03.05.2016   von rowohlt

Ein paar Seiten Inselurlaub

«Inselträume» ist der dritte Band von Sandra Lüpkes' Reihe rund um Jannike Loog und ihr kleines Hotel am Leuchtturm ist. Die Autorin im Interview.

Träumen konnte man viel – am Meer sogar mit offenen Augen.

Sandra Lüpkes, Exilinsulanerin, Musikerin und Autorin der erfolgreichen Reihe um das kleine Inselhotel, ist viel unterwegs, um ihren Roman «Inselträume» vorzustellen. Im wetterfesten Gepäck hat sie neben dem Buch auch plattdeutsche Songs, die von Pastorenkühen, verbrecherischen Seehunden und natürlich immer wieder von der Liebe zum Meer handeln. Gestartet ist die musikalische Lesereise auf der Insel Langeoog, wo die Autorin sich bei einem Spaziergang prompt in der Kulisse ihres eigenen Buchcovers wiedergefunden hat. Sand, Dünen und ein bildschöner Wasserturm – es fehlen eigentlich nur noch die pastellfarbenen Fahrräder ...

Das Leben war eben kein Astrid-Lindgren-Roman


Sandra, du hast 23 Jahre auf der Insel Juist gelebt, das klingt ja wirklich traumhaft. Ist es das auch?
Für einige Menschen ist die Insel tatsächlich der ideale Ort zum Leben. Ein Freund von mir, der genau ein solcher 100%iger Wahl-Insulaner ist, hat Pate gestanden für meine liebste Romanfigur in diesem Buch: Lasse, ein sechzehnjähriger Großstadtjunge mit kleinkrimineller Karriere, wird gegen seinen Willen auf die Insel geschickt und erkennt nach und nach, dass dieser enge Raum, dieses ständige Unter-Beobachtung-Stehen, genau das Richtige für ihn ist. Aber in meinem Fall war es das nicht, mir wurde es irgendwann zu klein. Gelernt habe ich auf Juist aber sehr viel, vor allem über die Menschen. Zum Urlaub machen komme ich übrigens gern zurück. Das ist auch etwas völlig anderes. Da eröffnen die Grenzen, die das Meer einem setzt, auf einmal ungeahnte Freiheiten.
Wovon hast du als Inselkind geträumt?
Von einer großen Sturmwelle, die meine Heimat mit sich reißt. Diese Urangst habe ich dann in meinen historischen Roman «Die Inselvogtin» eingebaut, denn eine solche Monsterflut hat es im 18. Jahrhundert wohl tatsächlich mal gegeben. Tagträume hatte ich natürlich auch. Außer dem, unbedingt später mal Schriftstellerin zu werden, gab es noch den Wunsch, die ganze Welt zu bereisen. Beides erschien mir damals ziemlich vermessen. Wer auf der Insel lebt, der sollte seine Wünsche besser den Gegebenheiten anpassen, so kam es mir als Jugendliche vor. Und nun haben sich meine Träume doch erfüllt, wie schön!

Welche Träume hat Jannike, deine Romanheldin?
Eigentlich hat Jannike sich ja schon vor Jahren ihren Traum erfüllt und ein Hotel auf der Insel gekauft. Nun träumt sie davon, mit ihrem Freund Mattheusz Kinder zu haben - gleichzeitig möchte sie aber auch, dass alles so bleibt, wie es ist, weil es gerade richtig rund läuft im Hotel. Aber auch die anderen Figuren hadern mit ihren Hoffnungen: Danni und Siebelt begrüßen einen Pflegesohn in ihrer Mitte - und halsen sich damit eigentlich nur Probleme auf. Ein ziemlich wehleidiger Ganove aus dem Rheinland wünscht sich einen Erben für seine illegalen Geschäfte. Eine Lehrerin ist enttäuscht, weil das Leben nicht so spielt wie in einem Astrid Lindgren-Roman. Es gibt sogar einen kleinen, süßen Hund, der nichts mehr ersehnt, als ein gefährlicher Köter zu sein. Und ohne zuviel zu verraten: Am Ende erfüllen sich bei allen die Träume, jedoch auf völlig andere Weise, als zu Anfang gedacht.
Und wenn jetzt eine Fee käme und du für dein Buch einen Wunsch frei hättest?
Klar wünsche ich dem Buch viele Leser, die auf ein paar Seiten eine Art Traumurlaub erlesen können, als Gast im kleinen Inselhotel, gemeinsam mit den mir so ans Herz gewachsenen Protagonisten. Herzlich willkommen, kann ich da nur sagen.

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