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Will Adams: Die Jagd am Nil

© Corbis

415 v. Chr.: Eine religiöse Gemeinschaft, erbarmungslos verfolgt von ihren Feinden, bleibt keine andere Wahl als zu fliehen, um dem sicheren Untergang zu entgehen. Zu allerletzt wird der Zugang zu einem geheimen unterirdischen Komplex verbarrikadiert … Erst Jahrhunderte später wird ihre dramatische Geschichte nach einem archäologischen Zufallsfund ans Licht kommen. Will Adams' historischer Thriller Die Jagd am Nil ist nicht nur spannend und raffiniert konstruiert. Er überrascht auch mit einer verblüffenden Pointe, die unser Wissen über die biblischen Erzählungen und die ägyptische Hochkultur bereichert. Ein historischer Schmöker im besten Sinne!

Der Archäologe Daniel Knox, Adams-Lesern bereits aus seinem Bestseller Das Gottesgrab bekannt, entdeckt auf einem Basar in der Bab-Sedra-Straße von Alexandria eine Tonschale. Sie kommt ihm vage bekannt vor, aber er vermag weder Herkunft noch Ausgrabungsort des archäologischen Artefakts zu identifizieren. Dank seinem Freund Omar Tawfiq, Interimsleiter der staatlichen Antiquitätenbehörde in Alexandria, stellt sich heraus, dass die vermeintliche Schale der Deckel eines Lagergefäßes ist, in dem die berühmten Qumran-Schriftrollen vom Toten Meer mit Teilen der biblischen Schriften des Alten Testaments und unbekannten Apokryphen gefunden wurden.

Ein Spiel auf Leben und Tod

Knox ahnt, dass er auf eine Spur von ungeheurer Brisanz gestoßen ist. Das Fundstück soll von einer Ausgrabungsstätte am Mariutsee stammen, wo früher Angehörige der Essener-Gemeinde, einer religiösen Gruppierung innerhalb des antiken Judentums, siedelten. Bei ihren Nachforschungen am Mariutsee stoßen Knox und Tawfiq auf Granit. Reverend Ernest Peterson, ein religiöser Fanatiker, und der ihm ergebene Chef-Archäologe Mortimer Griffin versuchen ihnen weiszumachen, bei dem Gelände handele es sich lediglich um eine Ausgrabungsstätet zu Übungszwecken für den wissenschaftlichen Nachwuchs, um eine Art archäologischen Abenteuerspielplatz für Studenten. Tatsächlich aber befindet sich dort eine geheime unterirdische Kammer mit Wand- und Deckengemälden vermutlich christlichen Ursprungs.

Als Daniel Knox im Schutze der Dunkelheit das Innere der Kammer mit seinem Fotohandy dokumentieren will, wird er von Reverend Peterson entdeckt. In letzter Sekunde kann er zum Jeep fliehen, in dem Omar wartet. Was dann passiert, entwickelt sich zum Albtraum. Bei der wilden Verfolgungsjagd stirbt Omar; Knox wird verletzt und schwer bewacht in ein Krankenhaus eingeliefert: Der ermittelnde Detective Inspector Faaroq will ihm die Schuld an Tawfiqs Tod in die Schuhe schieben. Flucht ist seine einzige Chance, so viel ist Knox klar …

Geschickt verknüpft Will Adams diese dramatische Episode mit einem weiteren Erzählstrang: In der Wüste in der Nähe von Amarna wurde die Leiche eines Mädchens gefunden, einer koptischen Christin. Sie ist die dritte Tote innerhalb eines kurzen Zeitraums, die auf rätselhafte Weise ums Leben kam. Dass Captain Khaled Osman bei den Verbrechen seine Finger im Spiel hat, ist klar – aber wo ist die Verbindung zu den Schriftrollen vom Toten Meer? Und am Ende ist die Frage aller Fragen zu klären: Wessen sterbliche Überreste liegen eigentlich in den beiden goldenen Sarkophagen in der geheimen Grabkammer?

Hat die Bibel doch unrecht?

Der von Knox’ Freundin Gaille Bonnard durch Oberägypten begleitete Historiker und Filmemacher Charles Stafford favorisiert die waghalsige These, dass «Echnaton Moses war, der Mann, der die Juden aus Ägypten und ins Gelobte Land führte»? Wäre es nicht auch möglich, dass Echnaton und Nofretete die biblischen Stammeltern Adam und Eva sind? Was wissenschaftlich plausibel und was raffinierte literarische Spekulation ist, bleibt am Ende uns Lesern überlassen …