29.09.2017   von rowohlt

«Aber, Pustekuchen, Douglas Adams!»

#buchpassion: Tobi Katze über seinen erklärten Lieblingsautor

Als man mir die Frage stellte, wer mein/e Lieblingsautor/in sei – ich hätte gedacht, länger überlegen zu müssen. Ich hatte sofort einen Namen im Kopf. Vermied es aber, den als meine Antwort zu verstehen. Ich hätte gerne etwas gesagt, was mir würdiger schien. Paul Auster oder so. David Foster Wallace. Rilke. Was weiß ich. Irgendetwas, bei dem einem alle ganz ehrwürdig zunicken. Gute Wahl, gute Wahl. Aber, Pustekuchen. Douglas Adams.


Ich schäme mich ein bisschen, mich geschämt zu haben für diesen Namen in meinem Kopf. Adams hat mir gezeigt, dass Phantasie keine Frage des Alters ist. Er hat mir gezeigt, dass wir unsere Welt und unsere Regeln hinterfragen dürfen. Douglas Adams hat mir beigebracht, dass Unterhaltung ungleich Witz ist, dass Unterhaltung und Literatur sich nicht ausschließen müssen. Das mag belächelt werden. Aber dann wiederum hat mir Adams auch beigebracht, dass nur Verlierer sich auf ihre eigene Intellektualität einen runterholen. Im übertragenen Sinne.

«Douglas Adams also. Per Anhalter durch die Galaxis. Dirk Gently. Grandios.»


Mein erster Kontakt war die deutsche Adaption der Radiofassung. Mein Vater schob diese Kassette in unser Autoradio – und in den nächsten Minuten verstand ich die Welt nicht mehr. Das war alles so chaotisch, so liebevoll spöttisch und fast schon mitleidig belustigt, was dieser Mann mir über Digitaluhren und die Erde mitzuteilen hatte.


Ich kann nicht mehr sagen, wie alt ich war. Definitiv zu jung, um wirklich zu verstehen, was da vor sich ging. Es war bizarr, und das war es auch Jahre später noch, als ich es zum ersten Mal las, statt es zu hören. Douglas Adams hebelte mit ein paar Seiten so ziemlich alles aus, was ich gemeint hatte, über Literatur zu wissen. Da war einer, der schrieb, wie ich immer denken können wollte. So leichtfüßig und grenzenlos. Adams war ein Zauberer für mich, so wie es für viele andere vielleicht J.K. Rowling war. Da lag eine völlig neue Welt hinter meiner, und ich wünschte, ich hätte sie mir zuerst ausgedacht, um darin zu leben. Was bei Rowling hingegen die Details sind – bei Adams waren es die Hintergründe, die Vergangenheiten, die mir das Universum so lebendig werden ließen. Ich kann es nicht besser erklären. 


Bis heute begleiten seine Bücher mich. Seine Furchtlosigkeit, zu spinnen. Albern zu sein und grotesk.  Nicht jeder mag den Anhalter so lesen. Für mich war er ein Mahnmal, was Sprache aus Ideen machen kann, wie Sprache sich nicht scheuen muss, wie man sich nicht für Ideen schämen muss. Der Mann war ein Spinner. Ein ganz wundervoll, phantasiereicher Spinner, der sich sein Werkzeug geschnappt und ein Universum erschrieben hat, das grausamer und liebreizender kaum sein könnte. 


Deshalb mag ich ihn. Weil er ohne Angst davon schrieb, was er sich auszudenken vermochte. Keine Spur von Scham vor dem eigenen Kopf. Und davon, schätze ich, könnte ich mir noch eine ganze Ecke abschneiden.

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