03.07.2015   von rowohlt

Aussetzer, Blackouts, Augenblicksidiotien

Vegetarische Hühnersuppen und vegane Plastiktüten ... Das Buch zur radio eins-Erfolgsreihe von rbb

© Andrew Bret Wallis/Getty Images
© Andrew Bret Wallis/Getty Images

Wir wissen, ein Sekundenschlaf am Steuer eines Autos kann tödlich enden. Sekundenschafe dagegen haben in der Regel Heiterkeitssalven zur Folge. Falls man Aussetzer dieser Art überhaupt mitbekommt – was nicht immer der Fall ist, da unser Gehirn über Allltagsidiotien gern mal lässig hinweggeht. Dumm für einen Augenblick, jeder kennt das Phänomen. Malte Welding hat die schönsten Sekundenschafe gesammelt: von der Frage, ob die Hühnersuppe vegetarisch und die Plastiktüte vegan ist bis zur Lasagne, die komplett verkohlt aus der Mikrowelle kommt, weil man blöderweise die Pin-Nummer statt der Aufwärmzeit eingegeben hat. 

Um mal mit einem bisschen Wissenschaft zu beginnen: Wir Menschen haben einen recht beachtlichen Enzephalisationsquotienten (EQ) von 7,8. Dieser Quotient gibt das Verhältnis der Gehirngröße zur Größe des Restkörpers wieder. Also: «Je niedriger der EQ, desto Mäh. Das Pferd, auch nicht berühmt für seine Erfolge in der Weltraumtechnik, hat einen Enzephalisationsquotienten von 0,9, die Katze einen von 1,1. Weswegen wir Katzen in unsere Wohnung lassen und Schafe auf die Weide schicken.»
Hier ein paar der schönsten Augenblicksdummheiten:

Eis in der Flasche, Schwangerschaftsstreifen und ein Dolch in der Tante

Hoffentlich Allianz-versichert. Ich lese in den Nachrichten die Überschrift: «IS: Allianz erwartet langen Kampf» und denke: «So was kann man versichern?»
Heute & morgen. «Ich kann morgen nicht kommen, weil ich Fieber habe.» – «Dann komm doch heute.»
Eiskalte Logik. Im Winter hatte ich eine Wasserflasche im Kofferraum vergessen. Meine Schwester starrt auf die Flasche und fragt: «Wie hast du das ganze Eis durch das kleine Loch bekommen?» Meine Schwester ist 23.
Regennass. Neulich im Garten: «Jetzt noch schnell fertig gießen, bevor der Regen kommt.»
Voll fado! Ich hatte mal eine Single, von der ich sicher war, sie sei der deprimierendste Song, den es je gab. Dann hat ein Freund sie auf 45 gestellt.
Moderne Zeiten. «Du musst die DVD noch zurückspulen, ehe wir sie zurückbringen.» – «Nein, Mama.»
Pustekuchen. Habe gerade versucht, den Cursor wegzupusten.
Pregnant? Prägnant! In der Apotheke, um einen Schwangerschaftstest zu kaufen. «Ich hätte gern einen Schwangerschaftsstreifen.»
Mein liebes Wedekind! Auf Twitter ein schönes Zitat gelesen: «Ich stieß ihr den Dolch in die Därme, die Tante schnaufte nicht mehr.» Darunter: «Frank Wedekind (24.7.1864–9.3.1918) Ich denke: «Da hat der Wedekind aber lange dran geschrieben.»
Rot-Grün-Blindheit. Heute morgen stand ich vor einem Stoppschild und habe darauf gewartet, dass es endlich Grün wird.

Kleine Füße, Kaffee Togo & epileptische Epiker

Radio Eriwan. Länderspiel Deutschland gegen Armenien, der Reporter sagt: «Jetzt kommt die armenische Hymne, ‹Vaterland› heißt sie», und ich denke: «Krass, dass die einen deutschen Titel für ihre Hymne haben.»
Kleine Leute, große Leute. Mein kleiner Sohn ist in meine Schuhe geschlüpft und darin unbeholfen rumgestapft. Ich denke: «Cool, dann können wir ja mal tauschen.»
Dreck & weg! Ich bin Lehramtsstudentin und plane den Musikunterricht für eine 1. Klasse. Ich erstelle schöne Arbeitsblätter, jede PowerPoint-Präsentation ist Dreck dagegen. Dann werfe ich alles weg. Mir ist eingefallen, dass die Kinder ja noch gar nicht lesen können.
Rom bleibt Rom. Vor vielen Jahren habe ich in Rom auf dem Weg zum Geldautomaten kurz überlegt (leider auch laut), ob man vor der Geheimzahl wohl die deutsche Vorwahl eingeben muss.
To go to Togo. Während der WM 2006 fragte ich mich, was denn jetzt das Besondere an diesem Kaffee aus Togo sei, den plötzlich alle verkauften.
Sunny, yesterday my life was filled with rain … Gespräch zwischen Freunden: «Wie lange braucht eigentlich die Sonne, um einmal um die Erde zu … vergiss es.»
Studiert ist studiert. Ich (Germanistin) lese: «Ein Essayist wächst nun einmal nicht über Nacht zum Epileptiker heran.» Denke mir: Was für ein postmoderner Quatsch. Ach so. Epiker. Da steht Epiker.
Obama. Heute Nacht las ich einen Artikel im Politikteil der Zeitung. In einem Zitat von Obama entdeckte ich einen Rechtschreibfehler. Ich fand das dann aber voll okay, denn Deutsch ist schließlich nicht seine Muttersprache.

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