22.11.2018   von rowohlt

Das große Abenteuer Liebe

Mitreißend und emotional: «Die Ballade von Max und Amelie», der neue Roman von David Safier

© Dennis Dirksen
© Dennis Dirksen

Die einäugige Hündin Narbe kann sich nicht vorstellen, dass eine wie sie jemals geliebt werden könnte. Doch dann verirrt sich der sanfte Hund Max zu der Müllkippe, auf der Narbe lebt. Er erzählt ihr von seinem wunderschönen Zuhause bei den Menschen. In der Hoffnung auf ein besseres Leben begleitet Narbe den Fremden auf die gefährliche Heimreise. Unterwegs wird Max von Albträumen geplagt, in denen die beiden ein Liebespaar sind, aber von einem Menschen getötet werden. Aber sind es wirklich Albträume oder vielmehr Erinnerungen? Narbe wehrt sich anfangs dagegen, dass es ihr Schicksal sein soll, Max zu lieben. Doch kaum beginnt sie zaghaft an das Gute zu glauben, taucht der Mensch aus den Träumen auf...

Das Interview


Von Ihnen erwartet man ja normalerweise lustige Bücher mit phantastischem Einschlag und schrägen Einfällen – wie viel Witz steckt in dem neuen Buch?

Also, ich schreibe ja auch ganz andere Bücher. Wer «28 Tage lang» gelesen hat, weiß das. Und es gibt eine Seite von mir, die auch gerne dramatische, große Geschichten erzählt. Und das hier ist so ein Buch. Es ist ein großes Liebesabenteuer. Ein bisschen Humor ist zwar auch dabei, aber in erster Linie ist es ein spannender, hochemotionaler Roman.


Und worum geht es? Was ist das Besondere an der Geschichte?
Kurz gesagt geht es um zwei sehr unterschiedliche Hunde: eine Wildhündin und einen Haushund. Die beiden wollen sein Zuhause finden, ein Dorf in den Alpen. Das ist das eine. Zugleich erzähle ich eine große Liebesgeschichte zwischen diesen beiden Hunden. Und es geht auch um ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt: um Reinkarnation, aber ganz anders als bei «Mieses Karma».


Wie sind Sie auf das Thema gekommen?
Ich gehe jeden Tag mit unserem Hund Max spazieren, er liegt neben mir auf dem Sofa und leistet mir Gesellschaft beim Schreiben. Bei all dem merke ich, dass er mehr Seele besitzt als so mancher Mensch. Und ich frage mich, was er wohl denkt, fühlt und liebt. Und von solchen Überlegungen ist der Weg nicht weit, ihn zum Helden einer meiner Geschichten zu machen.


Die zwei Hunde machen sich ja auf einen sehr weiten Weg, von Italien nach Hause. Was bedeutet Ihnen Heimat, und was ist Ihr Wohlfühlort?
Na ja, Heimat – und das wird bei den Hunden ähnlich sein – sind jene, die man liebt. Heimat ist dort, wo das Herz ist. Das ist zwar ein Klischee, aber das ist tatsächlich auch das, was es für mich bedeutet. Meine Heimat ist Bremen, dort leben meine Frau, unsere beiden Kinder und unser Hund Max. Und mein Wohlfühlort ist ganz simpel: Ich liege wahnsinnig gern im Bett und lese.


Sie haben gerade schon gesagt, es geht in dem Buch auch um Reinkarnation. Welche Rolle spielt Spiritualität in Ihrem Leben?
Das ist etwas, mit dem ich mich sehr viel beschäftige. In meiner Familie gab es leider auch viel Tod: Ich habe meine Schwester verloren, meine Eltern. Die Frage «Gibt es ein Leben nach dem Tod? Wie sieht es aus?» beschäftigt mich seit diesen Todesfällen und ist ein Teil von mir. Bei Max und Amelie geht es um eine ganz spezielle Form der Reinkarnation und auch um die Frage, ob Liebe Schicksal ist oder nicht.


