John Bingham

Wo sind die Beweise, Sir?

Als die alte Mrs. Dawson in den Ruinen Pompejis ermordet aufgefunden worden war, interessierte mich der Fall – ich bin Schriftsteller und Journalist. Die italienische Polizei leitete die üblichen Routinemaßnahmen ein; sie führten zu keinem Ergebnis. Und der Manager des Hotels, in dem die Tote gewohnt hatte, gab mir den guten Rat, die Sache auf sich beruhen zu lassen.
In England fand ich ... Nein, keine Spur. Ich fand drei ältere Damen, die Lucy Dawson gekannt hatten und mir magere Auskünfte über die Tote gaben. Und den guten Rat, die Sache auf sich beruhen zu lassen.
Dann erhielt ich einen Brief. Einen anonymen Brief mit dem guten Rat, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Das heißt, es war eigentlich kein guter Rat – es war eine Drohung. Und dieser Brief war mit meiner eigenen Schreibmaschine getippt. Auf meinem Briefpapier.
Dann klingelte das Telefon, und eine Stimme gab mir den guten Rat ... Weitere Briefe. Ein falscher Polizeibeamter besuchte mich. Ein Überfall auf nächtlicher Straße, der im letzten Moment nicht stattfand. Ein Einbruch in meiner Wohnung, den ich nicht nachweisen konnte. Und zuletzt drohten sie, meiner Verlobten Säure ins Gesicht zu schütten.
Warum ich nicht zur Polizei ging? Oh, ich ging zur Polizei. Die Beamten waren sehr höflich, aber sie wollten Beweise sehen – und Drohbriefe, die mit der eigenen Maschine auf dem eigenen Papier getippt worden sind, wirken nicht sehr überzeugend. Besonders dann nicht, wenn die Polizei weiß, daß man gerade erst eine schwere Gehirnerschütterung erlitten hat.

Themen:   England; Kampanien, Campania; 1960 bis 1969 n. Chr.; Klassische Kriminalromane und Mystery; Klassische Belletristik; Kriminalromane und Mystery: Hard Boiled, Roman noir; Belletristik in Übersetzung

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