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Andere Kinder wollen, wenn sie groß sind, Formel-1-Rennfahrer, Spielerfrau oder Kai Pflaume werden (und wenn sie klein bleiben, Leo Messi). Vince Ebert wollte schon als Dreikäsehoch immer nur eines sein: Physiker. «Tatsächlich habe ich an nichts anderes gedacht als an Physik. Wenn ich in der Schule nach der wichtigsten Person des deutschen Widerstands gefragt wurde, fiel mir nur der Name ‹Georg Ohm› ein.» Ebert ist Physiker geworden, außerdem Comedian und Bestsellerautor; Denken Sie selbst, sonst tun es andere für Sie verkaufte sich bislang über 400.000 Mal. Viele haben seinem neuen Buch entgegengefiebert, hier ist es: Machen Sie sich frei. «Ein Multivalent.» (Die Zeit) Vince Ebert, das ist Witz und Wissen: «der Einzige, bei dem zwischen Comedy und Physik die Chemie stimmt.» (Stefan Raab)
«Hier ein paar grobe Fakten: Ich habe Physik studiert, kann mich aber trotzdem ganz passabel anziehen, und obwohl ich als Komiker arbeite, ist es möglich, sich mit mir ernsthaft zu unterhalten. Das meint jedenfalls meine Exfreundin Gudrun. Ich lebe in Frankfurt mit Greti und Marie in einer offenen Beziehung. Zumindest wenn die Katzenklappe nicht klemmt.»
In seinem neuen Buch lotet Ebert Freiheit in (fast) allen ihren Facetten aus. Er ist auch durch ganz Deutschland gereist, hat die verschiedenartigsten Leute getroffen, um herauszufinden, was sie unter Freiheit verstehen: etwa den Aktionskünstler Wolfgang Flatz, die Dominikanernonne Schwester Jordana, den Hirnforscher Prof. Gerhard Roth, den Ex-Drogenabhängigen Teo, Ludwig Lugmeier, Bankräuber a. D. und Schriftsteller, den Karat-Gitarristen Bernd Römer, den Erfinder Prof. Artur Fischer, die Domina Comtesse Nicole, die habilitierte Freiheitsforscherin Dr. Ulrike Ackermann, den Schönheitschirurgen Dr. Gerhard Sattler die Medizin-Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard, den Politiker Dr. Hermann Otto Solms usw. usf. Mehr Freiheit für 9,99 Euro gibt es nirgends.
Das Schönste an Machen Sie sich frei (für das Kollege Dr. Eckart von Hirschhausen ein nettes Vorwort beigesteuert hat): Man amüsiert sich fürstlich bei dieser charmanten Alltagsphilosophie und lernt jede Menge dazu. Hoher Nutzwert, doppeltes Vergnügen – wie heißt es so schön: «Ein Quantensprung höher als der andere!» Ein Vademecum für alle Freigeister und Freidenker. Wo sonst werden derart überzeugend «Querverbindungen zwischen Hirnforschern und Huren oder zwischen Bankräubern und Berufspolitikern» gezogen?
Wie und worüber dieser Mann schreibt, vermittelt am besten eine kleine Ebert-Zitatcollage zu Themen, die die Welt bewegen, wie Spiralgalaxien im Hunsrück, Ladendiebstahl als Kosten-Nutzen-Problem, den App des Vergessens, des Glückes Dosenpfand, Alkohol in Bayern, Weltuntergang nach Art der Zeugen Jehovas und natürlich Askese statt Langnese. Und immer und überall geht es bei Vince Ebert um unser höchstes Gut: die Freiheit.
