19.08.2016   von rowohlt

«Die Angst wird euer Begleiter sein, wo immer ihr auch seid …»

Ein fulminanter Thriller von Ursula Poznanski und Arno Strobel, aus zwei Perspektiven auf ein dramatisches Ende hin geschrieben

© Sebastian Schmidt; Pep Karsten/Getty Images
© Sebastian Schmidt; Pep Karsten/Getty Images

Joanna ist allein zu Haus. Plötzlich flackert die Flurbeleuchtung auf, ein Mann steht vor ihr. Sie kennt ihn nicht. Starr vor Entsetzen bittet sie ihn, ihr nichts zu tun, bietet ihm Geld an. Er schüttelt nur konsterniert den Kopf. Er sei ihr Lebensgefährte, sagt er, Erik. Aber sie hat keine Ahnung, wer er ist. Und er – ist fassungslos, weil sie ihn für einen Fremden hält. Einen Einbrecher, einen potentiellen Vergewaltiger.
Je mehr beide die Situation zu verstehen versuchen, desto verwirrender wird sie. Irgendetwas ist in und mit ihrem Leben passiert. Sie spüren, dass sie in großer Gefahr sind. Und dass es nur einen Ausweg gibt …

«Du glaubst auch, ich bin verrückt, nicht wahr?»

Joanna und Erik wissen bald nicht mehr, was sie denken sollen. Erik weiß viel über ihr Leben, keine Frage: Dass ihre Eltern in Australien leben, dass sie Fotografin ist, bei wem sie gerade ein Praktikum absolviert und vieles andere. Aber das kann er auch herausgefunden haben, wenn er sie länger observiert hat. Und den Haustürschlüssel kann er problemlos nachgemacht haben. 


Was Erik nicht begreifen kann: Sämtliche Spuren seiner Existenz sind aus der gemeinsamen Wohnung verschwunden. Bücher, Bettdecke, Kopfkissen, Kleiderschrank, alles verschwunden. «Sie irren sich», sagt Joanna. «Ich wohne allein hier, seit ich dieses Haus gemietet habe. Es gibt kein zweites Kissen und keine zweite Decke und ganz bestimmt auch kein Aftershave im Bad.» Aber schlimmer als all das ist, dass die Frau, die er liebt, ihn nicht erkennt. Sich nicht mehr an seinen Namen erinnert. Sich in Panik vor ihm einschließt.

Zur falschen Zeit am falschen Ort?

Als Joana ihrer Freundin Ela mitteilt, sie werde zur Polizei gehen, schüttelt die nur den Kopf. «Ich glaube, das ist keine gute Idee. Weil das, was du mir gerade erzählt hast, überhaupt keinen Sinn ergibt. Du und Erik, ihr seid ein Paar. Und was für eines.» Es ist ein Rätsel. Während alle Erinnerungen an Erik ausgelöscht sind, weiß sie noch genau, wann und wo Ela und sie sich kennengelernt haben. Was aber, wenn Ela Eriks Komplizin ist? «Wie viel hat er dir versprochen, wenn du sein Psychospielchen mitmachst? Wie viel kostet es, die beste Freundin zu verraten?»


Es dauert, bis die Fassade bröckelt. Bis erste Zweifel an ihrer Version der Geschichte sich in ihrem Kopf einzunisten beginnen. Joanna lässt sich darauf ein, Erik zu einer Neurologin zu begleiten. Partieller Gedächtnisverlust, systematisierte Amnesie – manches ist vorstellbar, nichts bewiesen. Dr. Schattauer überweist sie nach dem EEG zu einer Schädel-CT in die Klinik  – «auch wenn ich wirklich nicht glaube, dass ihr Problem eine körperliche Ursache hat. Es muss einen Auslöser geben. Ein sehr belastendes Ereignis, ein Trauma, das mit der betreffenden Sache oder Person in Verbindung gebracht wird.»


Aber nicht nur Joanna hat ein schwerwiegendes Problem. Auch Erik – in seiner Firma, der Gabor Energy Engineering. Irgendetwas geht hier vor, etwas Entscheidendes. Und er spürt, dass man ihn außen vor lässt. Dass Informationen über ein Großprojekt nicht bis zu ihm durchkommen, obwohl er als IT-Verantwortlicher involviert sein müsste.

Operation Phoenix

Die Einschläge kommen näher. Jemand treibt ein perfides Spiel mit ihm – und mit Joanna. Eine manipulierte Gastherme in ihrem Haus: kein technischer Defekt, eine tödliche Falle. Erik wird im Auto rüde von der Straße abgedrängt.  Die Anzeichen mehren sich, dass sie systematisch überwacht werden. Nach und nach begreifen sie, dass sie Rädchen in einer Maschinerie sind, die sie gnadenlos zu zermalmen droht. Wenn sie nicht ihre einzige Chance ergreifen: Sie müssen einander vertrauen.


Und dann passiert etwas, das die beunruhigenden Geschehnisse in eine völlig andere Dimension rückt. Etwas derart Brutales, das Erik und Joanna niemals mit sich und ihrem Leben in Zusammenhang gebracht hätten …

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