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Wolf Schneider: Speak German!

© Privat (Autorenfoto)

Wolf Schneider, als «Lehrmeister der guten Sprache» (FAZ) und «Seniorchef der deutschen Sprachkultur» (Der Spiegel) gerühmt, hat nicht nur Generationen angehender Journalisten im Umgang mit ihrem vornehmsten Arbeitsmittel geschult: einem «anschaulichen, saftigen, eleganten Deutsch». In Speak German! wirft er sich mit heiligem Zorn auf die mächtige Allianz der Sprachverhunzer, insbesondere jene Spezies, die uns noch die überflüssigsten, dämlichsten Anglizismen als der Moderne letzten Schrei andrehen möchten.

Bevor SAT.1 es allen zeigte, ging der Sender viele Jahre mit dem Werbespruch «Powered by Emotion» hausieren. 67 Prozent der Deutschen unter 50 missverstanden den Slogan aufs Groteskeste («Kraft durch Freude» z.B.). Von allen guten Geistern verlassen waren auch die Marketingleute der Drogeriekette Douglas, als sie sich für den Spruch «Come in and find out» entschieden. «Doch unverdrossen und unbelehrbar dichten sie weiter, die Schaukelburschen der Werbeindustrie …» Es wird weiter committed, outgesourced und downgesized, dass es ein Graus ist. Anglomanie ist eine ansteckende Krankheit. Gegen sie helfen weder Vitamine noch Antibiotika, sondern nur die Mobilisierung von Verstand und (Sprach-)Gefühl.

Gute Anglizismen, törichte Anglizismen

«Wie wäre es, wenn wir uns aufrafften abzuwägen, zu unterscheiden zwischen schönen, praktischen Importen, vor allem den knackigen Einsilbern wie Job, Start, Team, Sex – und solchen, die ein pseudo-kosmopolitisches Imponiergefasel sind?»

Englisch ist eine schöne und leicht zu erlernende Sprache. In keiner anderen Weltsprache wird so wenig konjugiert und dekliniert, gibt es so viele kraftvolle, kurze Wörter, bei denen sich der Rest der Welt zu Recht kräftig bedient.

Das heißt aber nicht, dass wir deshalb unsere Muttersprache gleich wegwerfen sollten. «Deutsch ist eine der tiefsten, ausdrucksstärksten Sprachen auf Erden. Deutsch ist die Sprache des Protestantismus, des Marxismus und der Psychoanalyse.» Einzigartig auch das Arsenal an Komposita: Katzenjammer, Weltschmerz, Schadenfreude, Fingerspitzengefühl, Götterdämmerung. Viele von ihnen – siehe the schweinehund, the heldentenor, the zeitgeist oder the überlebenskampf – bereichern längst andere Kultursprachen.

Seit der Duden in Grammatik und Stilistik sich jeder Normierung verweigert, indem er Sprache abbildet und nicht mehr vorschreibt, ist eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt, wie Die Zeit pointiert festhält: «Wenn etwas nur lange genug unkorrekt gebraucht wird, ist unsere große Hure Duden zur Stelle und kassiert es als korrekt.»

Speak German! Nothing beats it …

Wolf Schneider und seine Mitstreiter der Aktion «Lebendiges Deutsch» arbeiten mit bemerkenswerter Zähigkeit am Ersatz bestimmter Anglizismen durch deutsche Wörter und Wendungen. Was immer im einzelnen von den Vorschlägen zu halten ist, manches wäre schlicht und ergreifend gut für die politische Hygiene in unserem Land. Aktionärsnutzen statt Shareholder-Value: da wüsste man zumindest sofort, in wessen Taschen die Kohle fließt. Wie schrieb der argentinische Dichter Jorge Luis Borges in seiner Ode an die deutsche Sprache: «Die spanische Sprache war mein Schicksal. / Dich aber, süße Sprache Deutschlands, / Dich habe ich erwählt und gesucht.»

Wie gesagt: Speak German! Nothing beats it …