Was ist Ihre Lebensphilosophie?
Sagen wir es mal so: In meinen Büchern geht es ja auch oft um die Frage, wie wir miteinander umgehen. Ganz salopp – es gibt bei der Bundesbahn das Schild: «Bitte hinterlassen Sie die Toilette so, wie Sie sie vorgefunden haben.» Das andere ist natürlich: Wenn man gut ist zu anderen Menschen, wenn man sich bemüht, nett zu sein – dann ist das gut für alle. Egal, ob es ein Leben nach dem Tod gibt oder nicht, ist es gut, wenn wir jetzt probieren, aufmerksam und anständig zu sein. Gelingt einem nicht immer, auch mir nicht. Mal ist man wütend, mal ist man ungerecht, das gehört ja auch zum Leben dazu, aber ich bemühe mich schon, so zu leben.


Was macht Sie glücklich – und worüber ärgern Sie sich?
Glücklich machen mich die Menschen, die ich liebe. Glücklich macht es mich auch, wenn ich mit meinem Hund zusammen bin. Und glücklich macht mich das Schreiben.


Und worüber ärgern Sie sich?
Richtig aufregen konnte mich früher mein Sohn Nr.1 in der Pubertät, aber die ist zum Glück vorbei. Und es gibt die Weltläufte, über die man sich ärgert – Politik, Rechtspopulismus usw. usf. Im Privaten ärgert mich, wenn Leute sehr unhöflich oder überheblich gegenüber anderen sind.


«Unten am Fluss» (Watership Down) gehört zu Ihren Lieblingsbüchern. Warum ist das so, und wie weit hat das Buch Sie zu Ihrer neuen Geschichte inspiriert?
«Unten am Fluss» ist tatsächlich mein Lieblingsbuch. Ein großartiger Roman, wahnsinnig spannend, eine große Mythologie, einfach toll und ganz besonders. Das ist nichts, wo man sagen kann, das mach ich jetzt auch mal. Aber ich finde diese Art von Erzählung – dass man mit Tieren eine große spannende Geschichte erzählt und auch etwas damit aussagt – großartig und, ja, inspirierend.
Ich habe das mit dem Thema Liebe verbunden. «Die Ballade von Max und Amelie» ist ein großes Liebesabenteuer, und wenn man überhaupt nach einem Buch sucht, das einigermaßen ähnlich ist oder in eine ähnliche Richtung geht, dann ist es wohl «Watership Down».


Und wer soll Ihr neues Buch lesen?
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass alle meine Bücher – und dazu gibt es auch Studien – von Menschen zwischen 10 und 80 Jahren gelesen werden. Ich habe sehr junge Leser, sehr alte Leser, insgesamt einfach eine breite Leserschaft. Und dieses Buch wird sicher nicht den Deutschen Buchpreis gewinnen. Aber es ist unterhaltsam – nicht in dem Sinne, dass man die ganze Zeit lacht, sondern dass es spannend ist. Und deshalb ist es, so wie meine vorherigen Bücher auch, All Age – für alle geeignet.


Also perfekt zum Selberlesen und Verschenken.
Ja, es ist ganz sicher ein tolles Weihnachtsgeschenk. Geeignet für alle, die Hunde lieben. Oder große Abenteuergeschichten. Oder große Liebesgeschichten.

Die Ballade von Max und Amelie

Die Ballade von Max und Amelie

Das große Abenteuer Liebe
Die einäugige Hündin Narbe kann sich nicht vorstellen, dass eine wie sie jemals geliebt werden könnte. Doch dann verirrt sich der sanfte Hund Max zu der Müllkippe, auf der Narbe lebt. Er erzählt ihr von seinem wunderschönen Zuhause bei den Menschen und in der Hoffnung auf ein besseres Leben begleitet Narbe den Fremden auf ...  Weiterlesen

Preis: € 18,00
Seitenzahl: 368
Kindler
ISBN: 978-3-463-40709-8
27.11.2018
Erhältlich als: Hardcover, e-Book
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