24.10.2018   von rowohlt

«Ziggy war ein Monster, aber er war mein Monster»

«Eines der farbenfrohsten und intimsten Porträts, die je von David Bowie gezeichnet wurden.» (Vogue)

© Fatima Luna / iStock
© Fatima Luna / iStock

Dieses Buch ist anders als alle, die bisher über David Bowie erschienen sind: Dylan Jones führte Interviews mit über 180 Freunden, Rivalen, Lebenspartnern und Familienangehörigen, von denen viele noch nie über ihr Verhältnis zu Bowie gesprochen haben, und lässt sie in O-Tönen zu Wort kommen. Von der ungeheuren Faszination, die vom Thin White Duke ausging, berichten unter anderem John Lennon und Paul McCartney, Martin Scorsese, Bono, Madonna, Tony Visconti, Lady Gaga, Elton John, Iman, Angie Bowie, Marianne Faithfull, Iggy Pop, Tommy Hilfiger, Kate Moss, Damien Hirst, Boy George und Bob Geldof. Eine außergewöhnliche Biografie über den Ausnahmekünstler David Bowie – ein Buch wie ein Dokumentarfilm, unverzichtbar für alle Fans.


Esquire
: «Episch, unglaublich detailliert, lebendig, witzig und warmherzig.»
The Telegraph: «Vier Jahrzehnte lang definierte Bowie die populäre Kultur auf eine Art und Weise, wie es vorher noch niemand getan hatte. Jones folgt ihm auf jedem schritt dieses Wegs.»
Tatler: «Es gibt keinen besseren Zeitvertreib, als über den großartigen, wundervollen und brillanten David Bowie zu lesen.»


Bei Dylan Jones kommen Freunde und Wegbegleiter Bowies zu Wort: Musiker und Manager, Filmemacher und Fotografen, Models und Schriftsteller, Maler und Schauspielerinnen, ein Who is who großer Namen. Ihre Erinnerungen an den Thin White Duke kreisen um viele Themen: Bowies Kindheit, sein Faible für Styling und Inszenierung, seine Rollen und Masken, es geht um Sex und Ruhm, Krankheit und Tod. Näher als in diesen Hunderten kleiner Geschichten und Anekdoten kann man David Bowie allenfalls in seiner Musik kommen.

«Bowie war unser Gott» (Hanif Kureishi)


Dylan Jones
: «Für mich, die Bowie-Generation, und die Menschen meiner Generation war sein Tod von größerer Tragweite als der von John Lennon. Natürlich lassen sich die beiden nicht vergleichen, aber bis heute fällt es mir schwer zu beschreiben, wie viel er mir bedeutet hat. Als er auf der Bildfläche erschien, war ich ein Teenager, und ich gehörte im Sommer 1972 zu den vielen Zuschauern seiner Performance von ‹Starman› bei Top of the Pops. Ich war einer von Millionen, deren Leben er in diesem Alter, in dem man noch so leicht formbar ist, verändert hat.»


Kristina Amadeus: «Davids Eltern, besonders sein Vater ‹John› Jones, haben ihn von klein auf gefördert. Seine Mutter Peggy hat viel von unserem verstorbenen Großvater erzählt, der in der Armee Kapellmeister gewesen war und verschiedene Blasinstrumente gespielt hatte. Noch bevor er ins Teenageralter kam, hat David schon Instrumente geschenkt bekommen. Zu den ersten zählten ein Saxophon aus Plastik, eine Blechgitarre sowie ein Xylophon. Außerdem hatte er schon einen eigenen Plattenspieler, als die meisten anderen Kinder nur davon träumen konnten. Mit elf tanzten wir zu Bill Haley, Fats Domino und Elvis Presley wie besessene Elfen. Sein Vater ging mit ihm zu den Proben für die Royal Variety Performance und stellte ihm die Sänger und Künstler vor …»


