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Der Luxusliner kreuzt durch den Südpazifik. An Bord, neben der Besatzung und einer Gruppe hochkarätiger Meereswissenschaftler, befindet sich auch eine Filmcrew. Ihr Auftrag: spektakuläres Material für die Reality-Soap ‹SeaLife› zu beschaffen. Als die einen Notruf von einer winzigen Insel erhält, lässt Kapitän Sol Kurs auf das Felsmassiv nehmen. Niemand ahnt, was sie auf Henders Island erwartet: eine unfassbar aggressive Flora und Fauna, eine mörderische zweite Evolution, in der auf die Spezies Mensch nur ein Schicksal wartet: ihre Auslöschung … Die Idee – Mensch vs. unberührte, vorzivilisatorische Natur – ist nicht neu; aber was Warren Fahy daraus macht, ist einfach atemberaubend: ein mitreißendes Abenteuerbuch, das einen bis zur letzten Seite nicht mehr loslässt. «Fahys phantasievolles Debüt verleiht dem Survival-of-the-prehistoric-beast-Thema, eingeleitet von Crichtons Jurassic Park, einen völlig neuen Dreh.» (Publishers Weekly)
Es ist ein ziemlich bunter Haufen, der das sechzig Meter lange Forschungsschiff bevölkert: vierzehn Besatzungsmitglieder, sechs Wissenschaftler, zehn Schauspieler und acht TV-Techniker und Kameraleute, außerdem der Bullterrier Copepod. Um die Fernsehshow ‹SeaLife zu einem Quotenhit zu machen, braucht die Produzentin Cynthea Leeds mehr als nur schillernd-schöne Naturbilder von exotischen Orten wie den Galapagos- und den Osterinseln. Der überraschende Abstecher nach Henders Island ist genau der Glücksfall, auf den sie insgeheim gewartet hat.
Ein Blick zurück: 21. August 1791. Vor den Männern auf der H. M. S. Retribution türmt sich eine gigantische Felswand im rötlich-gelben Licht der untergehenden Sonne. Die Insel ist winzig, nur gut zwei Meilen breit. Als einer der Landgänger auf der Suche nach Wasser sich einer Felsspalte nähert, ereignet sich etwas Unfassbares: «Im Rücken des Seemanns zuckte ein roter Blitz, und plötzlich schnellte aus dem Dunkel der Spalte ein gewaltiges Maul, das sich über den Kopf und Rumpf des Seemanns stülpte und ihn hinunter in die Spalte riss. In der Ferne hallte ein Echo entsetzter Schreie von dem Felsen wider …» Kapitän Ambrose Spencer Henders, erschüttert von dem Verlust eines seiner Seeleute, lässt die Anker lichten. «Kein Wort darüber, was uns heute widerfahren ist. Ich gebiete Stillschweigen, und wer es bricht, wird dem Tod durch den Strang bestraft. Haben wir uns verstanden?»
In den Seekarten ist dieser Ort des Schreckens, vor dem die ‹Trident› ankert, als Henders Island verzeichnet. «Die Insel liegt unter dem 40. Breitengrad, in einer tückischen Region, die von Seeleuten als ‹Roaring Forties› bezeichnet und seit zweihundert Jahren von Schiffen gemieden wird. Wir steuern also auf einen Ort zu, der geographisch so entlegen ist wie kaum ein anderer auf dem Planeten Erde. Nur selten hat sich ein Schiff in diesen Tel des Ozeans verirrt. Der Meeresgrund ist hier weniger genau kartographiert als die Marsoberfläche.» Für die SeaLife-Produzentin ist dieses Abenteuer der Glücksfall schlechthin, wird doch jeder Schritt in diesem evolutionären Reservat live von Millionen von Fernsehzuschauern zu Hause verfolgt werden.
