18.08.2016   von rowohlt

7 Fragen an Ursula Poznanski

«Das Fremde in einem selbst und in anderen ist so faszinierend wie angsteinflößend ...»

© Gaby Gerster; Image Source/Getty Images
© Gaby Gerster; Image Source/Getty Images

Mit ihren Thrillern «Fünf» und «Blinde Vögel» hat Ursula Poznanski eine riesige Fangemeinde gewonnen Im Interview erzählt die vielseitig interessierte Autorin vom speziellen Charme von Gedichten, von Topfenknödeln mit Erdbeersauce – und weshalb sie als Wienerin Salzburg so unglaublich schön findet. Außerdem verrät sie etwas, was ihre Leserinnen und Leser glücklich machen wird: Die Thrillerreihe um die beiden Salzburger Ermittler Beatrice Kaspary und Florin Wenninger wird eine Fortsetzung haben. Wir freuen uns!

Das Interview


Ihre Jugendbücher «Erebos» (Deutscher Jugendliteraturpreis 2011) und «Saeculum» sind große Publikumserfolge. Ihre Thriller um die Salzburger Ermittler Beatrice Kaspary und Florin Wenninger richten sich dagegen explizit an ein erwachsenes Lesepublikum. Hat sich im Schreibprozess dadurch etwas für Sie geändert?»
Die Unterschiede sind gar nicht so groß, wie man meinen könnte. Da wie dort schreibe ich Geschichten, die ich selbst gerne lesen würde, Unterschiede liegen für mich hauptsächlich in der Wahl der Protagonisten und im Detail. Jugendliche schätzen nicht zwingend Stoffe, in denen eine sechsunddreißigjährige Alleinerzieherin die Hauptrolle spielt – obwohl ich immer wieder überrascht bin, wie oft sie nach den Jugendbüchern auch zu den Krimis greifen.
Aber mein Schreibprozess ist tatsächlich in beiden Genres sehr ähnlich. Wenn ich für Jugendliche schreibe, ersetze ich ab und zu ein Fremdwort durch einen leichter verständlichen Ausdruck, und ich halte mich mit expliziter Gewalt zurück. Doch das ist es dann auch.


Sie haben «bunt herumstudiert» und als Medizinjournalistin gearbeitet, bevor Sie sich als freie Autorin etabliert haben. Gab es eigentlich einen Plan B für den Fall, dass Sie mit dem Schreiben nicht erfolgreich gewesen wären?
Bevor ich Journalistin wurde, habe ich in alles Mögliche hineingeschnuppert, das mir gefallen hat. Werbung, zum Beispiel. Ich war ja immer der Meinung, dass mir fürs Schreiben von Romanen die nötige Ausdauer fehlt. Ein Werbeslogan ist die kürzest mögliche Form, in der man veröffentlicht werden kann, das hat mich durchaus gereizt. Aber auch da wären wir wieder beim Schreiben ... Etwas Anderes, das mich auch immer interessiert hat, war das Theater. Eine Zeitlang habe ich mit einer Laufbahn als Dramaturgin, Regisseurin oder wenigstens Regieassistentin kokettiert; das als «Plan B» zu bezeichnen, wäre aber übertrieben.


«Wien ist in Krimi-Hinsicht bestens versorgt,» haben Sie mal in einem Interview gesagt. War das der Grund, Beatrice Kaspary und Florin Wenninger in Salzburg ermitteln zu lassen?
Einer der Gründe. Ein anderer war, dass ich Salzburg unglaublich gerne mag. Es ist die Stadt in Österreich, die ich am zweitbesten kenne, und es ist für mich sehr schön, mich  «hinzuschreiben», wenn ich an den Thrillern arbeite. Außerdem kommt mir die Vielgesichtigkeit von Salzburg sehr entgegen: Es hat eine bewegte Geschichte hinter sich, unglaublich viel Kulturelles zu bieten, ist aber weitaus mehr als nur malerische Kulisse für die Festspiele. Es gibt dort die gleichen Probleme wie in jeder Stadt, gleichzeitig ist man in wenigen Minuten auf dem Land, zwischen Bauernhöfen und Wäldern. Ich glaube, es gibt kaum einen Plot, den man dort nicht ansiedeln könnte.


