22.03.2017   von rowohlt

Frühlingsgefühle bei Windstärke zwölf

«Inselfrühling», der vierte Band Von Sandra Lüpkes' Erfolgsserie rund um das kleine Inselhotel an der Nordsee

© iStockmedia
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«Was für ein großartiges Lesevergnügen! … Bei diesem Buch stimmt infach alles: Charaktere, Schauplatz, Handlung – so macht Lesen Spaß!» (Lübecker Nachrichten) Da möchte die Hamburger Morgenpost nicht zurückstehen: «Einer der besten Schmöker für den Urlaub am Meer.» Mit ihrer witzig-charmanten Serie um ein kleines Hotel auf einer Nordseeinsel hat sich Sandra Lüpkes offensichtlich eine große Fangemeinde erschrieben. Wir trafen die Autorin – auf einer Insel, wo sonst! –, um mit ihr über die liebenswerten Protagonisten ihrer Romane zu plaudern.

Das Interview


Sandra, fast hat man das Gefühl, Jannike Loog könnte jeden Moment hier auftauchen, sich neben einen setzen und einen Ostfriesentee bestellen.
(lacht) Ja, oder? Mir geht es genau so. Allerdings arbeite ich hier auf Norderney auch gerade ganz intensiv mit dem Personal meiner vier Inselhotel-Romane, da ich für eine Produktionsfirma das Konzept für eine Verfilmung entwickeln darf. Mit ganz fest gedrückten Daumen werden es Jannike, Danni, der Bürgermeister und auch Bösewicht Gerd Bischoff bald ins Fernsehen schaffen. Einige namhafte Drehbuchautoren – darunter auch mein Mann Jürgen Kehrer und ich – schreiben derzeit an den ersten Entwürfen. 


Was für eine tolle Nachricht! Hast du denn schon eine Vorstellung, wer deine Romanfiguren verkörpern könnte?
Nein, für die Auswahl der Schauspieler bin ich auch gar nicht zuständig. Doch eines ist schon mal klar: Jannike sollte keine Frau sein, die bei Windstärke vier vom Deich gepustet wird. Und wenn die Schauspielerin singen kann, wäre das optimal, denn Jannike war vor ihrem Leben als Hotelbesitzerin ja im Showbusiness unterwegs und manchmal ergibt es sich eben, dass sie wieder zum Mikro greift. Aber Gerd Bischoff zum Beispiel, der wird in meinen Büchern als rotgesichtiges Schwergewicht beschrieben, könnte aber auch durchaus von einem schlanken, blassen Schauspieler dargestellt werden. Hauptsache, er ist richtig schön fies.


Dein viertes Inselhotel-Buch spielt ja ausnahmsweise mal nicht im Sommer, das Wetter ist schlecht und die Standkörbe stehen noch im Schuppen. Glaubst du, dass sich deine Leser nicht beschweren, wenn es die ganze Zeit regnet? 
Die wahren Nordseefans machen sich nicht vom Sonnenschein abhängig. Wenn es draußen so richtig stürmt, das Meer schäumt, der Sand fliegt - das ist mindestens genau so schön. Obwohl wir Nebensaison haben, ist es hier auf Norderney gerade proppevoll, man kriegt kaum einen Platz im Restaurant, der Strand wird von gutverpackten Spaziergängern bevölkert, die sich gegen den Wind stemmen. Herrlich! Und ich weiß, auf den anderen Nordseeinseln sieht es nicht anders aus. 


In «Inselfrühling» geht es auch um eine alte Sage, nach der die Insel mit einem Fluch belegt ist, sollte der Leuchtturm sechs Nächte im Dunkeln liegen. Wie viel Wahrheit steckt in dieser schaurig-schönen Geschichte?
Tatsächlich haben sich die Insulaner in früheren Zeiten wohl auch der Strandräuberei schuldig gemacht. Nach den Napoleonkriegen war die Armut groß, am Horizont zogen reich beladene Schiffe vorbei, da war die Versuchung groß, ein Irrfeuer zu setzen, um die Fregatten auf eine gefährliche Sandbank zu locken. Ich liebe solche Geschichten, und jede Insel hat ihre eigene Sage, auf Juist gab es Hexen, auf Borkum den Klaasohm, in Nordfriesland war der Schimmelreiter unterwegs. Doch der Fluch in meinem Roman ist lediglich meiner Fantasie entsprungen, weil die Insel, auf der das kleine Hotel am Leuchtturm steht, ja nie genannt wird. 


Auch das Thema Küstenschutz wird im Roman angeschnitten. Du hast ja selbst viele Jahre auf Juist gelebt, wie viel Angst hat man als Insulaner eigentlich noch, wenn eine Sturmflut droht?
Obwohl wir Menschen inzwischen so weit sind mit dem Deichbau und anderen Bollwerken, die die zerstörende Kraft des Meeres eindämmen sollen, wird es nie absolute Sicherheit geben. Jede Sturmflut hinterlässt Schäden an den Randdünen, die Abbruchkanten im Westen von Juist sind alles andere als harmlos. Bei meiner Recherche hatte ich Kontakt zu einem Meeresgeologen, der die provokante These aufwirft, dass man das Geld, das in den Küstenschutz fließt, fast besser in den Abbruch und Neubau der Inselhäuser investieren könnte. Denn der Verlagerung der Meeresströmungen kann man nicht so einfach etwas entgegensetzen, die Natur lässt sich da nicht austricksen, wenn man an der einen Seite Sand aufschüttet, wird er an der anderen Seite fehlen. Eine ziemlich harte These, besonders für Menschen, die sich hier eine Existenz aufgebaut haben. 


Oh je, das betrifft doch nicht etwa auch das kleine Inselhotel?
Doch! Die Fundamente des Leuchtturms sind stark gefährdet, eine Schutzmaßnahme würde Unsummen von Steuergeldern verschlingen … Aber natürlich geben Jannike und ihr Team sich nicht so einfach geschlagen und wehren sich gegen den Sturm. Dennoch wird klar: So ein Haus auf der Insel ist nicht unbedingt für die Ewigkeit gedacht. Aber keine Sorge, bis dahin ist noch lange Zeit. Es gibt einfach so viel zu erzählen über das Leben auf der Insel.

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