Hanif Kureishi: «Ich ging auf die Bromley Tech, sieben Jahre nach David, nämlich von 1966 bis 1970. In dieser Zeit gab es die sogenannte Bromley-Truppe, zu der Billy Idol und Siouxsie Sioux gehörten. Halbdekadentes wie Cabaret hat uns sehr beeinflusst, und Bowie war unser Gott. Er war eine Galionsfigur für uns. Er war feminin, extrem, aufgetakelt. Er war ein Local Hero und spielte in einigen der örtlichen Pubs und Clubs, und für uns war er schon ganz groß. In der Schule hing ein Foto von ihm, und die Lehrer sagten gern mal: ‹Wenn du dich nicht zusammenreißt, Kureishi, dann wirst du enden wie er.› Er hat sämtliche Vorstadt- Teenager befreit.»


Rick Wakeman: «David Bowie ist bei weitem der klügste Mann, mit dem ich jemals zusammengearbeitet habe. Ein absolutes Genie. Rund zweitausend Sessions habe ich damals in etwa vier Jahren absolviert, und von keinem der involvierten Menschen habe ich mehr gelernt als von David. Er war seiner Zeit weit voraus. Wenn er den Eindruck hatte, dass jemand nichts zu sagen hatte, hörte er ihm einfach nicht zu. Das galt für Manager ebenso wie für die Leute von den Plattenfirmen. Sein Argument lautete: ‹Wenn sie Musiker sein wollen, dann bitte, sollen sie doch eine Platte machen, aber sie sollen mir nicht erzählen, was ich zu tun habe.› (…) Wenn David ins Studio kam, war er immer unglaublich gut vorbereitet. Er sagte einmal zu mir: ‹Man darf im Studio keine Zeit verschwenden. Studio-Zeit ist wahnsinnig wertvoll. (…) Er hat nie im Studio komponiert, das war alles schon fertig.»


John Lydon: «Als Ziggy Stardust erschien, fuhr David Bowie voll die ‹Ich bin schwul›-Schiene. Das war sein Image. Und zu jener Zeit war das eine Herausforderung für die Öffentlichkeit, wie man sie sich nur vorstellen kann. Diese Aussage war also verdammt mutig. Und die Halbstarken, die Rowdys, im Prinzip die Typen aus der Arbeiterklasse, mochten ihn wirklich wegen dieser Unerschrockenheit, weil er geradewegs damit herauskam. Er stellte sich der Welt und schrie ihr entgegen: ‹So bin ich und fickt euch!›»


Paul Reeves: «Ohne Angie (Bowies Frau, d. R.) hätte er es nicht geschafft. Eigentlich war David recht schüchtern und zurückhaltend, es war Angie, die durchsetzungsstark war. Sie hatte die Vision. Als er plötzlich verkündete, er sei schwul, war das auf Angie zurückzuführen, das kam von ihr. Sie machte ihn zurecht, sie steckte ihn in Frauenkleider, sie war diejenige, die Androgynität verstanden hatte. Seinerzeit entwarf ich Mode und hatte einen Laden in Fulham, er hieß Universal Witness. Beide kamen häufiger in das Geschäft und begannen, Damenkleidung für ihn zu kaufen. (…) Beide hatten das richtige Gespür für die Strömungen der damaligen Zeit.»

«Es ging eigentlich nur um Sex, und zwar um viel Sex»


Paul Morley: «Er spielte mit der Idee des Rockstar-Seins, doch es gelang ihm, diese Rolle zu sabotieren. In dem Moment, in dem es so aussah, als könnte er wie Billy Joel oder Elton John werden – der Moment, wenn ein Künstler von der Öffentlichkeit akzeptiert und damit festgelegt wird – , ging er einfach. Über eines musste er sich klarwerden: Wie kann ich berühmt sein; wie kann ich der Star sein, der ich sein möchte – einschließlich der Möglichkeit, mich laufend zu verändern? Denn wenn man sich immer wieder verändert, läuft man natürlich Gefahr, der eigenen Popularität zu schaden, weil die Fans, die einen lieben, wollen, dass man derselbe bleibt. Indem er sich ständig verwandelte, gelang es ihm also, immer derselbe zu bleiben, nämlich David Bowie.»


