15.10.2015   von rowohlt

Ex-Kommissar Bröhmann kann's nicht lassen

Sport und Mord! Der Chef der Frankfurter Olympia-Bewerbung: erschossen. In U-Haft: Henning Bröhmanns Tochter Melina

© Freer Law,Tarek El Somati, ElaKwasniewski/iStockphoto.com; Victor Pravdica, Phase4Photography/fotolia.com
© Freer Law,Tarek El Somati, ElaKwasniewski/iStockphoto.com; Victor Pravdica, Phase4Photography/fotolia.com

Nach aufreibenden Jahren in der Polizeidirektion Alsfeld hat Kommissar Henning Bröhmann den Dienst quittiert – endlich! Den Finanzen der Bröhmanns hat das einen herben Schlag versetzt, aber ansonsten ist alles in Butter: neuer Nachwuchs hat sich eingestellt (die Zwillinge Nick und Frida), und Tochter Melina hat einen Job als Polizistin (!) in Frankfurt gefunden. In der Bankenstadt ist gerade die Hölle los, die Olympia-Bewerbung 2024 polarisiert. Als der verhasste Chef der Olympia GmbH ermordet wird, packt Bröhmann das kalte Entsetzen: Bernd Lubrich wurde mit einer Polizeipistole erschossen, eingetragen auf den Namen Melina Bröhmann …


Stimmen zu Dietrich Fabers Bröhmann-Serie
«Fabers großes Plus: Der Autor zeigt keinen der üblichen, zynisch-versoffenen 08/15-Antihelden, sondern nimmt seine Figur mit ihren Fehlern und Schwächen ernst.» (General-Anzeiger)
«Die Menschen, die neben Kommissar Bröhmann den Vogelsberg bevölkern, sind echte Typen, und wo es am Verstand fehlt, da kommt wenigstens das Herz nicht zu kurz.» (Frankfurter Rundschau)

Frankfurt goes Olympia?

Würde Band 4 der Bröhmann-Krimireihe in Hamburg und nicht in Frankfurt spielen, er wäre ein Politikum. Die Hansestadt bewirbt sich tatsächlich als Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 2024, gegen hochkarätige Konkurrenz aus Paris, Rom, Budapest und Los Angeles. Mit der Faktentreue treibt Dietrich Faber hier ein vergnügliches Spiel: Er hat im nationalen Vorentscheid die Favoritenstädte Berlin und Hamburg kurzerhand von Frankfurt aus dem Rennen werfen lassen …


Bernd Lubricht, Chef der Olympia GmbH, ist die Hassfigur aller NOlympia-Aktivisten. Brutal gut vernetzt bis in die Chefetagen von Politik, Kultur und Wirtschaft. Ein Unternehmensberater und Lobbyist, mit allen Abwassern gewaschen: der «große Zampano der Olympia-Bewerbung», ein «Mann aus Teflon» mit herrischem Führungsstil. Bei der großen Olympia-Kundgebung am Römer brechen Tumulte aus, ein Schuss fällt – und Lubricht ist tot.


Erst Tage später erfährt Bröhmann, dass Melina bei den gewaltsamen Ausschreitungen eine schwere Gehirnerschütterung Kopfverletzungen erlitten hat, Filmriss inklusive. Und dass fatalerweise der tödliche Schuss offensichtlich aus ihrer verlorengegangenen Waffe abgefeuert wurde. Als die Ermittler dann auch noch herausfinden, dass Melinas Freund Josh eine der Zentralfiguren unter den militanten Olympiagegnern ist, sind die Konsequenzen klar: Suspendierung vom Dienst, U-Haft in Preungesheim.

Dachschaden – von wegen «logger floggich» repariert!

Das Drama um Melina kommt für Franziska und Henning Bröhmann zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Zu ihrem Sohn Laurin, der sich zum Computernerd zu entwickeln droht, finden sie seit Monaten keinen Zugang. Und für die wilden Zwillinge muss eine Kita gefunden werden, und welche muss es sein? Die elternselbstorganisiertundverwaltete Kindergruppe Schlumpfloch e.V., mit der die Bröhmänner und -frauen bereits einschlägige Erfahrungen haben. Und dann schneit auch noch die Hiobsbotschaft ins Haus, das der komplette Dachstuhl von selbigem marode ist und eine fachgerechte Reparatur 25.000 Euro aufwärts kosten würde. Konsequenz: das Haus muss verkauft werden.


Zwar verdient Ehegattin Franziska halbwegs manierlich, aber bei weitem nicht genug, um die Familie allein über Wasser zu halten. Ehrlich gesagt war der Zwillingsnachwuchs ein eindeutiger Verhütungsunfall, süß hin, süß her. Kinder kosten, weiß man ja. Auch das Futter für die beiden Hunde Berlusconi und Charlie will bezahlt sein. Also muss Hausmann Henning ran; als Dazuverdiener macht er sich aber nicht schlecht: In Manni Teichners Gruselcombo gibt er auf seiner Geige den «Country-Fiddler» (80 Auftritte pro Jahr, 250,– pro Abend, nicht zu verachten), außerdem hat er sich einen Stammplatz als Aufgussspezialist in der Bad Salzhausener Sauna erkämpft: gaaanz heißer Job!

Polizeideppen, Linksradikale und handfeste Kleingärtner

Eigentlich wollte Bröhmann mit polizeilicher Ermittlungsarbeit nach dem Abschied aus dem Alsfelder Kommissariat vor vier Jahren nichts mehr zu tun haben – genug war genug. Aber was soll er denn machen? Schließlich sitzt seine Älteste im Preungesheimer Knast in U-Haft – unschuldig, davon ist ihr Papa natürlich überzeugt. Was das betrifft, ist Volkes Stimme ausnahmsweise mal ganz auf Hennings Seite: «Das war einer von dene. Von dene Bartträger. Von dene Islamiste, weißte, diese Dschidiste.» Nein, so viel kann hier schon mal verraten werden: kein islamistisch-dschihadistischer Bartträger steckt hinter dem Mord am Frankfurter Römer…


Wie dem auch sei: Henning Bröhmann, der alte Ermittlerfuchs, hat Blut geleckt. Er wird Melina da raushauen, komme was wolle. Dafür stürzt er sich mit Löwenmut und voll  undercover erst in die Frankfurter Autonomenszene (wo im Volxbunker oder im Café Aufstand die Mädels K oder Lu heißen und Typen Bumpi oder so ähnlich) – und dann auch noch in die Kleingärtnerszene am Vogelsberg. Das kann ja heiter werden!

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