11.08.2018   von rowohlt

«Da draußen ist jemand …»

Grausamer als die Natur ist nur der Mensch: Jane Harpers zweiter Thriller um den australischen Polizisten Aaron Falk

© Eugene Hyland Alice
© Eugene Hyland Alice

Mit ihrem Debütroman «Hitze» gelang Jane Harper in Australien ein großer Bestseller – dicht, packend, mitreißend. «Sie werden», schrieb ein Rezensent, «die Hitze spüren, den Staub schmecken und gegen das gleißende Licht anblinzeln». Auch in ihrem neuen Thriller «Ins Dunkel», die Geschichte der dramatischen Suche nach einer verschwundenen Frau, lässt Harper die Spannung hochköcheln, Seite für Seite. Mit verstörenden Rückblenden, messerscharfen Schnitten – und hinreißenden Beschreibungen einer Berglandschaft im Outback, die so schön wie furchterregend ist. «Jane Harper ist eine Meisterin ihres Fachs.» (Hamburger Abendblatt)

Jane Harper: Ins Dunkel

Fünf Frauen unternehmen eine Wanderung durch den australischen Busch, organisiert von ihrer Firma, ausgerüstet nur mit Kompass und Landkarte. Tage später kommen nur vier von ihnen zurück. «Später waren sich die vier Frauen nur in zwei Dingen einig. Erstens: Niemand hatte gesehen, wie die Wildnis Alice Russell verschluckte. Und zweitens: Alice hatte eine so scharfe Zunge, dass man sich daran schneiden konnte.» Als die Frauen zu spät zum Sammelpunkt kommen, kursieren in der Männergruppe Witze des Kalibers «Frauen und Karten lesen». Das Lachen vergeht ihnen, als vier total erschöpfte, verängstigte Frauen über die Hügelkuppe taumeln. Eine Frau hat es nicht geschafft – was ist mit Alice geschehen?


Federal Agent Aaron Falk, Ermittler der australischen Polizei, muss die verschwundene Alice Russell unbedingt finden. Sie ist seine Informantin beim Melbourner Unternehmen BaileyTennants, das unter dem Verdacht der Geldwäsche steht. Alice weiß nicht nur um die kriminellen Machenschaften der Firma, sondern kennt auch die dunklen Geheimnisse ihrer Kolleginnen, mit denen sie die Trekkingtour begonnen hat. Eine Männergruppe, eine Frauengruppe, auf unterschiedlichen Routen unterwegs – eine Teambuilding-Maßnahme, die fürchterlich aus dem Ruder gelaufen ist. In der Nacht vor Alices Verschwinden hatte Aaron Falk einen Anruf von ihrem Handy erhalten, um 4.26 Uhr. Aus dem Rauschen kann er nur drei Wörter einer weit entfernten Stimme herausfiltern: «…ihr weh tun …»


Schon einmal war das Giralang-Massiv in die Schlagzeilen geraten, und das nicht wegen seiner spektakulären Natur rund um den Mirror-Falls-Trail. Eine Gruppe von Campern hatte die Leiche einer 24-jährigen Lehramtsanwärterin gefunden, die ein Wochenende in der freien Natur verbringen wollte – barfuß, erwürgt mit ihren eigenen Schnürsenkeln. Noch zwei weitere Frauen wurden dort draußen ermordet, eine andere gilt seitdem als vermisst. Der Wanderarbeiter Martin Kovac hatte bis zuletzt die ihm zur Last gelegten Morde geleugnet; vor drei Jahren war er nach einer Schlägerei im Gefängnis ins Koma gefallen und gestorben. Aber was ist mit Kovac' Sohn Sam? Vor fünf Jahren verschwand er vom Radar der Polizei. Ob untergetaucht, entführt oder tot, niemand weiß, was mit ihm ist …


Gemeinsam mit seiner Kollegin Carmen und den Park Rangern macht sich Aaron auf die Suche nach der verschwundenen Frau. Die Wildnis im Giralang-Massiv ist unerbittlich, es ist bitterkalt, die bleiche Wintersonne kommt nur sporadisch durch. Lange wird Alice hier nicht überleben. Doch die wahre Gefahr droht von ganz anderer Seite ...

Jane Harper: Hitze

Mensch und Tier ächzen unter der schlimmsten Trockenheit seit hundert Jahren; viele Farmer stehen vor dem Ruin, das Städtchen Kiewarra im Outback ist von einer fiebrigen Stimmung ergriffen, die Nerven liegen blank. Es ist die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten. Tote Tiere auf den Weiden, Boden und Flüsse ausgedörrt, die Farmer fürchten um ihre Existenz. Und der Schrecken nimmt kein Ende: Luke Hadler, seine Frau Karen und ihr Sohn Billy werden tot in ihrem Haus aufgefunden, erschossen. Nur das Baby hat überlebt.


Aaron Falk ist zur Beerdigung seines Jugendfreundes nach zwanzig Jahren zum ersten Mal nach Kiewarra zurückgekehrt Für Falk ist klar: «Trauergottesdienst, Leichenschmaus, eine Übernachtung, dann nichts wie weg. Achtzehn Stunden, kalkulierte er, mehr nicht.» Aber daraus wird nichts. Anstatt direkt wieder nach Hause zu fahren, bleibt Falk, Bundesbeamter bei der Steuerfahndung in Melbourne, in Kiewarra hängen. Die Frage, warum Luke und seine Familie sterben mussten, lässt ihn nicht mehr los.


Als der Brief von Lukes Vater bei ihm auf dem Schreibtisch landet, ist ihm klar, dass er seiner Vergangenheit in Kiewarra nicht länger ausweichen kann. Neun Worte in ungelenker Schrift: «Luke hat gelogen. Du hast gelogen. Komm zur Trauerfeier.» Und nun ist er hier. Er versucht gemeinsam mit dem jungen Sergeant Raco herauszufinden, ob die Harders tatsächlich wegen jener Tat sterben mussten, die Kiewarra damals bis ins Mark traf: Ellie Deacons Tod. Die Indizienlage ist alles andere als eindeutig. Aaron beginnt sich zu fragen, ob die Hadler-Tragödie etwas mit Ellies Tod zu tun hat. Damals, vor zwanzig Jahren, war Aarons 16-jährige Freundin wenige Tage nach ihrem spurlosen Verschwinden tot im Fluss gefunden worden. Mord oder Selbstmord? Das wurde nie geklärt.


Alte Wunden brechen auf, und nicht nur die glühende Hitze fordert ihren Tribut ...

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