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Seit Menschengedenken hat sich in Perry Hollow kein Gewaltverbrechen mehr ereignet. Doch an diesem Morgen wird ein Bürger der kleinen Stadt in Pennsylvania tot aufgefunden. Mit brachialer Gewalt in eine grob gezimmerten sargähnliche Kiste gestopft, der Mund zugenäht, eine lange Schnittwunde am Hals mit schwarzem Faden vernäht, auf seinen Augen zwei blankpolierte Pennys. Es ist ein Bild des Schreckens, das sich Chief Kat Campbell am Tatort bietet. Die Ermordung des alten Farmers George Winning ist das erste, aber nicht das letzte Verbrechen, das Perry Hollow bis in seine Grundfesten erschüttern wird …
Das Schweigen der Toten ist das packende Thrillerdebüt von Todd Ritter, der seine Karriere als Filmkritiker und Polizeireporter begann und heute als Journalist für New Jerseys größte Tageszeitung The Star-Ledger arbeitet.
Die Ankündigung des Verbrechens per Fax macht die Bluttat völlig gespenstisch. «George Winning aus Perry Hollow starb am 14. März um 22.45 Uhr im Alter von 67 Jahren.» Als Henry Goll, bei der Perry Hollow Gazette als Nachrufschreiber eine Institution, die Nachricht aus dem Faxgerät zieht, erkennt er sofort, dass hier irgendetwas eigenartig ist. Abgesendet am 14. März um 22.15 Uhr …
Vier Monate später die nächste Todesmeldung, und wieder ist es Goll, bei dem sie per Fax eingeht. Das zweite Opfer ist der gefeierte Footballstar der Perry Hollow Cougars: «Troy Gunzelman aus Perry Hollow starb am 4. Juli um 18:30 Uhr im Alter von 17 Jahren.» Abgesendet am 4. Juli um 18:00 Uhr …
Die Menschen in Perry Hollow traf es hart, als, die Perry Mill, das alte Sägewerk am Lake Squall und mit Abstand der größte lokale Arbeitgeber, Anfang der 1990-er Jahre die Tore schloss. Langsam, sehr langsam hatte sich das Städtchen von der wirtschaftlichen Talfahrt erholt. Und nun das: zwei bestialische Morde in kürzester Zeit.
Den Leuten wäre es recht gewesen, wenn die Morde auf das Konto des sogenannten Betsy-Ross-Killers gegangen wären, der seine Opfer auch mit Nadel und Faden traktiert hatte - Hauptsache, ein Fremder und keiner aus ihrer eigenen kleinen ländlichen Welt. Aber Ken Miller, der Betsy-Ross-Killer, kommt für diese Verbrechen definitiv nicht in Frage. Die Perry-Hollow-Morde zeigen nicht die Handschrift des Mannes, der die Körper seiner Opfer regelrecht zerfetzt hatte. Und mit Sägemehl präparierte Tierkadaver als mahnende Zeichen von Tod und Verderben hatte er auch nicht zurückgelassen.
Mit Witz und lässiger Routine lässt Todd Ritter uns bei der Tätersuche m die Irre gehen - bis die polizeilichen Ermittlungen sich urplötzlich in eine ganz andere Richtung entwickeln. Eine heiße Spur führt in die Räume des Bestattungsunternehmers McNeil, wo Kat Campbell und ein FBI-Kollege einen thanatopraktischen Crashkurs in Sachen Ausbluten und Einbalsamieren erhalten. (Empfindliche Gemüter sollten sich diesen gut zehn Seiten langen Exkurs besser sparen; im Vergleich mit ihm lesen sich selbst die ekligsten Details in Simon Becketts Thrillern nett und harmlos. Überhaupt scheint Ritter ein Faible für makabre Details zu besitzen, Stichwort: lebendig begraben werden …)
Vielleicht hätte sich Perry Hollows oberste Polizistin schon früher fragen sollen, weshalb die zynischen Todesfaxe ausgerechnet an Henry Goll gerichtet sind. An jenen Mann, dessen Gesicht seit einem fürchterlichen Autounfall vor fünf Jahren von Brandnarben entstellt ist; damals waren Henrys Frau Gia und ihr ungeborenes Baby während eines Gewittersturms auf der Interstate 279 in den Trümmern seines Wagens gestorben. Seither verfolgen ihn, den einst gefeierten Polizeireporter der Pittsburgh Post-Gazette, schlimmste Schuldgefühle.
Zumindest lässt Chief Kat Campbell ihr Spürsinn nicht im Stich, als es darum geht, ein letztes Opfer lebend aus den Fängen des Killers zu befreien. In der stillgelegten alten Sägemühle, wo die Schreie der Gequälten durch die gespenstische Stille der alten Industrieruine gellen …