02.01.2016   von rowohlt

Cosa Nostra, Camorra, 'Ndrangheta

Der neunte Fall mit Kommissarin Laura Gottberg und ihrem italienischen Kollegen und Freund Angelo Guerrini

© iStockphoto.com
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Auf der Münchner Prinzregentenstraße blockiert am frühen Morgen eine riesige Kiste den Verkehr. Die Polizei lässt das Ungetüm öffnen – und findet eine einbetonierte Leiche, die von den Gerichtsmedizinern in mühevoller Kleinarbeit freigelegt werden muss. Sieht schwer nach organisiertem Verbrechen aus, findet Kommissarin Laura Gottberg. Oder will jemand eine falsche Spur legen? In ihrem Kriminalroman «Schwarze Katzen» deckt Felicitas Mayall eindrucksvoll die perfide Arbeitsweise der modernen Mafia auf.

Der Fisch stinkt vom Kopf her

Der Aspro-Cavallino-Clan gebietet über ein beachtliches Firmenimperium. Restaurants, Weingeschäfte, Feinkost, Fischhandel – allesamt Geschäftsbereiche, die von Mitgliedern «der Familie» betrieben werden. Einziger Zweck: Geldwäsche , Verschleierung der Einkünfte aus dem Handel mit Kokain und Heroin. Das und nichts anderes steckt hinter den «archaischen Familienwerten» Blut, Ehre und Loyalität. Während der Boss, Dario Cavallino, von seinem Heimatdorf in den Bergen Kalabriens aus «die Firma» steuert, ist der Rest seiner Leute über halb Europa verstreut. Seine Frau Maria Beata und Bruder Carmine leiten die Mailänder Niederlassung, Sohn Michele organisiert die Belieferung eines ganzen Netzes italienischer Restaurants mit frischem Mittelmeerfisch von Marseille aus.


Sergio Cavallino, Micheles Bruder, ist einer der beiden Münchner Residenten der Familie, Padrone des Restaurants «Montenero», ein Edelitaliener für die besseren Kreise der Stadt. Erlesenes Ambiente, wunderbares Essen, perfekter Service – hier verkehren die Schickeria und die Gourmetelite der bayerischen Landeshauptstadt. Eines Nachts wird Cavallino in seinem Restaurant von einem Mann angegriffen, in seiner Panik ersticht er den Eindringling. Das Entsorgen von Leichen ist für Mafiosi bekanntlich das geringste Problem. Im Hafenbecken versenken, in Säure auflösen, einbetonieren, auf Mülldeponien verschwinden lassen – es gibt diverse Optionen, jede erfüllt ihren Zweck. Damit fangen die Probleme der Aspro-Cavallinis aber erst an.


Dass der Angriff auf das Konto einer anderen Abteilung der «Ehrenwerten Gesellschaft» geht, darin sind sich alle einig. Der Kampf um Macht, Einflussgebiete und profitable Kontakte hat begonnen. Fast täglich erhält Sergio Drohbriefe mit zynischem Unterton: «Ehrenwerter Freund, der äußerst bedauerliche Zwischenfall in Ihrem Restaurant hat mich auf den Gedanken gebracht, Ihnen meine Hilfe anzubieten. Vertrauensvolle Zusammenarbeit bei so bedauerlichen und gefährlichen Zwischenfällen bietet Sicherheit auch für die Zukunft. Dabei denke ich auch an das traurige Schicksal Ihres Bruders … Bis dahin wünschen wir Erfolg und gute Gesundheit für Sie und Ihre große Familie.»


Die Drohung ist unmissverständlich: Gabriele, Sergios Bruder, wurde vor fünf Jahren in Mailand umgebracht. Die Machtbasis der Münchner «Calabresi» gerät ins Wanken: Konkurrenz belebt das Geschäft, und die schreckt vor nichts zurück.

«Man bringt nur Leute um, die Verräter sind oder im Weg stehen»

Normalerweise wäre das ein Fall ganz nach dem Geschmack Gottbergs. Keine Routine, kein bürokratischer Stumpfsinn, stattdessen Ermittlungen im Umfeld der Reichen und Mächtigen. Und eine einbetonierte Leiche auf der Prinzregentenstraße kriegt man auch nicht jeden Tag geliefert! Außerdem trägt der Fall jene spezielle italienische Note, die Lauras Leben seit langem prägt. In Felicitas Mayalls Kriminalromanen überschneiden sich, wie von unsichtbarer Hand arrangiert, die Ermittlungswege der Kommissarin Laura Gottberg aus München und des Commissario Angelo Guerrini aus Siena aufs Schönste. Wie sonst sollte auch eine so herzerwärmende deutsch-italienische Lovestory zwischen zwei «Bullen» entstehen?


Auf eine neue Runde im zermürbenden Beziehungsspagat zwischen München und Siena hat Laura keine Lust mehr. Eine Liaison zwischen zwei Polizisten ist an sich schon eine Strapaze – als Fernbeziehung ist sie eine Katastrophe. Als wären zwei Kinder nicht schon Herausforderung genug! Laura leidet. So kann, so will sie nicht mehr weitermachen. Und jünger wird sie auch nicht. Zum Glück naht Hilfe aus Italien. «Machst du, was du wirklich machen willst … ehe du stirbst? Machst du es?», fragt Fernando Guerrini seinen Sohn. «Dann mach es, verdammt noch mal! (…) Heirate Laura! Schmeiß deinen Commissario-Titel weg! Such mit mir Trüffel! Wie lange haben wir das nicht mehr gemacht, eh?»


Immerhin nehmen die Ermittlungen der SOKO Beton endlich Fahrt auf, als sich herausstellt, wie eng die aktuellen Fälle von Laura (Aspro-Cavallino in München) und Angelo (Della Valle in Florenz) zusammenhängen …

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