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Wigald Boning: Die Geschichte der Fußleiste und ihre Bedeutung für das Abendland

© Wigald Boning

Wigald Boning lädt ein zum Gipfelsturm (gelegentliche Irrwege nicht auszuschließen). Sein neues Buch Die Geschichte der Fußleiste und ihre Bedeutung für das Abendland widmet sich Themen, die in der Kulturgeschichte des Abendlandes von der Wissenschaft sträflich vernachlässigt wurden: So wird die Kuckucksuhr im Wandel der Zeiten ebenso eingehend untersucht wie die Herzinfarktprävention bei Wellensittichen und das Slipsbinnen in't Weltruum, also das Schlipsbinden im All. 17 schlaue, lustige und bizarre Studien, die unser aller Blick auf die Welt verändern werden. Für immer.

+++ Hier geht's übrigens zur Übersetzung des plattdeutschen Kapitels von Wigald Bonings Slipsbinnen in't Weltruum: viel Vergnügen! +++

Bringt das was? Aber ja!

«Fußgängerstau am Mount Everest ist heutzutage gang und gäbe. Bei brauchbarem Kletterwetter geht's auf dessen Gipfel zu wie bei Aldi, wenn frische Klapprechner verkloppt werden. Auch Amazonas und Antarktis werden nicht mehr mit Einsamkeitsgarantie bereist; in der Wüste Gobi sind die ersten Gewerbegebiete bereits ausgewiesen …» In einer Zeit, in der mit Vorliebe All-inclusive gereist wird und die Lust auf Entdeckungen und Erlebnisse sich nur noch auf normierten Pfaden abspielt, müssen wahre Geistespioniere neue Wege gehen. Wigald Boning ist so einer. Keine Fußleiste, die vor seiner Wissbegierde sicher wäre!

>b>Sie fragen sich: Muss ich das wissen, was bringt's mir, bringt's mich gar weiter? Aber ja, ohne Zweifel. Würden Eltern & Kind nicht mit dem 8-jährigen Turbo-Abitur schon genug gequält, müsste man Bonings Buch umgehend zur Pflichtlektüre jedes nachwachsenden deutschen Staatsbürgers machen. Bis dass so weit ist, sollen Ihnen einige steile Thesen Bonings, der weit mehr ist als einer der Top-Dienstleister in Sachen Fernsehhumor, die Relevanz dieser Sammlung peripheren, teilweise amtlicherseits unterdrückten Wissens vor Augen führen.

Autoreninfo

Wigald Boning, Moderator und Comedian, wurde mit verschiedenen Preisen wie dem Goldenen Löwen, dem Adolf-Grimme-Preis, Bambi und Echo ausgezeichnet.
mehr über den Autor
Spontanbewuchs und Sockelholz

Botanische Spaziergänge auf der Kölner Domplatte … «Betritt der Laie von Westen her die Kölner Domplatte, jenen Bereich der Fußgängerzone, welcher das bekannte Wahrzeichen der Stadt umgibt, so stößt dieser (also der Laie, nicht der Fußgängerzonenbereich) zumeist zwei Seufzer aus. Den ersten aufgrund der atemberaubenden Wucht des gotischen Gotteshauses, und den zweiten wegen der vollständigen Versiegelung des gesamten Areals; dieser Platz, so scheint es, ist eine der lebensfeindlichsten Betonwüsten Mitteleuropas. Für den Botaniker jedoch ist auch die Domplatte ein mehr oder weniger vielfältiger Lebensraum, nämlich ein sogenanntes «Siedlungsbiotop», geprägt aus Spontanbewuchs, Splittergrün und floralen Dekorationselementen.» Auf der Kölner Domplatte sind für das kundige Auge hinreißende Entdeckungen zu machen: deutsches Weidelgras, anschmiegsames Efeu, Löwenzahn als preisgünstige Alternative zum Kautschukbaum, Butterblumen, Mauer-Drehzahnmoose usw. In Zukunft werden Sie mit ganz anderen Augen dem Kölner Dom zustreben.

Die Geschichte der Fußleiste …. «Im toten Winkel der Innenarchitektur, dort, wo sich Putz und Parkett gute Nacht sagen, liegt, weithin unbeachtet und eingestaubt, ein Stiefkind der Baustoffkunde, ein tapferer Kalfaktor der Wohnkultur: die Fußleiste. Auf den ersten Blick ein banales Zierprofil, gehört das Sockelholz bei sorgfältiger Betrachtung zum Fundament unserer Existenz; die Geschichte der Fußleiste verläuft parallel zur unsrigen und ist mit dieser in engen Abständen vernagelt. Ja, ohne die Fußleiste wären wir heute gewiss nicht, was wir sind.» Bonings kühne These, dass die Fußleiste nicht nur eine stolze Vergangenheit habe, sondern auch eine dynamische Zukunft, beruht nicht zuletzt auf ihrer Unverzichtbarkeit auf vielen Benutzeroberflächen und Webseiten (siehe etwa der Ladestatus-Balken). «Die virtuelle Fußleiste ist die holzfreie Synthese aus all ihren Vorgängerinnen; in Kooperation mit ihren fassbaren, flachgelegten Schwestern wird sie einen entscheidenden Beitrag zum Überleben ihrer Art leisten.».

Jod-S-11-Körnchen und Kleintiertrage

Assel, Bückling, Tse-tse-Fliege. «Und während ich diese Zeilen schreibe, verendet Eisbär Knut, viel zu früh, und schielt sich Heidi, das drollige Punk-Opossum des Leipziger Zoos, in die Herzen des Publikums. Ich wage die Prognose, dass die Tage der berühmten Menschen gezählt sind; ihre Haltung ist zu aufwendig, ihr Salär für jeden Controller eine Pein. Nicht mehr lange, und die Animalisierung des Gesellschaftslebens ist perfekt. Assel, Bückling, Tse-Tse-Fliege – der rote Teppich von morgen gehört dem Tier. Uns Menschen bleibt die Hiwi-Funktion, ob im Pflegedienst, im Teppichhandel oder in der Jod-S-11-Körnchen-Herstellung.»

Herzinfarktprävention bei Wellensittichen. Gefühlte hundert Welli-Foren durchforstete Boning und befragte führende Kardiologen des Landes, ehe er sich traute, in diesem Beitrag auch zartbesaiteten Freunde unserer gefiederten Lieblinge Folgendes zur Kenntnis zu bringen: «Während es beim menschlichen Herzinfarkt um Minuten geht, zählt beim Wellensittich jede Sekunde. Der gefiederte Organismus ist kleiner, alle Prozesse verlaufen schneller, auch Siechtum und Tod. Also gilt es, den Sittich so zügig wie möglich zu hospitalisieren. Achtung: Der gemeine Rettungswagen ist im Normalfall nur auf menschliche Patienten eingerichtet; v. a. ist das Fehlen einer Spezialtrage für Kleintiere nicht ungewöhnlich. Wenn Sie sicher gehen wollen, dass Ihr Liebling artgerecht zum Krankenhaus rollt, so besorgen Sie sich bereits in gesunden Zeiten eine Kleintiertrage. Als solche eignet sich ein Puppenbett, an dessen Kopf- und Fußende Kasserollenhenkel oder Tragschlaufen befestigt werden. Die Schlaufen lassen sich mit etwas Geschick auch selber anfertigen, etwa mit Hilfe einer Strickliesel. Um zu verhindern, dass das malade Tier auf dem Transport von der Trage kullert, ist es gewissenhaft zu fixieren.»