William Faulkner

Schall und Wahn

«Es ist dasjenige meiner Bücher», schrieb der spätere Nobelpreisträger, «das ich am meisten liebe.» Bis heute gilt William Faulkners «Schall und Wahn» als einer der größten Romane der amerikanischen Moderne, vielleicht des modernen Erzählens überhaupt.
Faulkner schildert das Schicksal der Familie Compson über drei Jahrzehnte, beginnend mit dem kornblumenäugigen Benjy, Benjamin Compson, dem geistig behinderten Sohn des Hauses. Am 7. April 1928, Karsamstag, ist er 33 Jahre alt und beweint eine geknickte Narzisse wie den Jahre zurückliegenden Weggang seiner Schwester Caddy. Benjy kennt kein Gestern, Heute, Morgen, er ist, wenn man so will, auf ewig in der Gegenwart gefangen.
Für den ältesten der drei Brüder, Quentin, ist 1910 der letzte Tag in Harvard angebrochen. Er prüft sein geistiges Erbe, ordnet den spärlichen Nachlass und findet kaum Gründe, die ihn noch ans Leben binden. Und so fällt schließlich Jason, dem jüngsten der drei Compson-Söhne, die Rolle des Familienvorstands zu – eine Rolle, die er kaum ausfüllen kann.
Die Osterglocken läuten das Schlusskapitel ein. Dilsey, die schwarze Hausangestellte, ist, neben Benjy, die heimliche Heldin, der Wärmepunkt dieses Buchs. Vergeblich versucht sie die auseinanderdriftenden Charaktere zusammenzuhalten. Allein Caddys 16-jährige Tochter wird, so scheint es, dem untergehenden Hause Compson mehr oder minder ungebrochen entkommen.
In kraftvoller lyrischer Sprache entfaltet Faulkner ein breites Panorama des alten amerikanischen Südens: «Schall und Wahn» ist Abrechnung und Abgesang, ein ungeheuerlicher Familienroman voller Wut, Eigensinn und auch Humor – fulminant neu übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Frank Heibert.

Themen:   USA Süden; 1910 bis 1919 n. Chr.; 1920 bis 1929 n. Chr.; Klassische Belletristik; Generationenromane, Familiensagas; Belletristik in Übersetzung

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