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Jahrhundertsommer 2003. Totalüberwachung am Potsdamer Platz, Widerstand gegen Globalisierung und Markenwahn in Form spielerischer Militanz – und zwei Menschen, die um ihre Liebe kämpfen. Ein fulminante Geschichte, die mitten in Berlin, mitten in unserer Gegenwart spielt und die schmerzenden Konturen einer Zukunft zeigt, die bereits begonnen hat.
Ulrich Peltzer hat einen packenden politischen Roman geschrieben, zugleich «eine der besten Liebesgeschichten der letzten Jahre» (Deutschlandradio).
Als freier Journalist im Berlin der Nachwendejahre schlägt sich Christian mit Restaurantkritiken mehr schlecht als recht durch. Hier ein kleiner Auftrag, da ein Gefälligkeitsjob, eine Hand wäscht die andere. Keine berauschende Existenz für einen mit diffus politischen Ambitionen, dem der Lebensstil der digitalen Boheme nur ein zynisches Lächeln entlockt und der alles will, nur nicht versauern im akademischen Prekariat der Hauptstadt. Über tausend Ecken ist er an eine große Story über einen abgetauchten Terroristen der italienischen Roten Brigaden rangekommen, dem wie anderen Ex-Aktivisten die Abschiebung aus Frankreich nach Italien droht. Als Mittdreißiger hat Christian den Privatkrieg der RAF allenfalls als fernes Echo erlebt; umso euphorischer lässt er sich auf die Story um die Überbleibsel der Brigate Rosse ein. Weil sie nah genug an seinem eigenen Leben dran ist und doch auch beruhigend fern.
Aber statt an der Seine sich mit Überlebenden des bewaffneten Kampfes zu treffen, trifft er zunächst auf Nele, eine hochbegabte Studentin der Literaturwissenschaft, die bei Christians Freund Jakob eine Arbeit über Jean Paul schreibt. Nele ist von einer unbestimmten Wut befeuert, die sie durch das Tag- und Nachtleben Berlins treibt. Und sie ist Teil eines politischen Projekts, einer Art verspieltem mobilem Einsatzkommando. Eine vierköpfige Aktionsgruppe, die mit nadelstichartigen Provokationen der totalitären Allmacht von Kapital und Staat symbolisch Grenzen setzen will – wie jene Clownsnummer vor den Überwachungskameras des Sony Center am Potsdamer Platz, wo sie die Sicherheitsbeamten mit groteskem Provo-Slapstick fast in den Wahnsinn treiben.
Die Eröffnungsszene von Teil der LösungRoman ist grandios: Das Sony Center mit Atrium und Piazza, grell ausgeleuchtete Schaufenster, Touristen, Spaziergänger, Bedienstete. Und plötzlich tauchen Clowns auf, die Schilder hochhalten, auf denen «Armut» steht, «Alles nur ein Spiel» oder «Alles klar, Herr Kommissar?» und die, was für die Securityleute am beunruhigendsten ist, mit Fotoapparaten die versteckten Kameras fotografieren. Die Botschaft: Glaubt nur nicht, dass ihr mit eurem Herrschaftswissen durchkommt …
Wie sich die Militanz der nächtlichen Aktivisten dann vom beinahe tänzerischen Spiel zu immer massiveren Aktionen (Brandanschlag auf die Dienstwagen vor dem Ordnungsamt Treptow) steigert, auch das liegt in der riskanten Dynamik ihres «Widerstands gegen Staat und Kapital» – und auch daran, dass eine fünfte Person vom Verfassungsschutz als V-Mann in die Gruppe eingeschleust wurde …
Was wie eine zufällige ruppige Annäherung zwischen Nele und Christian beginnt, wird zu einer Begegnung voller Intensität. «Zeit, die einem nicht davonläuft, alle Zeit des Sonnensystems. Tage. Wochen. Jahre. Ewigkeit» – so empfindet Nele ihre Liebe. Nicht jede Liebe muss ein Happyend finden. Aber in jeder großen Liebe ist die Möglichkeit dazu angelegt, denn die Liebe ist die letzte Utopie.
Engagierte Literatur, wie Peltzer sie versteht, hat nicht das Geringste zu tun mit gut gemeinten, aber weniger gut gemachten Schreibversuchen à la Werkkreis Literatur der Arbeitswelt oder linksradikaler Bekennerprosa. Peltzers radikaler Ansatz liegt im Schreiben selbst, in der Reflexion dessen, was Gegenwartsliteratur zu leisten imstande ist: mithilfe einer «Schreibtechnik», die dem Bruchstückhaften, der Rasanz und Fragmentierung unserer Alltagserfahrung ästhetisch Rechnung trägt. Schnelle Schnitte durch heterogene Milieus, präzise Beobachtung, Momentaufnahmen aus extrem subjektiver Sicht. Der Titel des Romans bezieht sich auf die (selbst)zerstörerische Parole des RAF-Hungertoten Holger Meins «Entweder bist du Teil des Problems, oder du bist Teil der Lösung», getreu der manichäischen Logik «Entweder Schwein der Mensch, dazwischen gibt es nichts», wie sie Ulrike Meinhof in einem ihrer verschattetsten Momente formuliert hatte.
«Die Polizei, die Clowns, die Uni-Karrieristen, die Freunde und ehemaligen Freundinnen und mittendrin die beiden Königskinder, die auf unschuldige Weise geheimnislos sind wie Huckleberry Finn – man kann nur staunen, mit welcher Sicherheit es Peltzer gelingt, solche Figuren eindeutig zu zeichnen: Jeder Satz ist hellwach …» (Die Zeit) Kein Wunder, dass man beim Lesen von Teil der Lösung an Döblin und DeLillo, aber auch an Filme von Antonioni denkt.
«Berlin in einer Anschaulichkeit, die einem auch ohne konkrete Namensnennung jede Szene wie im Kino vor Augen führt. Peltzer ist ein Meister der atmosphärischen Beschreibung», notiert die FAZ. «Der Rest ist eine Tour de force, auch für den Leser. Recherchen, Schreibprozess und am meisten das Rechtfertigen des eigenen Tuns fordern Ulrich Peltzer mehr Zeit bei der Arbeit an seinen Büchern ab, als man gemeinhin vermuten würde, und für die Lektüre gilt das Gleiche. Aber sie lohnt sich, wie selten sonst in der deutschen Literatur, weil kein Wort und kein Manierismus hier fehl am Platze ist. Stil ist nicht nur Teil der Lösung unseres Problems, unsere Gegenwart zu erzählen. Er ist die Lösung. Und Peltzer hat sie.»