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Am 18. November 2006 wird Klaus Manns 100. Geburtstag begangen. Wofür stehen Leben und Werk des ältesten Sohns von Katia und Thomas Mann heute?
Auf die Gefahr hin, dass es altmodisch klingt: Er war als Mensch ein Vorbild. So wahrhaftig und integer wie nur wenige andere, die im Licht der Öffentlichkeit stehen. Und er war ein großer Vermittler – zwischen den Kulturen, zwischen politischen Streithähnen, zwischen einzelnen Personen. Von seiner Haltung in vielen Fragen kann man auch heute noch lernen.

Täuscht der Eindruck, dass nur die besondere Dramatik seines Lebens – als Enfant terrible der «amazing family», Bohemien, bekennender Schwuler, kämpferischer Exilant, Morphinist – Klaus Mann vor dem Vergessen schützt, nicht aber sein literarisches und essayistisches Werk?
In gewisser Hinsicht kann man sagen: Sein Leben war sein Werk! Und genau dieses
Leben fasziniert vor allem junge Menschen. Seine Schriften sind dabei von recht unterschiedlicher Qualität, teilweise mit viel Pathos und Gefühlsüberschwang, was heutige Leser nicht mehr unbedingt goutieren. Aber als Essayist und Briefeschreiber, auch als Tagebuchautor, ist er großartig; und seine Autobiographie Der Wendepunkt ist ein Buch von bleibender Bedeutung.

Besaß Erika eine andere Härte als ihr Bruder, mit dem sie jahrzehntelang eine fast zwillingshafte Doppelexistenz verband?
Erika war die Entschlussfreudigere, zupackend und selbstbewusst. Klaus schreibt in seiner ersten Autobiographie: «Erika war die rüstigste von uns. Sie konnte wie zwei Buben turnen und raufen, und sah aus wie ein magerer, dunkel hübscher Zigeunerjunge, dessen braune Stirn sich manchmal trotzig verfinstert.» Klaus dagegen ist schon auf den frühen Familienfotos als ein träumerischer, zarter, feinsinniger Knabe zu sehen. Dieser Unterschied blieb zeitlebens bestehen.