24.09.2015   von rowohlt

Jojo Moyes und The Golden Creek

Ein Interview mit The Golden Creek und ihren Song zum Jojo-Moyes-TV-Spot

Endlich da: Jojo Moyes' neuer Roman «Ein ganz neues Leben», die Fortsetzung ihres Weltbestsellers «Ein ganzes halbes Jahr». Hunderttausende haben sehnsüchtig auf dieses Buch gewartet, nun liegt es in allen Buchhandlungen. Sollten Sie sich fragen, von dem die wunderbare Musik im aktuellen TV-Video zu Moyes' Roman  stammt: von der Hamburger Gruppe The Golden Creek. Wie die Band zu Jojo Moyes kam – das haben wir von den Musikern selbst erfahren …

Männer – Spezialisten fürs romantische Scheitern

Eine Bestsellerautorin: Jojo Moyes. Ein Roman: «Ein ganz neues Leben». Und ein Song, der sich im Video zum Roman anschmiegt wie eine zweite Haut. Jojo Moyes, Rowohlt, The Golden Creek – was ist die Geschichte hinter der Geschichte?
Darauf gibt es eigentlich zwei Antworten. Die Möglichkeit zu versuchen, ein Buch in einen Song zu packen, verdanken wir einer lieben Freundin, die dem Rowohlt Verlag diese Idee vorgeschlagen hat. Dass das so gut funktionieren würde, hat außer ihr – denke ich – erst einmal niemand erwartet. Auch wir nicht.
Die zweite Antwort auf diese Frage ist: Ich glaube, dass Musik und Literatur viel miteinander gemeinsam haben – ohne unseren kleinen Song «Everything Falls Apart» jetzt mit dem Buch von Jojo Moyes vergleichen zu wollen. Musik und Literatur erreichen Menschen auf unterschiedlichen Wegen, aber manchmal treffen sie dieselbe Stelle. Als wir den Song schrieben, haben wir versucht, unsere eigenen Geschichten mit der des Romans zu verbinden, um so Leser und Hörer das Gefühl des Buchs in der Musik erleben zu lassen. Ich hoffe, das funktioniert.


Jojo Moyes – das gilt als klassische Frauenunterhaltung, mit geschätzt mehr als 90 Prozent weiblichen Lesern. Und dann The Golden Creek, fünf gestandene Männer: wie geht das zusammen? Hat das vielleicht auch was mit den «Frauen hinter der Band» zu tun, die gesagt haben: «Jungs, wär' das nicht was?»
Tatsächlich haben uns «die Frauen hinter der Band» erst mal für verrückt erklärt, als wir ihnen erzählt haben, was der Rowohlt Verlag mit uns und dem neuen Buch von Jojo Moyes vorhat. Denn dass eine eher lokal bekannte Band wie The Golden Creek und ein Bestsellerroman zusammenfinden, ist mehr als unwahrscheinlich. Trotzdem ist es passiert. Und das hat etwas Romantisches. Vielleicht liegt genau da die Verbindung zwischen uns als Band und dem Buch: Denn dass wir Männer keine Romantiker wären, glaubt uns doch längst keiner mehr. Vor allem für romantisches Scheitern haben wir doch großes Talent. ?


Ihr seid im Videoclip zum neuen Roman von Jojo Moyes im Fernsehen zu hören. Cooles Gefühl vermutlich – seid ihr aufgeregt, fliegen die Sektkorken?
Klar sind wir aufgeregt. Und stolz. Und glücklich. Für uns als Band ist es toll, dass mehr Menschen unsere Musik hören werden, als wir je für möglich gehalten hätten. Bisher war vor lauter Studio-Organisation und Produktion noch keine Zeit für knallende Sektkorken. Aber wenn am Donnerstag der Spot anläuft, sitzt die ganze Band mit Sicherheit zusammen vor dem Fernseher. Gut, vielleicht eher mit einem Kasten Bier. Aber das gilt auch, oder? Das Gefühl, sich selbst im Fernsehen spielen zu hören, ist im Moment noch so abstrakt, dass ich es mir kaum vorstellen kann. Ab Donnerstag wissen wir dann, wie sich das anfühlt.

Dass man zu fünft eine so zarte, leise Musik machen kann! Rezensenten attestieren euch einen «authentischen Americana-Sound» (mit Lap Steel Guitar, Banjo und Orgel) – Country bzw. Country-Rock aus Hamburg, mit Anklängen an Ryan Adams, Wilco etc. Passt das – wie beschreibt ihr selbst eure Musik?
Klar sind das Vorbilder, die wir alle hören und die unseren Sound prägen. Bei der Arbeit an «Everything Falls Apart» lag unser Fokus aber woanders. Es war uns sehr wichtig, dass wir den Song so schonungslos, ehrlich und direkt aufnehmen, wie möglich: Ein kleiner Raum. Akustische Instrumente. Kaum Effekte. «Everything Falls Apart» ist das Gegenteil einer großen Produktion.
Schon als wir dem Rowohlt Verlag die Songskizze das erste Mal vorgestellt haben, hat sich diese Unverfälschtheit sofort übertragen: Als der Song zu Ende war, hat keiner ein Wort gesagt. Alle saßen da, still. Wir waren natürlich sehr aufgeregt, weil wir nicht wussten, was diese Stille zu bedeuten hat. Mögen sie den Song? Aber dann wurde klar: Das ist es. Das funktioniert. In diesem Moment haben alle dasselbe gehört und gefühlt – uns eingeschlossen. Und irgendwie hatte dieses Gefühl wohl viel mit Jojo Moyes' Roman zu tun. Von da an war klar: Das wird der Song zum Buch.


Es gibt einen wunderbaren Satz auf der Website Eures Labels Off Label Records (Timezone) über die Essenz eurer Musik: «Eigentlich könnte man weiterziehen. Doch die Welt und das Leben treiben vorbei und man wird ruhiger, zumindest weniger laut.» Sind The Golden Creek eigentlich immer so schön elegisch – oder lasst ihr es live auch mal so richtig krachen?
Interessante Frage. Das hängt sehr vom Club und unserer Tagesform ab, denke ich. Wir spielen gerne «leise Clubs», weil auch leise Musik eine enorme Dichte und Intensität entfalten kann. Das Publikum ist in solchen Clubs meist sehr konzentriert und nah an der Band. Ich mag das. Die Intimität, die daraus entsteht.
Tatsächlich spielen wir an anderen Abenden aber auch in Bierlaune, und dann ist die Intensität eine ganz andere. Eine, die eher aus zornigen Gitarren besteht. Songs wie «And So I Drowned» oder «We loved Elvis» eignen sich immer besonders gut, um sich mal ein bisschen gehenzulassen. Ich denke, das Laute und das Leise sind zwei Richtungen, aus denen man auf das Leben blicken kann. Wir mögen beide. Und das hört man auch auf unseren Konzerten.

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