20.01.2015   von rowohlt

Diesen Erziehungsratgeber werden Sie lieben!

Hier sind sie: all die kleinen, fiesen, miesen, aber verdammt wirkungsvollen Tricks, die Eltern in nervigen oder peinlichen Situationen helfen

© FinePic, München
© FinePic, München

In «Schnall dich an, sonst stirbt ein Einhorn» verraten sie 100 nicht ganz legale Erziehungstricks. Es sind schon bizarre Sachen dabei (wie etwa im Fall der Mutter, die ins eigene Haus einbricht, um ihrem Sohn das Abschließen der Haustür einzubimsen). Ob normal oder legal: vieles davon funktioniert großartig. Denn Kinder lieben nicht nur Einhörner, sie lieben auch Bären. Warum sollte man ihnen nicht hin und wieder einen aufbinden?


Die 100 nicht ganz legalen Erziehungstricks decken so ungefähr jede Notsituation ab, in die Eltern geraten können. Hier einige Stichworte: Dreck, Mütze auf, Daumenlutschen, Gummistiefel, Haarewaschen, Klospuren, Fastfood, Zahn um Zahn, Popeln, Wutanfälle, Türenknallen, das böse F-Wort, Trendfrisur, Hausaufgaben, Taschengeld, TV-Alarm, Rauchen, Zuschlagen, Computerspiele, Alkohol, Unterschriften fälschen, frühreif und clever …
Ein Beispiel vielleicht? Packen wir doch gleich mal das Einhorn an selbigem …

Schnall das mit dem Anschnallen

Unsere tollen Anschnallgurte und Kindersitze mit Isofix-System genügen immer höheren Sicherheitsansprüchen, sind aber aus einem einfachen Grund nicht kindgerecht: Sie nützen überhaupt nichts, wenn man sich nicht anschnallt. Diesen schwerwiegenden «Konstruktionsfehler» muss Maria mit viel Überredungskunst bei ihrer fünfjährigen Tochter ausbügeln. Schon drei Mal hat sie Pia mit wachsender Anspannung angeschnallt. Und drei Mal hat sich Pia mit wachsender Gelassenheit wieder abgeschnallt. Das darauf folgende pädagogische Gespräch hörte sich ungefähr so an:
Maria: «Pia, du musst dich anschnallen!»
Pia: «Warum?»
Maria: «Weil du dann sicher bist.»
Pia: «Warum?»
Maria: «Weil du dann auf deinem Platz bleibst und nicht nach
vorn geschleudert wirst.»
Pia: «Warum?»
Maria: «Weil dich die Gurte halten.»
Pia: «Warum?»
Maria: «Weil die aus gutem Material sind.»
Pia: «Warum?»
Maria: «Weil die TÜV-geprüft sind.»
Pia: «Warum?»
Maria: «Weil wir hier in Deutschland sind.»
Pia: «Warum?»
Maria: «Weil wir hier geboren und nicht weggezogen sind.»
Pia: «Warum?»
Maria: «Weil meine Mutti damals nicht mit dem italienischen
Eisverkäufer durchgebrannt ist.»
Pia: «Warum?»
Maria: «Weil es manchmal sinnvoll ist, die sichere Alternative
zu wählen und nicht die hübschere.»
Pia: «Warum?»
Maria: «Weil Schönheit vergänglich ist, auch deine, wenn du dich nicht anschnallst und mit dem Gesicht auf den Vordersitz knallst. Dann bleibst du Single. Aber das kann ein großer Vorteil sein, weil du dann keine Tochter bekommst, die sich nicht anschnallen will!»
Pia: «Warum?»
Maria: «Weil das der Lauf der Dinge ist und nur DU ihn aufhalten kannst, wenn DU dich anschnallst! ANSCHNALLEN!»
Pia: «Ich will aber nicht!»
Maria: «Was hab ich nur getan, warum dieses Kind? Warum ich? WARUM?! WARUM?!»

Der Trick: Das tote Einhorn

Maria: «Pia, schnall dich an!»
Pia: «Warum?»
Maria: «Schnall dich an, sonst stirbt ein Einhorn.»
Pia: «Was? Na gut.»
Pia war so verblüfft, sie hat noch nicht einmal gefragt, warum ein Einhorn stirbt. Die Verknüpfung von eventuell sterbenden Fabelwesen und der deutschen Straßenverkehrsordnung scheint für sie logisch zu sein. «Ich wollte ja auch noch fragen: Warum fragst du nicht, warum?», meinte Maria später, «hab es mir dann aber Gott sei Dank verkniffen. Ein bisschen brutal war das schon mit dem Einhorn, zuerst wollte ich Hamster sagen, ich weiß auch nicht, warum. Was macht man in seiner Not nicht alles, um endlich losfahren zu können?»
Wir Autoren glauben, «Schnall dich an, sonst stirbt ein Hamster!» wäre ein nicht ganz so fabelhafter Buchtitel geworden und hätte vermutlich seine Wirkung auf Pia verfehlt. Hamster sind keine amtlich zugelassenen Fabelwesen, so etwas wissen fünfjährige Mädchen, und Pia hätte dann vielleicht doch noch eine Erklärung verlangt. Maria hat also pädagogisch intuitiv vollkommen richtig gehandelt.»

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