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Tom Buhrow/Sabine Stamer: Mein Deutschland - Dein Deutschland

© Barbara Dombrowski

2006 kehrten Tom Buhrow und Sabine Stamer nach über zehn Jahren aus den USA zurück. Ihre Erfahrungen verarbeiteten sie in dem Bestseller Mein Amerika – Dein Amerika. Nun ziehen der «Tagesthemen»-Moderator und seine Frau auf ähnliche Weise Bilanz und entdecken ihre alte Heimat neu.
In Mein Deutschland – Dein Deutschland setzen sie sich so neugierig wie kritisch mit deutschen Befindlichkeiten und Empfindlichkeiten auseinander. Es geht um die Entwicklung von Ost und West nach der Wiedervereinigung, die Paradoxien des deutschen Alltags, Kinderarmut, das amerikanische Prinzip «Stille Auktion» an einer deutschen Schule, Flüchtlingsnot auf der Wohlstandsinsel, den Hamburger Millionär (mit klassischer Tellerwäscherkarriere) Ian Kiru Karan, den (von Tom Buhrow absolvierten) Hamburg-Marathon 2008 u.v.a.m. Alles zusammen ergibt einen nachdenklichen, überraschenden Blick auf unser Land.

Ach, Deutschland ...

Ach, Deutschland – dieses «komplizierte, oft zerstrittene, wunderschöne Heimatland»! Betrachtet man es mit dem nüchternen Blick der Weitgereisten, löst es Begeisterung aus, aber auch so manches Kopfschütteln. Da geht es «Tagesthemen»-Moderator Tom Buhrow und seiner Frau Sabine Stamer nicht anders, als sie 2006 nach zwölf Jahren Auslandstätigkeit nach Deutschland zurückkehren.

Da ist zunächst das Offensichtliche: Es gibt in Deutschland, anders als in den USA, noch fachkundige Bäcker und Schlachter. An Sonntagen herrscht herrliche Ruhe, in Städten kann man auf Bürgersteigen herumschlendern und Autofahrer blinken, ehe sie abbiegen. Aber an den Kassen der Supermärkte bilden sich lange Schlangen, die Verkäuferinnen sind uninteressiert bis zur Unhöflichkeit, und das allgemeine Duzen hat unangenehm überhand genommen.

Aber natürlich begnügen sich so renommierte Journalisten wie Buhrow und Stamer nicht mit dieser eher folkloristischen Oberfläche. Auf der Suche nach deutscher Befindlichkeit kommen sie weit herum: Sie sprechen mit Menschen in Berlin-Hohenschönhausen, über die sie vor 20 Jahren den Film «Wendekinder» gedreht haben. Sie nehmen am Unterricht in einer Gesamtschule teil, begleiten Arbeitssuchende bei ihrem Irrgang durch den bürokratischen Dschungel, besuchen im Hamburg eine Moschee und diskutieren eindringlich Fragen der Asyl- und Einwanderungspolitik - immer mit Blick auf die Erfahrungen, die sie in Frankreich und den USA gemacht haben.

Stolz und guten Mutes

All diese Eindrücke summieren sich zu einer aufrüttelnden, lebensnahen Bestandsaufnahme, die sich mal amüsant, manchmal aber auch ein bisschen beschämend liest.

Doch ihr Fazit ist schließlich durchaus optimistisch. Wir Deutsche wirken heute viel entspannter, was unsere Nationalität angeht. Wir haben, bei aller Kritik, ein gut funktionierendes Schul- und Gesundheitssystem. «Wir leben in einem reichen Land. Wir haben allen Grund, stolz zu sein und guten Mutes.»

(Aus: Rowohlt Revue 90, Autor:Knut Meysel)