Der von der Trident registrierte Notruf wurde offenbar an Bord der havarierten Yacht Balboa Bilbo ausgelöst, deren klägliche Überreste bald gefunden sind – aber wer hat den Notruf aktiviert? Ein gutes Dutzend Leute soll sich auf dem düsteren Eiland einen ersten Eindruck verschaffen; auch die Botanikerin Nell Duckworth hat sich für die Erkundung freiwillig gemeldet. Sie ist fasziniert von der Aussicht, Henders Island inspizieren zu dürfen, schließlich ist die Erforschung entlegener, unberührter Ökosysteme ihr wissenschaftliches Spezialgebiet.
Gleich beim ersten Landgang kommt es zur Katastrophe. Der Spähtrupp wird, kaum dass er den Boden der Insel betreten hat, von allen Seiten und mit aller Gewalt angegriffen: von todbringenden Spinnen und Insekten, von gigantischen Farnen und Büschen, die Menschen ergreifen und verschlingen, von büffelgroßen Tieren mit knochenbrechenden Beißwerkzeugen. Nur Nell und Kameramann Zero Monroe gelingt es wie durch ein Wunder, unversehrt aus dem tödlichen Inferno auf die ‹Trident› zurückzukehren.
Es sind Furcht erregende und fürchterlich effizient agierende Wesen, die sich in der evolutionären Abgeschiedenheit der Insel über die Jahrmillionen entwickelt haben: Hendersratten, Spiger, Riesentiger von der Größe eines Traktors, Tellerameisen, Felssegler, Killerwespen und viele andere, dazu ganze Geschwader von Pflanzen, die reine Angriffswaffen sind. Gemeinsam ist all diesen Wesen, dass sie unerwünschten Eindringlingen den sicheren Tod bescheren. Egal ob mit drei, vier, sechs oder mehr Beinen ausgestattet, bewegen sich die Tiere mit ungeheurer Geschwindigkeit; viele von ihnen haben mehrere Gehirne, drei oder mehr Augen. Allein ihr Anblick reicht aus, um Todesangst zu empfinden.
«Der Flora und Fauna von Henders Island ist keine der Tier- oder Pflanzengattungen gewachsen, die wir hier ausgesetzt haben», erklärt Nell Duckworth in einer Videokonferenz dem Krisenstab des US-Präsidenten. «Wenn eine der hiesigen Arten auf das Festland übergreifen würde, käme es sehr wahrscheinlich zu einer Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes, und es gäbe womöglich keine einzige biologische Nische heimischer Arten, die verschont bliebe. Kein einziges Insekt kann sich behaupten. Jede Pflanze geht ein. Selbst die gefährlichsten Raubtiere unserer Welt werden verschlungen mit Haut und Haaren … Kein Lebewesen, keine Pflanze aus unserer Welt kann hier überleben. Jede einzelne Spezies wäre imstande, unser Ökosystem wie ein Kartenhaus zusammenfallen zu lassen.»
Schließlich wird Geoffrey Binswanger, Gastforscher an der Woods Hole Oceanographic Institution in Massachusetts, auf die von einem Flottenverband der US-Kriegsmarine hermetisch abgeschottete Insel geschickt. Sein Auftrag: eine Bestandsaufnahme der «Zeitbombe Henders Island» vor Ort. (Und er ist der Mann, der in all diesem Horror für den gewissen Schuss Herzenswärme sorgt, indem er in Nell die Liebe seines Lebens finden wird – das aber nur am Rande …)
In einem kleinen ironischen Schlenker – der Hender-Episode – schiebt Warren Fahy am Ende auch noch einige Exemplare der Gattung des edlen, naiven Wilden auf die Bühne: Hendropoden – erschreckend garstig aussehende, aber intelligente, lernfähige Wesen. Als Nell und Geoffrey versuchen, diese Wesen mit auf die Trident und damit zurück in unsere Zivilisation zu nehmen, droht die Katastrophe: Ein Ultimatum der U.S. Navy läuft gnadenlos ab – wenn nicht der amerikanische Präsident persönlich interveniert, wird die Insel durch eine Atombombe vernichtet werden – und mit ihr die Wissenschaftler und ihre Zöglinge aus der zweiten Evolution …