12.11.2015   von rowohlt

Die Wege des Herrn sind unergründlich

Band 3 von Hans Raths «Und Gott sprach»-Reihe: liebenswerte Figuren, witzige Dialoge – eine wunderbare Weihnachtsgeschichte.

© Kai Pannen
© Kai Pannen

Ausgerechnet auf dem Weihnachtsmarkt wird Jakob Jakobi von zwei Typen in Nikolausverkleidung übel abgezockt. Jaja, die Welt ist schlecht. Aber gibt es nicht Wichtigeres als Geld und Besitz? Da taucht Jakobs guter alter Bekannter Abel Baumann auf: Gott persönlich. Und ernennt seinen Ex-Therapeuten kurzerhand zum neuen Messias. «Du sollst den Menschen die frohe Botschaft verkünden. – Vergiss es, Abel. Sie werden mir nicht zuhören. – Sag ihnen, wenn sie dir blöd kommen, komme ich mit der Apokalypse.» Das kann ja heiter werden!

Auferstanden von den Toten

So ist das, wenn man in einen adventlichen Hinterhalt gerät. Geld weg, Uhr weg, Handy weg, Illusionen weg. Denn Nikolaus und sein Knecht Ruprecht sind niemand anders als Kalle und Frieder, zwei polizeibekannte Herumtreiber und Kleinganoven. Blöd, als sich herausstellt, dass Jakobs Uhr, ein Geschenk von seiner Ex, einst für 25.000 € erworben wurde. Andererseits – Peanuts angesichts der Summen, die man bräuchte, um die Welt ein bisschen besser und die Menschen ein bisschen glücklicher zu machen.


Jakob Jakobi hat seinen alten Freund Abel lange nicht mehr gesehen. Kein Wunder, denn Abel Baumann, der Mann mit diagnostizierter  schizophrener Psychose, ist seit  vier Jahren tot. Ein Unfall. Auf einmal ist Abel wieder back in town. Und macht Jakob seine Aufwartung. Was heißt schon tot für einen, der eigentlich Gott persönlich ist? Sein Comeback bei einem Gläschen Rotwein in Jakobs Küche beginnt Abel mit einem Paukenschlag. «Du wolltest doch immer einen Gottesbeweis. Hier hast du ihn: Ich bin auferstanden von den Toten. Beeindruckend, oder?»

Jakob und das Messias-Projekt

Abel hat große Pläne mit Jakob. Er ist auserkoren, als Messias die frohe Botschaft unter die Menschen zu bringen: ein durchaus ambitioniertes Programm, ein Fulltime-Job, eine herkulische Herausforderung: «Du sollst den Welthunger bekämpfen, sämtliche Kriege beenden und der Menschheit den Weg in eine friedliche, gerechte und glückliche Zukunft weisen.» Nicht ein Krieg: alle! Aber das ist es dann auch schon im Groben. Armut, Drogen, Korruption, Umweltzerstörung, Kriege: alles Schnee von gestern. Dank Jakob.


Dabei wollte Jakob just in diesen Tagen zu einem dreiwöchigen Ayurveda-Urlaub nach Sri Lanka aufbrechen. Nun hat er alle Probleme der Welt an der Hacke … und dazu noch eine kleine verwegene Schar von Helfern, nennen wir sie: Apostel. Die mit aberwitzigen Methoden Geld eintreiben und sich darüberhinaus noch bei ihm zu Hause einquartieren, und das kurz vor Weihnachten. Eine Weltverbesserungs-WG, eine Erlöser-Combo: Kalle und Frieder, außerdem der Obdachlose Franz, ein wilder Verschwörungstheoretiker vor dem Herrn. Später kommen noch Abdul dazu, Conni …


Und was macht Gott in der Zwischenzeit? Ficht seinen Privatkrieg mit dem Teufel (in Gestalt seines alten Widersachers Anton Auerbach) aus. Arbeitet an einer Neufassung der zehn Gebote (die am Ende extrem schlank, aber umso überzeugender ausfallen werden). Und übernimmt kurzerhand Jakobs Ayurveda-Urlaub nach Sri Lanka, gemeinsam übrigens mit Silvia, der Besitzerin des Gnadenhofs für bedrohte Tiere (was eine Geschichte für sich ist!).

Wie im Himmel, so auf Erden

Immer wieder sind es Dialogpassagen wie die folgende, die Hans Raths Roman zu einem tollen Lesevergnügen machen:
«‹Was denn für ein Notfall?›, frage ich.
‹Na ja, falls du beispielsweise … gekreuzigt wirst oder so›, antwortet Abel und macht dabei eine wegwischende Bewegung, als wäre das keine Sache, über die man viele Worte verlieren müsste.
‹Sekunde mal, Abel. Ist das dein geheimer Plan? Ich werde der neue Messias, und zum Dank dafür lässt du mich zu Tode foltern?›
Abel wirkt pikiert. ‹Denk bitte daran, dass Jesus schon kurz nach der Grablegung von den Toten auferstanden ist.›
‹Toll. Aber hat er das auch schon gewusst, als er noch am Kreuz hing?›»


«Und Gott sprach: Du musst mir helfen!» ist eine charmante, warmherzige Komödie mit herrlich slapstickartigen Momenten – um es mit Abel zu sagen: «ein kleines Geschenk des Himmels». Da werden Tiere durch die Freaks of Nature befreit (u.a. der rauchende, räsonierende Affe Pasternak). Da wird auch schon mal ein Unternehmer gekidnappt, mit dem Kalle und sein Kumpel («Frieder sei mit euch») noch eine Rechnung offen haben. Und da steht am Ende eine riesige Summe im Raum, die unfassbar viele bedürftige Menschen froh machen könnte …

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