Cherry Vanilla: « Damals war ich Nymphomanin, und ich nehme an, Bowie war sexsüchtig. Er hatte einfach Spaß. Er mag es intellektuell verbrämt haben, aber es ging eigentlich nur um Sex, und zwar um viel Sex. Man darf nicht vergessen, dass gerade eine sexuelle Revolution stattfand. Es schien nur natürlich, so viel Sex wie möglich zu haben. Damals gingen wir nicht ins Fitnessstudio, Tanzen und Sex waren unser Sport. Man konnte sich das Fett von den Rippen ficken. Damals war Sex ein Ausdruck von Rebellion – Scheiß auf die Kirche, scheiß auf das Establishment, lass uns vögeln.»


Nick Kent: «Wenn Bowie Koks schnupfte, dann gab es dieses Ritual. Er benutzte dazu gern das erste Album der Average White Band, das total weiß war. Von diesem Cover schnupfte er das Koks. So fingen viele Abende an.»


Siouxsie Sioux: «Als ich David Bowie das erste Mal sah, war ich fünfzehn Jahre alt. Es war bei Top of the Pops, und er sang ‹Starman›. Ich lag damals im Krankenhaus, um mich von einer schweren Erkrankung zu erholen. Ich konnte es nicht fassen, wie gut er aussah. Seine ambivalente Sexualität war so wagemutig und futuristisch, dass sie das traditionelle weiblich/männliche Rollenspiel als völlig überholt erschienen ließ. Ich hatte sehr viel Gewicht verloren und war klapperdürr – und Bowie sei Dank galt das dann sogar als cool! Er brach mit all den alten Klischees, und er hatte offensichtlich viel Spaß dabei.»


Iggy Pop: « Die Freundschaft bestand im Wesentlichen darin, dass dieser Typ mich vor dem beruflichen und vielleicht auch vor dem persönlichen Untergang bewahrt hat – ganz einfach. Viele Leute waren neugierig, was für ein Mensch ich wohl sei, doch er war der Einzige, der wirklich genügend mit mir gemein hatte und der wirklich mochte, was ich machte. Er konnte etwas damit anfangen, und außerdem meinte er es einigermaßen gut mit mir und unterstützte mich. Er tat etwas Gutes. Er hat mich wieder zum Leben erweckt. In gewisser Weise war er eher ein Wohltäter als ein Freund, jedenfalls in dem Sinne, wie die meisten Menschen Freundschaft verstehen. Er hat keine Mühen gescheut, um mir ein bisschen gutes Karma abzugeben.»

«Damals ahnte noch niemand, dass in den Veröffentlichungsrechten das Geld liegt»


David Bowie
: «[Die Bowie Bonds] waren extrem erfolgreich. Sie haben sehr viel Geld eingespielt. Mein Geschäftspartner hatte sich das ausgedacht, und wir fragten uns beide, warum noch niemand auf diesen Gedanken gekommen war. Die größte Hürde bei dem Konzept ist, dass man die Rechte am eigenen Werk besitzen muss, sonst funktioniert es nicht. Viele Komponisten und Autoren haben ihre Rechte veräußert oder keine Kontrolle über ihre Veröffentlichungen. Damals ahnte noch niemand, dass in den Veröffentlichungsrechten das Geld liegt. Am Anfang dachten alle, die Erträge kommen aus den Konzerten, dann konzentrierte man sich auf die Platten, dann auf die Lizenzen und schließlich auf die Auftritte. Aber nichts geht über die Rechte am eigenen Werk. Veröffentlichungen sind finanziell gesehen das Wichtigste.»


