Im Gespräch

Gestatten: Miss Merkel, Privatdetektivin

Falls Sie sich gefragt haben sollten, welche Pläne Angela Merkel nach sechzehn Jahren Kanzleramt wohl hat: David Safier weiß es …

Miss Merkel - Der neue Roman von David Safier

Die Kanzlerin ist seit sechs Wochen in Rente. Mit Mann Achim und Mops Putin ist sie in die Uckermark gezogen, nach Klein-Freudenstadt am schönen Dumpfsee. Nach dem Polittrubel in Berlin fällt es ihr schwer, sich auf das beschauliche Landleben einzulassen. Als jedoch Freiherr Philip von Baugenwitz vergiftet in einem von innen verriegelten Schlossverlies gefunden wird, erwacht neues Leben in ihr. Endlich wieder ein Problem, das gelöst werden will! Unterstützt von ihrem liebenden Ehemann, macht Angela sich auf Mördersuche. Wird sie ihn finden? Oder wird eine der sechs verdächtigen Frauen ihr zuvor den Garaus machen? Fragen, die nur eine große Detektivin beantworten kann!

DAS INTERVIEW

Die Idee ist toll, der Zeitpunkt perfekt: Nach 16 Jahren als Bundeskanzlerin zieht sich Angela Merkel in die Uckermark zurück. Wo sie, mehr oder weniger kompetent von ihrem Mann unterstützt, als Detektivin für Furore sorgt und mehrere Morde aufklärt. Wie lange spukt die Miss-Merkel-Idee schon in Ihrem Kopf herum?
Seit 2019. Da habe ich schon gedacht: Wahrscheinlich werden viele Menschen in eine Merkel-Nostalgie verfallen, wenn sie mal nicht mehr Kanzlerin ist. Damals war ja schon klar, wer alles als Merkel-Nachfolger in Frage kommen würde. Ob Laschet, Merz oder Röttgen: Praktisch alle, die Angela Merkel schätzen (das geht ja bis weit in politisch eher linke Bevölkerungskreise hinein!), können mit diesen tollpatschigen Männern wenig anfangen. Keiner von ihnen ist auch nur ansatzweise so bemerkenswert wie sie.

Wie leicht ist es Ihnen gefallen, über eine zentrale Person der Zeitgeschichte wie Angela Merkel eine Krimikomödie zu schreiben – eine Frau, die über eineinhalb Jahrzehnte in allen Nachrichten (und damit in unser aller Köpfe) präsent ist?
Es ist mir leicht gefallen, gerade weil es so unglaublichen Spaß gemacht hat, aus ihr eine moderne Miss Marple zu machen. Eine Detektivin, die es mit Hercule Poirot oder Sherlock Holmes aufnehmen kann. Für uns alle ist sie die Kanzlerin (und bald Ex-Kanzlerin), extrem präsent. Aber über die private Angela weiß man nicht viel, da gab es so viele schöne Leerstellen, die ich komödiantisch ausfüllen konnte.

Was hat beim Schreiben mehr Spaß gemacht: das Weiterspinnen der Krimigeschichte um einen bizarren Uckermärker Doppelmord – oder das Einschmuggeln all der politischen Anspielungen (von AfD-Bäuerin Angela 2 bis zum «exzentrischen US-Elektroautohersteller», bei dem man glatt an Elon Musk denken könnte)?
Hach, alles gleichermaßen. Aber ich habe noch nie einen Krimi geschrieben, und es hat mir eine unglaubliche Freude gemacht, diese Komödie nach all den Regeln zu schreiben, die große AutorInnen wie Agatha Christie oder Dorothy Sayers einst im Detection Club für das Detektiv-Genre aufgestellt haben. Der Roman funktioniert daher, trotz aller Komik, wie ein klassischer Krimi. Die Leserinnen und Leser können mitraten!

Hand aufs Herz: Haben Sie sich manchmal vorzustellen versucht, wie es wohl wäre, wenn irgendwann die Ex-Bundeskanzlerin ihrem Mann die Geschichte vom Detektivpaar «Angela» und «Achim» am heimischen Kamin vorliest?
Ob dieser Roman tatsächlich auf dem Radar der Kanzlerin aufkreuzen wird? Mal sehen – sie hat ja gerade sehr viel zu tun, und das wird sich so schnell auch nicht ändern. Aber ich habe mich schon dabei ertappt, herumzuphantasieren, was wohl passieren mag, wenn Bundestagsabgeordnete (egal welcher Partei) oder Journalist*innen im «politischen Berlin» auf den Roman stoßen und auf einmal die eine oder andere Geschichte aus «Miss Merkel» Fahrt aufnimmt ...

Hatten Sie bei der Namensgebung von Merkels Mops Putin das berühmte Bild vor Augen, als 2007 bei einem Besuch Merkels im Kreml Putins riesiger Hund Koney die Kanzlerin sichtlich einschüchterte?
Oh ja, definitiv! In meinem Roman schenkt Angelas Ehemann Achim ihr den Mops, um endlich ihre Angst vor Hunden zu überwinden, die Putin damals ja weidlich ausgenutzt hat.

Ein großer Artikel in der ZEIT trägt die Überschrift «Wir Merkelkinder». Würden Sie sich – nach 16 Jahren Kanzlerschaft der Uckermärkerin – auch als «Merkelkind» bezeichnen?
Ich bin ja schon älter und habe bereits Brandt, Schmidt, Kohl und Schröder als Kanzler erlebt. Aber mein ältester Sohn war neun und mein jüngerer fünf, als sie gewählt wurde. Die haben definitiv keine andere KanzlerIn erlebt.

Miss Marple, Hercule Poirot, Sherlock Holmes, Commissaire Maigret – und nun Miss Merkel. Diese wunderbar bodenständige Krimifigur wird hoffentlich kein Stand-alone im Werk des David Safier werden, oder? Es müssen ja nicht gleich 33 Romane wie bei Agatha Christies Hercule Poirot werden …
33 werden es wohl nicht. Aber ja, ich schreibe gerade mit unfassbarem Vergnügen an einem zweiten Teil von «Miss Merkel.» Der wird dann den Titel tragen: Mord auf dem Friedhof.

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David Safier

David Safier

David Safier, 1966 geboren, zählt zu den erfolgreichsten Autoren der letzten Jahre. Seine Romane, darunter "Mieses Karma", "Jesus liebt mich", "Happy Family" und "Muh!" erreichten Millionenauflagen. Auch im Ausland sind seine Bücher Bestseller. Als Drehbuchautor wurde David Safier unter anderem mit dem Grimme-Preis sowie dem International Emmy (dem amerikanischen Fernseh-Oscar) ausgezeichnet. David Safier lebt und arbeitet in Bremen, ist verheiratet, hat zwei Kinder und einen Hund.