16.03.2018   von rowohlt

«Die Sonne ging unter, als wüsste sie nichts vom Unglück»

«Einer der stärksten deutschsprachigen Romane des Frühjahrs. Zum Brüllen komisch und zum Heulen schön.» (Spiegel Online)

© iStockphoto.com
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Zwei Freundinnen um die vierzig, Martha und Betty, brechen zu einer Reise auf – mit Marthas todkrankem Vater Kurt auf der Rückbank. In Kurts klapprigem Wagen brettern sie Richtung Schweiz. Eine letzte, finale Reise soll es für ihn werden, doch nichts endet, wie man es sich vorgestellt hat, schon gar nicht das Leben.
Mit einem Humor aus Notwehr und einer Wahrhaftigkeit, die wehtut, erzählt Lucy Fricke von Frauen in der Mitte ihres Lebens, von Abschieden, die niemandem erspart bleiben und von Vätern, die zu früh verschwinden. Ein grotesker Roadtrip, immer weiter in den Süden, immer tiefer hinein in die Abgründe der eigenen Geschichte. Und die Frage ist nicht, woher wir kommen, sondern: Wie finden wir da wieder raus? 

Stimmen zu «Töchter»


Stern: «Lucy Fricke schreibt witzig und messerscharf über zwei Frauen, die sich an ihren Eltern abarbeiten.»
taz. die tageszeitung: «Gekonnt spielt Fricke mit dem Genre des Roadmovie und gibt ihm eine eigene, weibliche und selbstironische Note.»
Die Zeit: «Ein fantastischer Roadtrip ... Lucy Fricke zeigt uns, dass manchmal schon eine Geschichte genügt, so unwahrscheinlich und romantisch sie auch sein mag, um sich aus den eigenen Abgründen heraufzuziehen.»
Berliner Morgenpost: «Was ihr in ‹Töchter› überzeugend und klischeefrei gelingt, ist ein Blick in das Innere beschädigter Frauenseelen, die sich trotz ihrer Narben und Wunden den Humor nicht rauben lassen.»
Spiegel Online: «Ein beglückendes literarisches Three-in-One: Roadnovel, Freundinnenkomödie und eine Erzählung darüber, weshalb Geschichte nie zu Ende ist.»
SWR 2: «Das Buch ist gut. Beim zweiten Lesen noch besser. Beim dritten Mal unerhört.»
Kleine Zeitung: «Klug, kurzweilig und komisch. Ein poetisches Lesevergnügen!»
Hamburger Abendblatt: «Lucy Fricke durchsiebt die Seelen, dass es einem beinahe unheimlich wird.» 

«Na, dann wollen wir mal!»

Schon ihr dritter Roman «Takeshis Haut» hatte diesen speziellen Lucy-Fricke-Sound, der einen packt und nicht mehr loslässt – intensiv, temporeich und von lakonischem Witz. Im Mittelpunkt: die Geräuschemacherin Frida, die zur Rekonstruktion der verlorenen Tonspur eines Films nach Kyoto fliegt, mitten hinein in das Drama um Tsunami und Fukushima, und die dort einem ebenso schönen wie rätselhaften Japaner begegnet, Takeshi. «Eines ist sicher: Auch Menschen, die vorher nicht nach Japan fahren wollten – nach dem Buch wollen sie es bestimmt. Auch wenn alles bebt und zittert.» (die tageszeitung)


«Töchter», Lucy Frickes neues Buch, steckt voller melancholischer und lustiger Geschichten. Mal Tragödie, mal Slapstick, mit Aus- und Abschweifungen, dass es eine Freude ist. Und mit Dialogen, die zeigen, dass die Autorin hier ganz in ihrem Element ist: Zwei Frauen, vom Leben arg zerzaust und doch immer mit dem Blick nach vorn; während Martha Schwangerschaftshormone nimmt, um sich auf den letzten Drücker doch noch ihren Traum von Mutterschaft zu erfüllen, schluckt Betty Antidepressiva, gegen ihre Schreibblockade und den Alltagsmist, der ihr an ihrem gentrifizierten Viertel in Berlin nervt. Während die eine ihrem todkranken Vater mit der Fahrt zum Sterbeinstitut in Chur einen letzten Dienst erweisen will, möchte die andere in Bellegra bei Rom ein paar Stunden am Grab ihres Vaters verweilen. (Wobei Betty eigentlich drei Väter hat: «Das Schwein», «Der Jochen» und «Der Posaunist», und nur Ernesto, dem Letzteren, weint sie mehr als eine Träne nach.) 