Tony Oursler: «Nach seinem Herzinfarkt wurde es still um David, doch dann erzählte er mir, dass er durchschnittlich ein Buch pro Tag las. (…) Als wir uns kennenlernten, flirtete er mit Drum ’n’ Bass und trug Kleidung von Alexander McQueen auf der Bühne – ich glaube, das war seine späte Phase. Er war in seinen Vierzigern und hatte schon ein riesiges Vermächtnis. Ich erinnere mich daran, dass einige ihn für zu alt hielten, um noch immer ein Popstar zu sein, und meinten, dass er auf dem besten Wege war, ein zwielichtiger Unterhaltungskünstler zu werden. Die ewigen Nachfragen bezüglich seiner Sexualität nervten ihn so sehr, dass er Interviews irgendwann ganz mied und sein Werk für sich selbst sprechen ließ. »


Elton John: «Gegen Ende waren David und ich nicht die dicksten Freunde. Früher haben wir viel Zeit zusammen mit Marc Bolan verbracht und sind in Schwulenbars gegangen, aber ich glaube, wir haben uns aus den Augen verloren. In einem Interview mit Rolling Stone hat er mich einmal ‹Quotenschwuchtel des Rock and Roll› genannt, was ich ziemlich arrogant fand. Er war nicht so mein Fall. Nein, und ich war nicht sein Fall. Aber die Art und Weise, wie er mit seinem Tod umgegangen ist … ich meine, Gott sei Dank. Ich wusste, dass er vor einigen Jahren in Berlin auf der Bühne einen Herzinfarkt erlitten hatte, aber nicht, dass er Krebs hatte. Alle anderen, aufgepasst: Bowie hätte seinen Tod nicht besser inszenieren können. Das hatte Klasse.»


Madonna: «In meiner Jugend hatte ich nie das Gefühl, nach Michigan zu passen. Ich fühlte mich wie ein Querkopf oder ein Freak. Ich fuhr nach Detroit, wo er in der Cobo Arena ein Konzert gab. Das war mein allererstes Konzert. Ich schlich mich von zu Hause fort, ich traf mich mit meiner Freundin und trug ein Cape. Wir wurden erwischt, und ich hatte für den Rest des Sommers Hausarrest. Mir war es egal. Damals hatte ich schon viele Platten von ihm, und es inspirierte mich so sehr, wie er mit den Geschlechterrollen spielte. Er war sowohl maskulin als auch feminin, lustig und ernst, gerissen und weise. Seine Texte waren geistreich, ironisch und rätselhaft. (…) Ich bekam mit, wie er eine Persona erschuf und verschiedene Kunstformen einsetzte, um die Leute mit Rock zu unterhalten. Seine Musik hat mich immer inspiriert. Aber als ich ihn dann live gesehen habe, habe ich diese Reise angetreten, die nie zu Ende geht, wie ich hoffe.»


David Bowie: «Der Tod ist ausweichlich, das weiß ich. Für die Zukunft hege ich keine großen künstlerischen Ambitionen mehr, ich bin ganz glücklich, an dem zu arbeiten, was ich gerade mache. Wenn man jung ist, will man ein bisschen Gas geben, man will anders sein als die anderen, und man will zu Geld kommen. Aber dankenswerterweise bin ich so nicht mehr. Ich bin auf rührende Weise darauf bedacht, dass kein Tag umsonst ist.»

David Bowie

David Bowie

Eine außergewöhnliche Biografie über den Ausnahmekünstler David Bowie, voll sehr persönlicher Erinnerungen – ein Buch wie ein Dokumentarfilm, unverzichtbar für alle Fans.
Dieses Buch ist anders als alle, die bisher über David Bowie erschienen sind: Dylan Jones führte Interviews mit über 180 Freunden, Rivalen, Lebenspartnern und Familienangehörigen, ...  Weiterlesen

Preis: € 38,00
Seitenzahl: 816
Rowohlt
ISBN: 978-3-498-03241-8
23.10.2018
Erhältlich als: Hardcover, e-Book
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