von Herzen interessiert an ihren Gästen und deren Geschichten. Für Kate wird das Varme zu dem Ort in Kopenhagen, an dem aller Stress von ihr abfällt, an dem sie zu sich findet. Eva ist ein einziges großes Geschenk.


Absolut unhyggelig ist dagegen für Kate alles, was mit Ben zu tun hat: Benedict Johnson, beim Sunday Inquirer zum Lifestyle-Redakteur degradiert. Bereits das, nun ja, Kennenlernen am Telefon vor ein paar Tagen verlief speziell. Kate: «Hi, ich bin Kate Sinclair von The Machin Agency. Ich –». Ben: «Sie haben fünf Sekunden.» Kate: «Wie bitte?» Ben: «Vier.» Kate: Hätten Sie Interesse an einer Pressereise nach Kopenhagen, um herauszufinden, warum die Dänen als glücklichste Nation der Welt gelten?» Ben: «Nein.» Aufgelegt.


Dass Ben am Ende doch nach Kopenhagen mitreist, klingt für Kate nach Katastrophe. Bis er vor ihr steht. Und sie ansieht. Ben ist ein Bild von einem Mann – keine Frau, die auch nur ansatzweise auf Männer steht, würde einen wie ihn von der vielzitierten Bettkante schubsen. Groß, schlank, volle Haare, warme Stimme. Und, wenn er es drauf anlegt, unglaublich charmant. Klug und belesen sowieso, kurz: ein Must-have.

«Du Glücksschwein!»


Was Julie Caplins Roman zu einer kleinen Preziose
macht? Zunächst einmal ist «Das kleine Café in Kopenhagen» eine Einladung, endlich einmal wieder nach Dänemark zu reisen, sich auf Land und Leute einzulassen: das Tempo im Alltag rauszunehmen, durchzuatmen, zu genießen, sich Zeit und Ruhe zu gönnen. Schön ist, dass auch die Geschichten der anderen in der Reisegruppe den Raum bekommen, den sie brauchen. Denn ob Fiona, David, Avril, Conrad oder Sophie, irgendwie sind sie alle, egal wie cool und stylish sie tun, vom Leben gezeichnet. Kämpfen mit Versagensängsten, leiden unter Trennungen, stehen kurz vor dem Burnout oder dem finanziellen Ruin, sind einsam.


Und dann ist da diese spezielle Liebesgeschichte, von der man nichts verpassen will, Kate und Ben. Sie spürt – das könnte ernst werden. «Ich mochte diesen Kerl doch überhaupt nicht, verdammt. Also wieso führte mein Herz diesen Affentanz auf, als hätte ich noch nie einen gutaussehenden Mann gesehen? Im Ernst, er war unhöflich, arrogant und grässlich. Er sah noch nicht mal wahnsinnig gut aus. Nicht wirklich. Bloß passabel. Nette Schultern. Nette Augen. Nettes Gesicht. Interessantes Gesicht, in dem alles irgendwie gut zusammenpasste. Aber wirklich nur nett, nicht zum Umfallen gutaussehend. Okay, er sah zum Umfallen gut aus, aber das bedeutete überhaupt nichts.»


Und es kommt, wie es kommen musste zwischen Ben und Kate. Aber wie wird es sein, wenn die fünf Tage Kopenhagen passé und alle wieder zurück im geschäftigen Treiben der coolen britischen Metropole sind? Was hat die Pressereise an Kates Standing in The Machin Agency verändert? Und, wichtiger, was wird übrig bleiben von all dem Hygge, der Freundschaft, der Vertrautheit zwischen Kate und den anderen? Und, noch wichtiger: Wie wird es mit Ben und ihr weitergehen?

Das kleine Café in Kopenhagen

Das kleine Café in Kopenhagen

Eine im wahrsten Sinne süße Liebesgeschichte im idyllischen Kopenhagen - mit sympathischen Figuren, warmherzigem Humor und viel Lokalkolorit!
PR-Frau Kate organisiert eine Pressereise nach Kopenhagen. Unter den eingeladenen Journalisten ist auch der zynische Ben, der von dem Hype um den dänischen Hygge-Trend überhaupt nichts hält und eigentlich ...  Weiterlesen

Preis: € 10,00
Seitenzahl: 416
rororo
ISBN: 978-3-499-27553-1
18.12.2018
Erhältlich als: Taschenbuch, e-Book
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