02.01.2016   von rowohlt

Die letzte Fahrt des Orient-Express

Spektakuläre Kulisse, dramatische Spannung, große Emotionen – Ein packender Abenteuerroman von Benjamin Monferat

Mai 1940: Deutsche Panzer rollen westwärts. Während in Paris die Angst um sich greift, bricht der legendäre Orient Express ein letztes Mal Richtung Istanbul auf. An Bord des Zuges eine schicksalhafte Reisegesellschaft: Fürsten, Mätressen, Diplomaten, Geheimagenten aller kriegführenden Mächte. Jeder von ihnen hat einen ganz eigenen Grund, diese Fahrt auf keinen Fall zu verpassen. Was niemand ahnt: Im Zug befindet sich etwas, nach dem Hitler seine Truppen in ganz Europa suchen lässt … Benjamin Monferat hat einen grandiosen Roman über die letzte Fahrt des Orient Express geschrieben. Spektakuläre Kulisse, dramatische Spannung, große Emotionen.


1881 fuhr der erste Orient Express von Paris nach Konstantinopel, dem heutigen Istanbul. Damals dauerte die Reise noch mehrere Wochen, später nur noch drei Tage. Nach dem Ersten Weltkrieg änderte sich die Route des Zuges. Der Orient Express umging fortan das Gebiet des Deutschen Reichs und erreichte Belgrad durch den neuen Simplontunnel über die Schweiz und Italien. Damit war der Simplon Orient Express geboren. 1977 dann die letzte Fahrt des Orient Express. Was bleibt, ist die Erinnerung an ein beispielloses Abenteuer, das unseren Begriff von Luxus auf Schienen für alle Zeiten geprägt hat.

Großer Schicksalsroman, episches Lesevergnügen

Bunter und prominenter hätte die Passagierliste nicht sein können. Carol von Carpathien sieht die Chance, mit Hilfe der Deutschen die Herrschaft über sein hinterwäldlerisches Balkankönigreich zurückzugewinnen; zur Entourage gehören seine Familie, Haushofmeister Graf Béla, seine jüdische Geliebte, ein Trupp carpathischer Gardisten. Großfürst Constantin Alexandrowitsch Romanow samt Entourage; sein Traum: die Wiederaufrichtung des Zarentums der Romanows. Betty Marshall, Stummfilmdiva der glamourösen alten Hollywood-Epoche.  Franz von Papen, ehemaliger Reichskanzler, jetzt Hitlers Gesandter in der Türkei. Außerdem an Bord: der schrullige Brite Basil Algernon Fitz-Edwards, der Ölmillionär Paul Richards mit Frau, Yogi Umashankar Chandra Sharma,  der im Auftrag des Vatikans reisende junge Geistliche Monsignore Pedro de la Rosa, Geheimagenten aller Couleur, Soldaten Bordpersonal …


Die Fahrt steht von Anfang an unter einem schlechten Stern. Jeder Grenzübertritt kann das Ende bedeuten. Jeder der Passagiere fürchtet den nächsten Tag. Schließlich bricht Feuer aus. Und während Europa in Dunkelheit versinkt, rast der Express als lodernde Fackel durch die Nacht ...

Das Interview

In Ihrem Roman «Welt in Flammen» behandeln Sie das dunkelste Kapitel des vergangenen Jahrhunderts, den Zweiten Weltkrieg, möchten Ihre Geschichte aber nicht als historischen Roman verstanden sehen. Warum ist das so?
Ich bin dem gesamten Konzept des historischen Romans gegenüber skeptisch. Historische Romane neigen dazu, Figuren, deren Mentalität der Gegenwart des Autors entspringt, in eine mehr oder minder exakt recherchierte historische Kulisse zu versetzen. Das halte ich für gefährlich, gerade vor dem Hintergrund, dass solche Romane häufig auch mit dem Wunsch gelesen werden, aus der Lektüre etwas über die dort behandelte Epoche zu erfahren.


Und das ist in Ihrem Roman nicht möglich?
Das habe ich nicht behauptet. Schließlich ist mein Roman eben kein historischer Roman, der sich in einer fernen Vergangenheit zuträgt, zu deren Denken und Fühlen wir keinen realistischen Zugang mehr haben. Dem Jahr 1940 sind wir noch wesentlich näher. Jeder von uns kennt Menschen, die diese Zeit miterlebt haben. Meine Großeltern wurden noch im neunzehnten Jahrhundert geboren. Auf einen solchen Abstand traue ich mir eine gewisse Perspektive zu. Ich habe lange Gespräche mit Zeitzeugen geführt, auch aus der eigenen Familie, und vor allen Dingen verfügen wir für das zwanzigste Jahrhundert über historische Quellen, mit deren Ausmaß und Vielfalt sich die Hinterlassenschaften früherer Jahrhunderte kaum vergleichen lassen.


Eine Geschichte um die letzte Fahrt des Simplon Orient Express im Mai 1940, als die Truppen der deutschen Wehrmacht bereits vor Paris stehen. Warum gerade diese Geschichte, die Geschichte einer Zugfahrt? 
Das hat mehrere Gründe. Ich bin neben einem Kleinbahnhof an der innerdeutschen Grenze aufgewachsen, wo noch historische Lokomotiven verkehrten, die auf den Gleisen der Bundesbahn nicht mehr unterwegs waren. Die Laute der Signalhörner, das Stampfen und Schnaufen dieser Lokomotiven gehören zu meinen ältesten Erinnerungen. Außerdem begegnen wir in unserer Geschichte unter anderem Hitlers persönlichem Salonwagen – an dessen Bau mein Großvater beteiligt war. Keineswegs mit Begeisterung. Er stand dem Regime mehr als distanziert gegenüber – der Leser begegnet ihm in einer Szene der Geschichte in der Figur des Otto. 


Also ausschließlich biografische Gründe?
Nein. Wichtiger ist die einmalige historische Situation dieser Zugfahrt. Man möge sich das vorstellen: Europa befindet sich seit Monaten im Krieg. Polen, Norwegen, die Niederlande, Belgien, Luxemburg sind bereits vom nationalsozialistischen Deutschland besetzt, Frankreich steht vor dem Zusammenbruch. Und doch fährt da noch immer dieser Zug, streng nach Fahrplan, eine der letzten Möglichkeiten für Verfolgte, Gegner des Systems, sich in Sicherheit zu bringen, quer durch die Staaten des Balkan, die noch von ihren obskuren Monarchien beherrscht werden – und dann, in Belgrad, koppeln zusätzliche Wagen an, Kurswagen aus Berlin. Plötzlich sitzen die Opfer und ihre Verfolger in ein und demselben Zug. Ein unglaublicher historischer Moment. Diese stilvollen Art Déco-Wagen mir ihren damastbespannten Sitzpolstern, ihrer Mahagonivertäfelung und dem glänzend polierten Messing sind noch ganz Teil des Alten Europa – doch die Zeit lässt sich nicht aufhalten. Hinter dem letzten Wagen bricht Europa in die Knie, und binnen Tagen und Wochen hat Hitler auf dem Kontinent keinen Gegner mehr. Die dunkelste Zeit der europäischen Geschichte bricht an mit dem maschinisierten Holocaust, den Kraterlandschaften, in die sich die Städte verwandeln werden und der jahrzehntelangen Teilung des Kontinents. Dieser Moment ist ein historisches Scharnier. Eine Vergangenheit, die keine Bedeutung mehr hat und eine Zukunft, die ungewiss ist, unbekannt und dunkel. Ein Tanz auf einer Nadelspitze.

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