27.03.2018   von rowohlt

John Updike: Hasenherz

Für Katrin Seddig zählt Harry Angstrom, der Protagonist von John Updikes «Rabbit»-Reihe, zu den geglücktesten Figuren der Literatur.

© privat
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Seit vielen Jahren sage ich, nach meinem Lieblingsbuch befragt, das sei «Hasenherz» von John Updike. Das stimmt wahrscheinlich, weil ich es immer noch sage. Ich habe eine rororo-Taschenbuchausgabe von 1991, außen leuchtend gelb, innen, die Seiten bräunlich, die Schrift ist klein und der Zeilenabstand eng, in der Mitte gibt es Werbung für Pfandbriefe und Kommunalobligationen. Ich halte John Updike für einen der größten Schriftsteller der Gegenwart, und seine «Rabbit»-Bücher sind vielleicht für seine besten.


«Hasenherz» ist der erste Band der Reihe und mein erster Updike. Mittlerweile habe ich alle. Harry Angstrom ist eine herzzerreißende Figur, ein Verlierer, einer, der alles falsch macht, mit dem man aber trotzdem mitleidet, mitfühlt, dem man verzeiht. John Updike erzählt so genau, er geht so nah an die Figuren heran, an ihre Körper, ihre Gier, ihre Traurigkeit, ihre Zerbrechlichkeit, er ist ein Menschenversteher und ein großer Erzähler, ein Humanist. Ich wünschte, ich könnte so schreiben wie er.

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