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«Irgendwie ist er an mir vorbei gerauscht, dieser bürgerliche Lebensbauplan, der für einen vorsieht, mit Mitte 20 zu heiraten und kurze Zeit später Kinder zu bekommen und ein Haus zu erreichten, das Ganze selbstverständlich gestützt von einer festen Anstellung mit vernünftigem Einkommen. Stattdessen habe ich in den letzten 20 Jahren die Unrast und latente Verwirrtheit der Jugend zur Tugend gemacht und finde es vollkommen in Ordnung, kaum Sicherheiten und feste Größen in meinem Leben zu haben und nicht zu wissen, was übermorgen sein wird. Egal, solange es zumindest morgen so lustig ist wie gestern.»
Markus Kavka ist vor wenigen Wochen 41 geworden. Kein Wunder, dass der Berliner Journalist, der seit 2000 die MTV News und Events wie die MTV Europe Music Awards moderiert und produziert, «zunehmend als Fachmann in Altersfragen konsultiert» wird. Berufsjugendlicher oder der einzige Erwachsene in der Welt der ewigen Jugend von MTV – das ist hier die Frage. Was es hier und heute) heißt, erwachsen zu werden
«Mutiere ich irgendwann zu einem chronisch jung gebliebenen, operierten und Viagra fressenden Zombie, quasi einem Bastard aus Thomas Gottschalk, Mickey Rourke und Ozzy Osbourne, einem Dorian Grey 2.0? (…) Womöglich wanke ich eines Tages um 8 Uhr morgens aus der Disco direkt zur Prostatauntersuchung. Aber noch schlucke ich eher Aspirin gegen Kater als Granufink gegen Blasenschwäche» – einerseits. Andererseits: «Sollte ich in 25 Jahren immer noch bei MTV moderieren, dürft ihr meinem Zivi gern sagen, dass er mich rausschieben soll. Aber keine Angst, das wird nicht passieren, ich werde schon noch erwachsen.»
Soziologische Termini wie «middle youth» oder «kidult» haben mit der eigenen Befindlichkeit nicht das Geringste zu tun, zumindest wenn man so lebt und so aussieht wie Markus Kavka. Und doch hat sich eine Sache spürbar verändert: Früher – das war die Zeit, als man noch einfach abhauen konnte. Aus einer Beziehung, einem Job, einer Stadt, einer Identität, so festgewachsen sie sich auch anfühlen mochte. Das fällt einem mit steigendem Alter nicht mehr so leicht.
Neben dem amüsiert-melancholischen Pingpong mit dem oft beschworenen Topos der verrinnenden Zeit streut der MTV-Frontmann jede Menge schräger Bonustracks ein, die allein schon das Geld für Hamma wieder was gelernt wert sind. Über Fitnessstudios («Jetzt muss ich da hin – sonst bin ich mit 60 tot oder sehe aus wie Reiner Calmund. Mein größtes Problem ist, dass ich keine Orte außerhalb meiner vier Wände mag, an denen man sich nackig machen muss»). Über den ersten Sex («Sie hieß Dagmar …»). Über den traurigsten Mixtape der Welt («Kassetten sind unpraktisch. Aber kein Liebesbrief sagt mehr aus als eine mühsam komponierte Kassette mit handgemaltem Cover») ... bis zum Kauf der ersten Anti-Falten-Creme am Tag nach seinem 40. Geburtstag. (Die Begründung ist einfach sensationell: «Das Design hat mich angesprochen, und 12 Euro sind nix.» Bei geilem Design sind 12 Euro überhaupt nix!
Zu den Höhepunkten dieser Edition Kavka zählt das «Brudertreffen» zwischen dem 17-jährigen und dem 41-jährigen Markus. Sie parlieren über Melkfett im Haar und Depeche Mode, über Eurodance und iPods. Und am Ende fragt MK17 MK41 nach einem letzten Tipp“ bezüglich Erwachsen- und Älterwerden. Den kriegt er auch. Er lautet: «Sei kein Arschloch. Soll heißen: Sei gut zu deinen Mitmenschen, ich will später keine Klagen hören. Und mach dein Ding.»