26.03.2018   von rowohlt

Hans Fallada: Kleiner Mann - was nun?

Als eigenwillige Kommissarin Bella Block wurde Hannelore Hoger populär. Eine ihrer größten Leidenschaften: das Lesen.

© Carmen Lechtenbrink
© Carmen Lechtenbrink



Bücher sind Freunde. Für mich sind sie ein Grundnahrungsmittel. Sie spenden Trost oder auch Erkenntnis. Seit ich lesen kann, lese ich – querbeet, alles, was der schöne Garten zu bieten hat.
Ein Rowohlt-Buch, das mich besonders beeindruckt hat, ist Hans Falladas Roman «Kleiner Mann – was nun?», die Liebesgeschichte des Arbeitermädchens Lämmchen und ihres Freunds Pinneberg im Berlin der frühen dreißiger Jahre. Peter Zadek hat 1972 die Bühnenfassung von Tankred Dorst im Schauspielhaus Bochum inszeniert – als Revue mit Musik und Tanz und Beine schwingenden Girls. Ich spielte Lämmchen, Heinrich Giskes war mein Partner.


Es war ein Versuch, der flirrenden Zeit zwischen den Weltkriegen, mit Inflation und Arbeitslosigkeit und dem aufkommenden Nationalsozialismus, Ausdruck zu geben, im Kontrast zum einfachen Leben eines jungen Paares und zum Wunsch nach einem kleinen Glück. Die Art der Inszenierung war neu damals, und sie machte Schule.


Ich hatte eine schöne Szene: Lämmchen, hochschwanger, zwängt sich durch die Zuschauerreihen und singt dabei ein Liedchen. Plötzlich stolpert sie über einen Treppenabsatz, fällt – und ein Aufschrei geht durchs Publikum. Zuschauer springen auf, wollen der Schauspielerin helfen, bis der Trick sich als Absicht entlarvt. Aufatmendes Lachen. Es funktionierte bei jeder Vorstellung!


Hans Fallada war ein großartiger Menschenschilderer. Auch in der Verfilmung seines Romans «Bauern, Bonzen und Bomben» habe ich mitgespielt, unter der Regie von Egon Monk und mit Ernst Jacobi als Partner. Aber das ist eine andere Geschichte ...

Top