Zwischen Ihren beiden Ermittlern knistert es ganz schön, in «Blinde Vögel» noch intensiver als in «Fünf». Apropos love & crime: Sind eigentlich die Filmrechte schon vergeben? Beide Thriller schreien geradezu nach einer Verfilmung …
Zu Verfilmungen gibt es intensive Gespräche, mehr darf ich im Moment nicht sagen, fürchte ich. Gute Nachrichten gibt es aber für die, die sich einen dritten Teil wünschen.

Hier Baudelaire, da Fräulein Smilla


Ihr Roman «Blinde Vögel» wurde von Rezensenten mit dem Etikett «Facebook-Thriller» belegt – wie gefällt Ihnen das? Ihrer Facebook-Seite zufolge scheinen Sie ja ziemlich viel Spaß am Kontakt mit Ihren Leserinnen und Lesern zu haben.


«Facebook-Thriller» ist sicherlich nicht falsch, viel von dem, was die Geschichte ausmacht, spielt sich im sozialen Netzwerk ab. Auf meiner Autorenseite geht es weniger dramatisch zu, aber es herrscht reger Austausch, was mich sehr freut. Ich komme zwar nicht täglich dazu, dort auf die Fragen zu antworten, aber ich bemühe mich ...


Es gibt am Ende eine überraschende Wende, nachdem Sie Ihre Leser vorher bereits mit anspruchsvoller Lyrik (Rilke, Benn, Celan, Baudelaire etc.) gefordert haben. Hatten Sie nicht zwischendurch die Befürchtung, Sie könnten Ihre Leser überfordern?
Vielleicht irre ich mich, aber ich glaube, Gedichte überfordern Leser nicht mehr, als Lieder es tun. Im Gedicht kommt die Sprache der Musik am nächsten, man muss sie nicht verstehen, man kann einfach die Melodie auf sich wirken lassen. Eine Menge Leute leiden wahrscheinlich noch an den üblichen Traumata aus dem Deutschunterricht, wo man jedes Gedicht bis auf den letzten Beistrich sezieren musste, um einen verborgenen Sinn ans Tageslicht zu fördern, dabei reicht es völlig, nur die Worte auf sich wirken zu lassen.  In <i>Blinde Vögel</i> spielen die Gedichte zwar eine wichtige, aber keine sehr platzraubende Rolle – es sind eher Gedicht-Häppchen.


Zum Schluss möchten wir noch einige Ihrer Vorlieben kennenlernen. Zum Beispiel Ihre Lieblingsmusik …
Beim Schreiben Soundtracks, ansonsten alles von Klassik über Jazz bis Pop, Rock und Punk. Nur volkstümliche Musik und Schlager funktionieren bei mir nicht.


Ihr Lieblingsbuch … 
Ich hab nicht ein einziges, aber wenn ich drei nennen darf, dann wären das <i>Melodien</i> von Helmut Krausser, <i>Das Foucaultsche Pendel</i> von Umberto Eco und <i>Fräulein Smillas Gespür für Schnee</i> von Peter Hoeg.


Ihr(e) Lieblingsschriftsteller(in)
Da ist die Entscheidung noch schwieriger als beim Lieblingsbuch. Tut mir leid. Ich muss passen.


Ihr Lieblingsgericht (österreichisch)
Topfenknödel mit Erdbeersauce


Ihre Lieblingsreiseziele …
Italien und England


Ihre Lieblingsorte in Wien und in Salzburg …
In Wien liebe ich den Maria-Theresien-Platz, zwischen den beiden großen Museen mit Blick auf die Hofburg. In Salzburg den Residenzplatz, den Mönchsberg (von dem aus man die ganze Altstadt überblickt) und das Augustiner Bräustübl.

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