10.09.2019   von rowohlt

Die Buchhandlung empfiehlt: «Propaganda» von Steffen Kopetzky

Für uns hier im Westen ist der neue Roman von Steffen Kopetzky ein Glücksfall und das nicht, weil sein Held John Glueck heißt. Ein guter Teil des Romans spielt nämlich hier ganz in der Nähe - im Hürtgenwald in der Eifel, nur wenige Kilometer von Aachen entfernt. Dort fand 1944 eine der schlimmsten Schlachten des Zweiten Weltkrieges statt, die sogenannte «Allerseelenschlacht». Mit über 15.000 Toten hat sie sich als «Death Factory» im Bewusstsein der Amerikaner bis heute verankert und Spuren dieser fürchterlichen Kämpfe sind auch heute noch sichtbar.


Mit seinem Helden John Glueck, der als Teil der psychologischen Kriegsführung nach Deutschland kommt, ist Kopetzky ein vielschichtiger Roman gelungen, zum Beispiel als Lehrstück über Propaganda in den Zeiten des Krieges im 20. Jahrhundert. Zudem trifft er im Hürtgenwald auf Ernest Hemingway, der den großen Roman über den Krieg schreiben will, und auf Jerome D. Salinger, der es vehement verneint, den Krieg literarisch erfassen zu können. Der Roman stellt also auch die Frage nach den Möglichkeiten von Literatur.


Und es gibt einen weiteren, wichtigen Aspekt des Buches: John Glueck, Enkel deutscher Einwanderer, ist der deutschen Kultur zutiefst verbunden. Daher glaubt er fest daran, dass Europa von den Nazis befreit und der Krieg gegen Deutschland geführt werden muss. Glueck kämpft später auch im Vietnamkrieg, deutlich weniger überzeugt. An der Veröffentlichung der Pentagon-Papers ist er maßgeblich beteiligt. Kann man sich im Krieg also moralisch verhalten?


Kopetzkys Roman ist für uns ein großer Wurf. Er erzählt von vierzig Jahren amerikanischer Geschichte zwischen der Schlacht im Hürtgenwald und dem Krieg in Vietnam. Und er erzählt von John Glueck, der voller Idealismus nach Deutschland kommt, um es von den Nazis zu befreien und der später seine Ideale im Vietnamkrieg verraten sieht.


Buchhandlung M. Jacobi's Nachfolger, Aachen

Propaganda

Propaganda

John Glueck ist im Krieg. Tief in Deutschland, im dunklen Hürtgenwald in der Eifel, 1944. Vor kurzem noch war er Student in New York, voller Liebe zur deutschen Kultur seiner Vorfahren; dann, als Offizier bei Sykewar, der Propaganda-Abteilung der US-Army, traf Glueck in Frankreich sein Idol Ernest Hemingway. Für ihn zieht Glueck in den scheinbar ...  Weiterlesen

Preis: € 25,00
Seitenzahl: 496
Rowohlt Berlin
ISBN: 978-3-7371-0064-9
20.08.2019
Erhältlich als: Hardcover, e-Book
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