Dem neuen Roman der in Berlin lebenden Autorin wünscht man viele, sehr viele Leserinnen (und Leser). Hier eine gute Handvoll Lieblingszitate: 

Abschied von den Vätern


Thelma, Louise und Tschick. «Was soll das eigentlich werden?», fragte ich. «Thelma und Louise
«Die waren jung, sexy und unterdrückt», sagte Martha. «Guck uns an, wir sind nicht mal unterdrückt.»
«Tschick?», probierte ich weiter.
«Das waren Jungs. Wir sind Frauen kurz vor den Wechseljahren. Ich hoffe, das willst du nicht vergleichen.»


Bettgeschichten. ««Nie wieder ein Tätowierter», sagte ich. «Die reden die ganze Zeit. Schlimmer als Angler. Endlos hat er mir seine Unterarme erklärt. Seine gesammelte Vergangenheit. Rechts die Familie, links die Freunde. Stammbaum, Schicksalsschläge. Als ich anfing mit Sex, haben mir die Männer ihr Leben anhand von Narben erzählt. Das hat meistens nicht sehr lange gedauert … Tätowierungen hingegen sind ins Fleisch gebrannte Geschichten. Also, diese Generation ist gut vorbereitet auf die Demenz. Da können sie ihren Körper anschauen und sich erinnern, der Rest lagert in der Cloud. Am besten lässt man sich schon jetzt das Passwort über die Pulsader stechen.»


Deutsche in Italien. «Die Wenigsten fanden ihr Glück in Italien, da suchten einfach zu viele. In Italien hatten die Deutschen kein Glück, da hatten sie Häuser.»


Jesus in Italien. «Bei den Italienern sieht Jesus völlig anders aus. Nicht der leidende, ausgemergelte Typ wie bei uns, nein, der hängt da muskelbepackt am Kreuz. Geradezu lasziv. Für so einen Mann geht jede ins Kloster.»


Rom. «Schon immer hatte ich eine leise Verehrung für Orte und Menschen empfunden, die stolz vor sich hingammelten, die so sehr um ihre Schönheit wussten, dass die Welt ihnen den Buckel runterrutschen konnte. Eine desolate Diva war die Stadt, vollkommen versifft, nur ihre Kirchen hielt sie sauber, während draußen die Tauben jedes Weltkulturerbe zukackten.»


Unglück? «Es gab niemanden, mit dem ich so lauthals über das Unglück lachen konnte wie mit Martha. Die wenigsten Frauen lachten über das Unglück, schon gar nicht über ihr eigenes. Frauen redeten darüber, bis sie weinten und nichts mehr zu retten war … Was das Leiden betraf, verstanden Frauen keinen Spaß.»


Mit vierzig. «Vielleicht war es das Alter. Mit vierzig waren wir nicht mehr so heiß auf Überraschungen. Wir waren zu müde, das Abenteuer zu suchen. Wir hatten in der Vergangenheit Abenteuer gehabt, die uns in Katastrophen, Armut, manchmal sogar für einen Moment ins Glück gestürzt hatten, nichts davon bereuten wir, aber ganz so vieles mussten wir nicht mehr tun, nur um es getan zu haben. Wir hatten uns an die kleine Trauer gewöhnt, die mit dieser Müdigkeit einherging.»


Alter. «Schön war ich immer nur in der Vergangenheit. Das Alter kam über Nacht, und es kam immer wieder. Früher war ich gewachsen im Traum, und bald würde ich schrumpfen im Schlaf. Es würde der Tag kommen, an dem ich kleiner erwachte. Bis ich verschwand.»

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