Theaterverlag



Nachdem Ernst Rowohlt bereits 1918 begann, sich als Bühnenverleger zu betätigen (u. a. mit dem Drama Der Sohn seines Freundes Walter Hasenclever), wird der Rowohlt Theater Verlag in seiner jetzigen Form 1957 begründet und kontinuierlich ausgebaut. Zu den Stücken der ersten Stunde gehört Draußen vor der Tür von Wolfgang Borchert, heute längst ein moderner Klassiker mit weltweit über dreihundert Inszenierungen und einer Buchauflage von knapp drei Millionen Exemplaren.

Geprägt sind die 1960er und 1970er Jahre auf der Bühne einerseits von der Auseinandersetzung mit der jüngsten deutschen Geschichte und andererseits dem starken Interesse an zeitgenössischen Stücken aus dem Ausland. Rowohlt veröffentlicht das dramatische Gesamtwerk von Albert Camus und Jean-Paul Sartre in deutscher Übersetzung, ebenso die Dramen Yukio Mishimas. Fast vergessene Stücke von Robert Musil, Paul Kornfeld, E. E. Cummings, Ezra Pound oder Robinson Jeffers erleben ihre Wiederentdeckung. 1963 wird Rolf Hochhuths christliches Trauerspiel Der Stellvertreter uraufgeführt und provoziert eine anhaltende Diskussion über die Rolle der katholischen Kirche im „Dritten Reich“. 1964 zeigt das Berliner Schillertheater mit Das Gartenfest erstmals auf Deutsch ein Stück des tschechischen Dramatikers Václav Havel – ein weiterer Autor, der die politischen Debatten der nächsten zwei Jahrzehnte mitprägt.

Von Anfang an hat die britische Gegenwartsdramatik einen zentralen Platz im Rowohlt-Programm. 1958 erwirbt der Verlag die Rechte an Harold Pinters erstem abendfüllenden Stück Die Geburtstagsfeier, 1960 setzt sich der Autor mit Der Hausmeister endgültig auf den deutschsprachigen Bühnen durch. 1967 beginnt bei Rowohlt auch in Deutschland die Erfolgsgeschichte von Alan Ayckbourn, dessen Stücke in über 40 Jahren hier zu Lande weit mehr als 500 Inszenierungen erleben. Bis heute vertritt der Rowohlt Theater Verlag einen Großteil der wichtigsten britischen Dramatiker, die meisten davon mit ihrem Gesamtwerk: Neben Pinter und Ayckbourn reicht das Spektrum von Joe Orton über David Hare bis zu Sarah Kane, Mark Ravenhill, Martin Crimp, Simon Stephens und Dennis Kelly. Hinzu kommen mit Wallace Shawn und Neil LaBute zwei der schillerndsten US-Dramatiker, außerdem die beiden meistgespielten skandinavischen Gegenwartsdramatiker: der Schwede Lars Norén und der Norweger Jon Fosse; darüber hinaus vertritt der Rowohlt Theater Verlag die deutschsprachigen Bühnenrechte fast aller Filme des Dänen Lars von Trier.

Seit Beginn der 1990er Jahre erweitert sich der Rowohlt Theater Verlag ganz besonders um eine Vielzahl deutschsprachiger Dramatikerinnen und Dramatiker, darunter Heinar Kipphardt, Elfriede Jelinek, Botho Strauß, Sibylle Berg, Klaus Pohl, Theresia Walser, Jürg Laederach, Juli Zeh, Ulrike Syha, René Pollesch, Moritz Rinke, John von Düffel, Händl Klaus, David Gieselmann, Tim Staffel, Thomas Freyer, Oliver Kluck und Philipp Löhle. Diese und viele weitere wichtige Autorinnen und Autoren werden von Rowohlt weltweit vertreten; ihre Stücke werden mittlerweile auch im Ausland vielfach aufgeführt und liegen in zahlreichen Übersetzungen vor.

Seit Beginn des neuen Jahrtausends wird auch das Programm für Kinder- und Jugendtheater erheblich ausgeweitet. Hier finden sich Stücke bereits etablierter Autoren wie Mark Ravenhill, Jon Fosse, Dennis Kelly, Simon Stephens oder Lars Norén oder David Woods Dramatisierungen von Roald Dahls Kinderbuchklassikern ebenso wie Texte jüngerer Dramatikerinnen und Dramatiker, die neue Schwerpunkte setzen, darunter Tina Müller (ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendtheaterpreis 2008) und Holger Schober.

Gleichzeitig vertritt der Rowohlt Theater Verlag nicht nur die Theaterrechte an Raoul Schrotts Neudichtungen antiker Stoffe (u.a. Homers Ilias), sondern auch die viel gespielten Klassikerübersetzungen so renommierter Übersetzerinnen und Übersetzer wie Elisabeth Plessen (William Shakespeare), Ulrike Zemme (u.a. Anton Tschechow und Maxim Gorki ), Angelika Gundlach (August Strindberg) und Hinrich Schmidt-Henkel (Henrik Ibsen).

Mehrmals wurde in den letzten Jahren ein vom Rowohlt Theater Verlag vertretener Dramatiker in der Kritikerumfrage der Zeitschrift Theater heute zum „Besten deutschsprachigen Autor des Jahres“ gewählt: Moritz Rinke (2001), René Pollesch (2002), Klaus Händl (2006) und Elfriede Jelinek (insgesamt sechs Mal, zuletzt 2007, 2009 und 2011); gleiches gilt für die Kategorie „Bester ausländischer Autor des Jahres“ mit Mark Ravenhill (1998), Sarah Kane (1999 und 2000), Neil LaBute (2001 und 2006), Jon Fosse (2002), Simon Stephens (2006, 2007, 2008 und 2011) und Dennis Kelly (2009).

Auch den Mülheimer Dramatikerpreis erhielten mehrfach Autorinnen und Autoren, deren Stücke der Rowohlt Theater Verlag vertritt, zuletzt René Pollesch (2001 und 2006) und Elfriede Jelinek (2002, 2004, 2009 und 2011).

Gleich vier Rowohlt-Autorinnen und -Autoren wurden mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet: Albert Camus (1957), Jean-Paul Sartre (1964 – vom Autor abgelehnt), Elfriede Jelinek (2004) und Harold Pinter (2005).

Seit einiger Zeit vertritt der Rowohlt Theater Verlag auch die Theaterrechte anderer Buchverlage, darunter Kiepenheuer & Witsch und den Carlsen Verlag.

Viele der hier genannten Autoren finden sich mit ihren Stücken und Prosawerken auch in den Programmen der Rowohlt Buchverlage wieder.


Leitung: Nils Tabert

rowohlt theater verlag
Hamburger Str. 17
21465 Reinbek


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