17.10.2015   von rowohlt

«Ich habe mich entschieden, dich nicht zu lieben»

Eine berührende Geschichte von Liebe, Wut, Hilflosigkeit und Abschied

© Gerald von Foris
© Gerald von Foris

Ein halbes Leben hat Nils Liebe nichts von Sanela gehört. Als sie aufeinander trafen, waren beide vierzehn. Sie kam als Kriegswaise aus Jugoslawien, hatte ihre Eltern verloren. Er war einer, der vierstellige Zahlen im Kopf multiplizieren konnte und dem auch sonst die Außenseiterposition gut stand. Zusammen reißen sie aus, mitten hinein in den Krieg,  um das Grab von Sanelas Vater in Bosnien zu finden. Kurz darauf findet die Beziehung zwischen Nils und dem wilden Mädchen ein abruptes Ende. Bis zu jenem Brief 15 Jahre später,  der für alle einschneidende Konsequenzen haben wird. Für Nils, für Sanela – und für ihren kleinen Sohn Niels-Tito.


Stimmen zum Buch

«Lena Gorelik schreibt so, dass jeder Satz wehtut. So roh und rau Goreliks Prosa scheint, so überlegt und wirkungsvoll ist sie gemacht. Ergreifend und unentrinnbar,» (Sächsische Zeitung)
«Eine ebenso irritierende wie spannende Liebeskonstellation, in der die Liebe sich ständig selbst dementiert und widerruft und sabotiert und tragisch endet.» (Sigrid Löffler, Radio Bremen)
«Lena Gorelik kann einfach brillant erzählen.» (Cosmopolitan)



Nils ohne e, aber mit Liebe

Nils hat Probleme, viele Probleme. Er hasst seinen Namen: Nils statt Niels, und dann auch noch: Liebe. Und er ist hochbegabt, «überklug», wie er selbst findet. Das macht ihn zum Außenseiter. Statt wie andere Jungs Spaß am Herumtollen und Fußballspielen zu haben, bringt er sich früh das Lesen und Schreiben bei. Er ist vierzehn, als Sanela in seine Klasse kommt: ein vom Jugoslawienkrieg traumatisiertes Flüchtlingskind aus Bosnien. Nils ist fasziniert von dem Mädchen, dem er beim Deutschlernen helfen soll. Sanela lernt schnell: «Sie saugte die Sprache auf. Sie lauschte ihr wie später der Musik. Den Klang der Worte nahm sie mit dem ganzen Körper auf.»


Wie zwei innig verbundene Geschwister teilen sie alles miteinander, was ihnen wichtig ist. Gedichte, Briefe, Träume,  Geheimnisse. Schließlich setzen sie sich in den Zug nach Zagreb: ein «Roadtrip in den Krieg», der totale Wahnsinn.

This is not a love song ...

Die Reise in den Krieg ist für Sanela eine verstörende Erfahrung – das Grab ihres Vaters ist unauffindbar. «Wenn man alle sterben sieht, will man auch sterben.»  Kurz darauf ist sie verschwunden, der Platz in der Klasse neben Nls bleibt leer. Fünfzehn Jahre ist Sanela verschwunden. Einfach weg. Als Nils dann einen Brief von ihr erhält, sieht es für einen Moment aus, als könne das Glück auf Umwegen doch noch zu den Jugendfreunden von einst kommen.


Aber Sanela ist krank. Todkrank: Hirntumor. Sie weiß, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt. Und was wird dann aus Niels-Tito, ihrem Sohn, dessen Vater tödlich verunglückte? Für den eigenwilligen Jungen sind Zahlen das Faszinierendste auf der Welt. Überhaupt gibt es überraschende Ähnlichkeiten zwischen den Spleens des kleinen Niels und des großen Nils. Wäre schön, wenn er der Vater des Kindes wäre. Ist er aber nicht.


Sanela und Nils sind für ein Happy End nicht geschaffen, wissen wir als Leser rasch. Der Roman beginnt mit einem Geständnis: «Sanela, ich habe mich entschieden … Ich habe mich entschieden, dich nicht zu lieben.» Nichts ist so schwer zu finden wie nachgeholtes Glück.


Von Sanelas Tod erfahren wir gleich am Anfang der Geschichte: Nils verbrennt die Gedichte seiner Jugendliebe – ungelesen. Gelingt es ihm, die Beziehung zu Sanelas Kind zu festigen, ihm Schutz und Wärme und Halt zu geben? Auf Nils wartet wartet die größte Herausforderung seines Lebens.

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