10.03.2017   von rowohlt

Dennis, DU liest die Vogue?

Ja, Dennis ist irgendwie anders: ein Junge mit einem Faible für Fußball und Mode … Neues von David Walliams!

© Quentin Blake
© Quentin Blake

Dennis ist ein großer Fußballfan, genau wie alle seine Freunde, wie sein Vater und sein Bruder. Seine zweite Leidenschaft jedoch ist sein großes Geheimnis: Dennis liebt Mode. Jeden Monat kauft er sich eine neue «Vogue», um sich an Glanz und Glamour der Modewelt zu berauschen. Ein Glück, dass er in der hübschen Lisa eine Verbündete findet – und eine gute Freundin. Bis Lisa auf eine ziemlich verrückte Idee kommt – und Dennis am Ende einen noch verrückteren Einfall hat, wie man Fußball und Mode unter einen Hut bringen kann!

«Drei Hausregeln: Kein Wort über Mom! Nicht heulen! Keine Umarmungen!»


Eigentlich ist Dennis Sims ein ganz normaler zwölfjähriger Junge. Er wohnt mit seinem Vater und dem zwei Jahre älteren Bruder John «in einem stinknormalen Haus in einer stinknormalen Straße in einer stinknormalen Stadt.» Seine Mutter ist vor ein paar Jahren ausgezogen, zermürbt von den endlosen Streitereien mit ihrem Mann, der als Fernfahrer ein rastloses Leben führt. Dennis leidet schwer unter dem Verlust seiner Mutter; seit sie weggegangen ist, gibt es niemanden mehr, der ihn auch nur einmal umarmt. Sogar die Erinnerungen an seine Mutter sollen keinen Platz mehr in der Familie haben.


«Dad verbot John und Dennis, sie auch nur einziges Mal zu erwähnen. Und kurz nachdem sie weg war, lief er durch das ganze Haus, sammelte alle Fotos ein, auf denen sie zu sehen war, und verbrannte sie mit einem großen Feuer im Garten.» Ein einziges Bild konnte Dennis aus dem Feuer retten, rußig und leicht angekokelt, eine Strandszene, ein unbeschwerter Augenblick: die beiden Jungs – und Mom in ihrem traumhaften gelben Blumenkleid. Dieses Bild trägt Dennis immer bei sich, Es ist seine Erinnerung an die Zeit, als sie noch eine glückliche Familie waren.

Irgendwie anders, irgendwie befreiend


Eher normal an Dennis ist, dass er gern (und extrem gut!) Fußball spielt; ohne ihn als torgefährlichen Stürmer bräuchte sein Schulteam bei großen Turnieren gar nicht erst anzutreten. Weniger normal für einen Jungen in seinem Alter ist aber die Modefaszination!  Frauen in schönen Kleidern, Schmuck, Schuhe, Taschen, Sonnenbrillen, Make-up, das ganze Programm. Als sein Vater bei ihm eine Ausgabe der Vogue findet, auf der Titelseite ein hübsches Mädchen mit einem rosenbestickten gelben Kleid, tickt er aus. Weil es nicht sein darf, dass ein Junge,  sein Junge!, sich mit Mädchenkram abgibt. Und vielleicht auch, weil das Vogue-Mädchen im gelben Kleid in so sehr an seine Frau erinnert, der er noch immer hinterhertrauert 


Bein Nachsitzen in der Schule – Dennis hatte einen Fußball ins Zimmer des Direktors gedonnert – ist er nicht allein. Neben ihm sitzt Lisa; ihr Vergehen: ein zu kurzer Rock, sprich: keine «korrekte Schulkleidung». Lisa ist das hübscheste Mädchen der Schule: kein Junge, der nicht in sie verliebt wäre. Groß, schlank und hinreißend modisch gekleidet. Und dazu noch unglaublich nett. Als sie hört, dass der modeverrückte Dennis die Vogue liest, lädt sie ihn zu sich nach Hause ein. 


Lisas Zimmer ist das reinste Modeatelier. An den Wänden hängen Aufnahmen berühmter Kollektionen, von Yves Saint-Laurent, Dior, Stella McCartney, Tom Ford, Marc Jacobs und John Galliano. Modemagazine stapeln sich auf dem Boden, im Bücherregal die tollsten Fotobände über Models und Filmstars wie Audrey Hepburn und Marilyn Monroe. Vor allem fasziniert Dennis, dass Lisa selbst Mode entwirft und schneidert. Warum, fragt er sich, gibt es eigentlich nur für Mädchen derart tolle, modische Sachen?

«Du kannst dich selbst ganz neu erfinden, Dennis!»


Wie es weitergeht? Hier nur so viel (der Buchtitel «Kicker im Kleid» deutet ja schon einiges an): Lisa schenkt Dennis ihr hinreißendes, selbstgeschneidertes orangefarbenes Pailettenkleid – und heckt einen verrückten Plan aus: Dennis soll als ihre «französische Brieffreundin» Denise mit ihr in die Schule gehen. Mit Kleid und Perücke und High Heels, versteht sich. Dass dieser Ausflug in die Mädchenwelt für «Dennis/Denise» nicht ohne Komplikationen ablaufen wird, kann man sich vorstellen. Und damit sind nicht nur schmerzende Druckstellen an Dennis' Füßen gemeint («Diese Absätze bringen mich um!») …


Es ist eine ganz und gar unglaubliche Geschichte: das – von Quentin Blake hinreißend illustrierte – Porträt eines mutigen, witzigen und sensiblen Jungen. Eines Jungen, der das Glück hat, zum richtigen Zeitpunkt ein Mädchen wie Lisa zu treffen, das sich nicht darum schert, was andere denken. Und der mit seinem Fußballkumpel Darvesh einen Freund hat, der bereit ist, mit ihm durch dick und dünn zu gehen. Und zwar egal ob Dennis in Fußballklamotten oder im Kleid durch die Gegend spaziert. Schließlich trägt Darvesh, der der Religionsgemeinschaft der Sikhs angehört, ein für westliche Augen ungewöhnliches «Mützending», also eine Patka, den traditionellen Turban der Sikhs …


Am Ende wird übrigens wieder Fußball gespielt – und wie! Ein tolles Finale gegen die Jungs von der Maudlin Street, in dem eines klar wird: Ein 0:6 zur Pause heißt noch lange nicht, dass man am Ende verliert. Weil: Wunder gibt es immer wieder!

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