15.11.2016   von rowohlt

So sind wir – wir Deutsche!

Von wegen «postfaktische Gesellschaft» – Christian Heynen präsentiert die ganze Wahrheit über die Deutschen

© FinePic, München
© FinePic, München

Der Durchschnittsdeutsche verbringt 24 Jahre seines Lebens mit Schlafen, sieben mit Arbeit und fünf Jahre mit Fernsehen. Seine Lieblingsfarbe ist Blau, er blickt 135-mal am Tag aufs Handy und raucht 986 Zigaretten (im Jahr, nicht am Tag). Und ob Sie's glauben oder nicht: Jeder Dritte von uns bügelt seine Unterwäsche! Der Journalist, Autor und Dokumentarfilmer Christian Heynen sammelt die kuriosesten, lustigsten und seltsamsten Fakten über die Deutschen: wie sie lieben, was sie essen, welche Ängste und Hoffnungen sie haben, wie sie über Autos, Politik und Sport denken. 


Fakten, Fakten, Fakten! Auf den Großdemagogen Donald Trump bezogen mag der Befund, in einer «postfaktischen Gesellschaft» zu leben, ja zutreffen. Aber in diesem Buch geht es um Fakten aus und zu allen Lebensbereichen. Zu was es nicht alles Statistiken, Erhebungen, Hochrechnungen gibt! (Natürlich glauben wir im Endeffekt nur den Statistiken, die wir selber gefälscht haben – trotzdem: interessant!) Das alles komponiert Christian Heynen zu einem deutschen Panorama, dessen Ergebnisse mal informativ, mal irritierend/verblüffend und oft geradezu unglaublich sind. Das also sind wir, «die Deutschen»? Schau mal einer an!


Wir schütteln aus diesem ebenso coolen wie unterhaltsamen Büchlein hier mal einen ersten Schwung von Fakten raus (es gibt Hunderte …):

Per Statistik durch die Abgründe des «deutschen Wesens»


«Auch du bist eine bzw. einer von 81197537 Deutschen.» Was heißt hier: na und? Zweierlei gibt aber zu denken: «Pro Tag werden 1958 Deutsche geboren – und 2379 von uns sterben.» Jeder geschlagene Tag bringt uns also einen Bevölkerungsschwund von 421 Personen. Das sind in der Woche … im Monat … im Jahr … (Brauchen wir da nicht verdammt viel Zuwanderung, um bei plusminus Null zu bleiben?) 


«13890 Deutsche sind über 100 Jahre alt – 12172 davon sind Frauen.» Ist das ein Triumph des Feminismus? Ganz andere Zahl: «80000 Männer in Deutschland sind unter 1,50 Meter groß – 70000 Frauen erreichen hingegen ein Gardemaß von über 1,90 Meter.» (Interessant wäre übrigens, aber das nur am Rande, wie viele unter den 12172 Frauen, die über hundert sind, die 1,90er Hürde genommen haben.)


Wir wollen Sie nur am Rande mit der Anzahl der hierzulande gesprochenen Dialekte (92), dem größten Baumarkt Europas (in Frechen bei Köln: 30000 qm, 120000 Produkte)) oder dem statistischen Mittelwert des deutschen Penis/Penisses (?) langweilen (14,61 cm). Viel aufregender erscheint uns die Tatsache, dass die meisten Europäer Beethovens 9. Symphonie für das schönste deutsche Musikstück halten … «nur die Türken sind der Meinung, Rammstein sei noch besser». Wenn das mal keine Überraschung ist!

Irgendwie typisch deutsch ...


Nicht Currywurst & Pommes stehen an der Spitze des deutschen Fastfood-Rankings, sondern der Döner! Gut 400 Millionen-mal geht die türkische Drehfleisch-Spezialität über die Theke und in unsere Bäuche. Jetzt täte uns zur Abwechslung mal eine kleine Zahl gut, hier ist sie: Wer weiß, wie viel im Schnitt eine Ecstasy-Pille kostet? 6,60 Euro. Aha! Nächste Zahl, hat aber nix mit Ecstasy zu tun (obwohl, wer weiß?): Schon mal Gedanken darüber gemacht, weshalb die (häufig & leidenschaftlich & oft zu recht beschimpfte) Deutsche Bahn so viel Verspätung hat? Rund 9000 DB-Züge haben aufgrund von Metalldiebstählen (Schienen, Kabel etc.) insgesamt 146000 Minuten Verspätung. Das erklärt ja wohl einiges!


Kein Wunder, dass außer Kindern niemand gern älter wird! «Die Wahrscheinlichkeit, an seinem Geburtstag zu sterben, ist 14 % höher als an allen anderen Tagen.» Jetzt mal ein Faktum, das allein deswegen bekanntgemacht gehört, weil hier mit dem hinreißenden Wort «Rückholbändchen» operiert wird: «Mit den Rückholbändchen aller in einem Jahr in Deutschland produzierten o.b.-Tampons könnte man 20-mal die Erde umwickeln.» Darauf trinken wir am besten direkt mal ein kühles Guinness. Den Iren verdanken wir übrigens auch eine pittoreske Zahl: «Nach Schätzungen der Guinness-Brauerei in Irland bleiben jährlich rund 93000 Liter Bier in den Bärten britischer Biertrinker hängen …» Ob dieser üblen Verschwendung mit dem Brexit jetzt ein Riegel vorgeschoben wird?


Zahlen sind schön! Umweltschutz ist wichtig; das meinen 95 % der Deutschen – während 31 % die Sorge um die Umwelt für übertrieben halten. (Solche Zahlen kommen heraus, wenn man 121 % der Deutschen befragt.) Die Nigerianer haben übrigens mit 24 Minuten am längsten Sex; wir liegen mit 17,6 Minuten im sicheren Mittelfeld. (Man kann nicht überall Weltmeister sein.) 11 % der Singlefrauen sind heimlich in ihren besten Freund verliebt, aber fast ein Viertel aller Ehen wird im Monat Mai geschlossen. (Was das miteinander zu tun hat? Das weiß ich leider auch nicht, von Korrelationen versteh ich nix.)


Und jetzt zum Schluss: einmal Schmuddelecke, einmal seriöses Infotainment. «Was ist wichtiger als Online-Pornos? Während des Champions-League-Finales 2013 zwischen Bayern München und Borussia Dortmund brachen die Zugriffszahlen um 40 % ein.» – «Der 2015 am häufigsten gegoogelte Begriff: Sonnenfinsternis. Die 2015 am häufigsten gegoogelte Person national: Helene Fischer. Und die 2015 am häufigsten gegoogelte Frage, die mit ‹Was …?› beginnt: ‹Was koche ich heute?›»


Und damit für heute zurück in die Statistikbüros dieser Republik. Guten Tag!


 

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