28.06.2016   von rowohlt

Du sollst nicht langweilen!

It's smalltalk time! Alexander von Schönburg über die große Kunst des kleinen Gesprächs

© Luciano Lozano/Ikon Images/Corbis
© Luciano Lozano/Ikon Images/Corbis

Nach zwanzig Zeilen ist der Ratgeberteil des Buches abgehakt. Dann erklärt uns Alexander von Schönburg mit Witz und Verve alles Wichtige über die Kunst des stilvollen Mitredens. Ob Gottesteilchen, der neue Tarantino oder die Paradoxien des Buddhismus: Wer Smalltalk beherrscht, vermag auch die auswegloseste Gesprächssituation glamourös und mit Stil zu bestehen.  Ein scharfsinniges heiteres Buch über die große Kunst des kleinen Gesprächs – Smalltalk, die Königsdisziplin der Konversation!


Alexander von Schönburg, nach journalistischen Stationen als Redakteur der FAZ und Chefredakteur von Park Avenue seit 2009 Mitglied der BILD-Chefredaktion, landete mit «Die Kunst des stilvollen Verarmens» (2005) einen fulminanten Bestseller. Optimiere den Genuss durch Verzicht; Haltung und Humor sind wichtiger als eine feste Stelle und ein dickes Bankkonto; Geschmack und Gastfreundschaft sind keine Frage des Einkommens; Stil kann man nicht kaufen; Reichtum ist eine Frage der Perspektive – keiner formuliert epikuräische Maximen derart lässig und amüsant wie Alexander von Schönburg.

Den richtigen Ton treffen!

«Wir sind wissensdumm geworden. Überinformiert und doch ahnungslos.» Das sagt nicht nur Alexander von Schönburg, das sagen auch zwei der großen Philosophen der Moderne, Friedrich Nietzsche und Paris Hilton. Die Modedesignerin, Schauspielerin und zukünftige Erbin des Hilton-Vermögens war es übrigens, die von Schönburg aus seinem «schlimmsten Smalltalk-Desaster» heraushalf: bei einer legendären Pre-Oscar-Gartenparty von Diane von Furstenberg. 


Die berühmteste Blondine der Welt war so freundlich, dem irritierten Partygast aus Deutschland einige ihrer persönlichen Tricks mit auf den Weg zu geben. Einer lautet: «Be cheeky! And don't try too hard!» Sei frech, aber bemühe dich nicht, um jeden Preis alles richtig zu machen. Ratschlag Nr. 2: «Use your smile cleverly!» Vermeide das doofe Lächeln, an dem man unsichere Menschen schon von weitem erkennt. Oscar Wilde, ein anderer Spezialist in Sachen Chit-Chat, le petit conversation, zweckfreiem Plaudern, assistiert der Partykönigin: «Ich liebe es, über nichts zu reden. Das ist das Einzige, wovon ich etwas verstehe.»


Wer zwischen Pauschalthemen, Jokerthemen und Chloroformthemen zu unterscheiden weiß, ist fürs gesellschaftliche Parkett gewappnet. Pauschalthemen, das sind z. B. die Genderproblematik, Essen, Fußball, Luxushotels, soziale Gerechtigkeit im Kapitalismus etc.; situationsabhängige Jokerthemen dagegen wären etwa Buddhismus, Adel, Franzosen, Gottesteilchen oder Homosexualität. Chloroformthemen, also einlullende Themen mit hohem Konsenspotential, sind immer dann gefragt, wenn man sich eher dezent im Hintergrund halten will, statt meinungsstark aufzutrumpfen. Amerikanische Außenpolitik, das FAZ-Feuilleton, Quentin Tarantino, Steuermoral oder Helmut Schmidt: das ist pures Smalltalk-Chloroform.

Smalltalk – was man weiß, was man wissen sollte

«Nie recht behalten wollen, aber doch halbwegs originelle Thesen vertreten, um damit spielerisch Widerspruch herauszufordern, darum geht es beim Smalltalk.»


«Das allerallerallerwichtigste Smalltalk-Gesetz lautet: DU SOLLST NICHT LANGWEILEN!»


«Zwei Dinge sind aber unter allen Umständen zu vermeiden: Klugscheißerei. Und Moralscheißerei. Beide sind absolute Konversationskiller. Smalltalk ist ein Spiel. Es lebt vom Hin und Her. Alles, was man sagt, muss Raum für Gegenrede bieten … Es darf im Smalltalk nie darum gehen, recht zu behalten.»


«Gefragt ist also die Fähigkeit, Konversation durch klug gesetzte, kleine Kontroversen zu beleben und in die richtige Richtung zu stupsen. Die Jokerthemen eignen sich als wohldosiert einzusetzende Stinkbomben. Oder auch als Blendgranaten, mit denen man sein Gegenüber beeindruckt und kurzzeitig in Verwirrung stürzt.»

Abschließende Ratschläge

… speziell für Leute, die Bücher gern von hinten lesen; bei Schönbergs «Smalltalk»-Buch schadet das gar nichts, weil man hier die Quintessenz seiner Überlegungen knapp in Listenform geboten bekommt. Da finden sich zum Beispiel


Zehn goldene Regeln für jede Cocktailparty, jeden Empfang, jedes Fest;  Themen, die auf gesellschaftlichem Parkett zu umschiffen sind (und solche, die immer gehen); womit man nie prahlen darf (und womit auf jeden Fall); brauchbare Gesprächsouvertüren; Orte, an denen man kein Gespräch beginnen darf; Essen, das man lieber nicht servieren sollte; Dinge, die eine hervorragende Hochzeit ausmachen (oder selbige ruinieren werden) etc.pp.


«Fertig, das war's. Jetzt darf sich die junge Generation wieder ihren elektrischen Geräten zuwenden …»

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