Freiheit & Determination. «Ist etwa alles, was wir tun, neurologisch vorbestimmt? Sind wir lediglich ein komplizierter Chemiebaukasten auf zwei Beinen? Ein Molekülsalat, der sich hochnäsig einbildet, ein frei denkendes Wesen zu sein? Könnte ich also theoretisch meinem Nachbarn die Fresse polieren und danach sagen: ‹Ich kann nichts dafür. Das war mein Hirn! Die Biochemie hat angefangen …›»
Drogen. «Jeder, der irgendwann mal bewusstseinserweiternde Substanzen zu sich genommen hat, weiß: Drogen führen zu keinem Ziel, aber die Fahrt dorthin kann landschaftlich sehr reizvoll sein. Danach kommt allerdings die große Ernüchterung: Was sagen zwei Techno-DJs, denen die Pillen ausgegangen sind: ‹Mach doch mal die blöde Musik aus!›»
Bayern. «Konservative Menschen vertreten gern das Ideal einer drogenfreien Gesellschaft, wie es beispielsweise in der CSU vorherrscht. Dort ist Bier freilich kein Suchtstoff, sondern ein Grundnahrungsmittel. Würde die CSU Alkohol verbieten, würde sie bei der nächsten Landtagswahl locker unter die 0,5-Promille-Grenze rutschen.»
Männer. «Während Machotypen wie Rudi Assauer, Gerhard Schröder oder Götz George eindeutig Auslaufmodelle sind, dominieren metrosexuelle Weicheier wie David Beckham, Patchwork-Papis wie Boris Becker oder Work-Life-Balance-Nasen wie Seal das Geschehen. Die neuen Männer organisieren Lichterketten für Tibet, reden über das Engagement von Geldof und Bono, trinken Zeitgeistbrühen wie Beck's Gold oder Lübzer Lemon und erniedrigen sich in Kochshows.»
Amorbach im Odenwald. «Mein Vater mag es übrigens gar nicht, wenn man sich über Amorbach lustig macht. Regelmäßig beschwert er sich bitterlich bei mir: ‹Ha, du duuscht ja grad' so, als ob Amorbooch e Kaff wär' …› Mal ehrlich, was bitte sonst soll man über eine Stadt sagen, deren Stadtplan im Maßstab 1:1 herauskommt? Zugegeben, ein wenig Glamour hat dass Städtchen schon: Das Summen der Hochspannungsleitungen bei Gewitter beispielsweise. Auch kulturell ist einiges los: Seit über fünf Jahren gibt es einen Kreisverkehr. Den Europa-Kreisel!»
Beckenbauer & die Zeugen Jehovas. «Beckenbauer tönte 1990: Deutschland wird über Jahre hinaus unschlagbar sein. Und obwohl fast fünfzig Prozent aller Ehen geschieden werden, sagen hundert Prozent aller frisch Vermählten: Wir bleiben zusammen. Ganz sicher! Die Zeugen Jehovas hatten für 1975 sogar den Weltuntergang prognostiziert. Weil ihnen aber damals die Anerkennung als öffentliche Körperschaft fehlte, konnte er bedauerlicherweise doch nicht stattfinden, soll aber bald nachgeholt werden. Versprochen!»
Glaubenszweifel. «Schon kurz nach meiner Firmung machten sich immer mehr Zweifel am Glauben breit. In der Bibel las: ‹Gott erschuf die Welt in sechs Tagen.› Das Licht wurde komischerweise erst am vierten Tag erschaffen. Heißt das nicht, er hat drei Tage im Dunkeln gearbeitet? Quasi die erste Form von Schwarzarbeit? Vielleicht hat er in dieser Zeit Regionen wie Niederbayern oder Westfalen erschaffen?»
William & Kate. «Haben Sie auch so verzaubert vor dem Fernseher gesessen, als Prinz William in einer Märchenhochzeit seine Kate geheiratet hat? Kate Middleton – schon jetzt eine Ikone aller modernen jungen Frauen. Nach einem Elitestudium pfiff sie auf einen stressigen Job in der freien Wirtschaft und wartete stattdessen acht Jahre lang, bis sie von einem jungen Mann erhört wurde, der unter der Knute seiner Großmutter steht und von staatlicher Fürsorge lebt. Kates berufliche Tätigkeit besteht ab sofort darin, Champagnerflaschen gegen Schiffe zu werfen, Söhne zu gebären und in Designerkostümchen an der Seite ihres Mannes hübsch auszusehen. Irgendwie war das mit der Emanzipation doch anders gedacht.»