Volker UllrichSebastian HaffnerAlan Posener, u.a.

Große Staatsmänner

Napoleon Bonaparte (1769-1821) zählt zu den faszinierendsten und zugleich irritierendsten Gestalten der Weltgeschichte. Sein kometenhafter Aufstieg aus dem Nichts zum Herrscher Frankreichs und zum Herrn über Europa, sein ebenso jäher Absturz und das leidvolle Ende auf der Felseninsel St. Helena haben seit je die Phantasie gereizt und die Historiker zu immer neuer Auseinandersetzung herausgefordert.
Otto von Bismarck (1815-1898) war ein Staatsmann, dessen politische Bedeutung seit jeher höchst kontrovers beurteilt wird. Die einen verehren ihn als «Reichsgründer» und begnadeten Diplomaten; die anderen verdammen ihn als reaktionären Junker und unbelehrbaren Sozialistenfeind. Seit der unverhofften Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten, die aus der Trümmermasse des von Bismarck geschaffenen Reiches hervorgegangen waren, wird über die historische Rolle des «Eisernen Kanzlers» neu nachgedacht. Die Zeit scheint reif für eine unvoreingenommene Bewertung Bismarcks – jenseits der gängigen Klischees, die sein Bild über Jahrzehnte hin verzerrt haben.
Sir Winston Churchill (1874–1965), Sohn einer alten englischen Adelsfamilie, britischer Premier und Nobelpreisträger für Literatur, hat schon viele Historiker beschäftigt. Und kein anderer war wohl so prädestiniert, sich mit Churchills Leben zu befassen, wie der deutsche Schriftsteller Sebastian Haffner, der von 1938 bis 1954 im politischen Exil in London lebte. Churchill, der sich bereits in den dreißiger Jahren zur stärksten politischen Persönlichkeit Englands entwickelte, wurde im Zweiten Weltkrieg eine Art lebendiges Symbol des nationalen Widerstands und einer der großen Heroen der Anti-Hitler-Koalition. Als der Krieg zu Ende war, konnte er sich innerhalb der Alliierten angesichts der Verständigung zwischen Stalin und Roosevelt gleichwohl nur in wenigen Punkten durchsetzen und trat nach der Wahlniederlage der Konservativen in England noch während der Potsdamer Konferenz im Juli 1945 zurück. Seit 1946 gab er dank seines internationalen Ansehens wichtige Impulse zur Schaffung des Nordatlantik-Paktes und zur wirtschaftlichen und politischen Einigung Europas. Doch Haffner porträtiert nicht nur den Staatsmann Churchill, sondern auch den Krieger, Poeten und Abenteurer. Wir sehen einen Menschen in all seinen Facetten und einen Politiker, der zu den prägenden Gestalten des zwanzigsten Jahrhunderts zählt.
Er war der Hoffnungsträger einer ganzen Generation, und bis heute ist er für viele Menschen, gerade in Deutschland, eine Kultfigur geblieben: John Fitzgerald Kennedy (geboren 1917), 35. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. In seine nur 1036 Tage währende Amtszeit fielen dramatische Ereignisse wie die Kuba-Krise, der Bau der Berliner Mauer und das aktive Eingreifen der USA in den Vietnam-Krieg. Er war ein Frauenheld mit unzähligen Affären – dabei ein Mann, der schon seit seiner Jugend an schweren Krankheiten litt. Woher rührt der Mythos? In welchem Licht erscheint der jugendlich-strahlende Held «JFK» heute, ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod?Alan Posener porträtiert Kennedy in seiner ganzen Widersprüchlichkeit: den Mann aus einer irisch-katholischen Einwandererfamilie, die einer ganz besonderen Mission folgt; den Weltkriegsveteranen; den Friedensverkünder und Reformer; den Krisenstrategen; den Ehemann, Familienvater und Liebhaber. Die Ermordung Kennedys am 22. November 1963 erschien vielen Zeitgenossen wie ein Anschlag auf die Zukunft selbst. Im kollektiven Gedächtnis Amerikas markiert das Datum einen Scheidepunkt – als das schlimmste Ereignis zwischen dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor 1941 und dem Terroranschlag des 11. September 2001.
Willy Brandt (1913-1992) hat entscheidend mitgewirkt an der Aussöhnung von Ost und West nach dem Kalten Krieg. Und wie wenigen Politikern gelang es ihm, auch die Herzen der Menschen zu erobern – sie nannten ihn liebevoll «Willy». Als Regierender Bürgermeister von Berlin und als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland hat er Geschichte geschrieben. Unbestritten ist er einer der bedeutendsten Staatsmänner des 20. Jahrhunderts.
Nelson Mandela (1918-2013) ist weltweit zum Symbol geworden für unbeugsamen Widerstand gegen Rassismus und Willkürherrschaft, aber auch für Versöhnungsbereitschaft gegenüber dem Feind von einst. Seine Lebensgeschichte liest sich wie eine Legende und ist doch ein Tatsachenbericht: vom Hirtenjungen in der Transkei zum Anwalt in der Goldstadt Johannesburg, vom «Angeklagten Nummer eins» im Rivonia-Prozess zum lebenslänglich Inhaftierten auf Robben Island, vom berühmtesten Gefangenen der Welt zum ersten schwarzen Staatspräsidenten Südafrikas. Diese kurze Biographie schildert die Lebensgeschichte Mandelas und beschreibt zugleich die politische Geschichte Südafrikas.

Themen:   Frankreich; England; Deutschland; Südliches Afrika; Vereinigte Staaten von Amerika, USA; zweite Hälfte 18. Jahrhundert (1750 bis 1799 n. Chr.); 19. Jahrhundert (1800 bis 1899 n. Chr.); 20. Jahrhundert (1900 bis 1999 n. Chr.); Deutschland: Kalter Krieg (1945 bis 1990 n. Chr.); USA, Bürgerrechtsbewegung; USA, Vietnamkrieg; 2000 bis 2009 n. Chr.; Biografien: historisch, politisch, militärisch; Biografien: Literatur; Memoiren, Berichte/Erinnerungen; Demokratische Ideologien: Sozialismus, Mitte-links; Kalter Krieg

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