Die Bestellung unserer E-Books ist momentan aus technischen Gründen nicht möglich.

Artikelempfehlung versenden

E-Mail-Adresse des Empfängers*

Wenn Sie mit der Empfehlung dieses Titels eine Nachricht an den Empfänger versenden wollen, tragen Sie den Text bitte hier ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse*

(* = Pflichtfelder)

Tobias Moorstedt/Jakob Schenk: Das Jetzikon

© Matrix Buchkonzepte

In wenigen Wochen ist das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts zu Ende, nennen wir es die Nullerjahre. Ein hektisches, buntes, verwirrendes Jahrzehnt – mit 9/11 als einem frühen grausigen Höhepunkt (dem viele andere folgten, denkt man allein an die unzähligen Autobomben und Selbstmordanschläge in den Krisengebieten der Welt). Tobias Moorstedt, der als freier Journalist für Spiegel online, Süddeutsche, taz und ARD arbeitet und sein NEON-Kollege Jakob Schrenk fragen, was wohl von diesen Jahren bleiben wird; was man einst in den Geschichtsbüchern über sie lesen kann; und welche repräsentativen Objekte dieser Zeit irgendwann Museumsvitrinen bevölkern werden. In ihrem Jetztikon haben sie 50 Kultobjekte der Nullerjahre gesammelt: von Flatrate und Tamiflu bis iPod und Deutschland-Schminke.

Herausgekommen ist ein schlaues, informatives, unterhaltsames Büchlein. Kein Lexikon, keine Chronik, keine bloße Inventarisierung historischer Artefakte, sondern in summa eine kleine Kultur- und Mentalitätsgeschichte des (ab)laufenden Jahrzehnts. Wann dieses Jahrzehnt «wirklich» begonnen hat – im Sommer 2000, als die Internet-Blase platzte, am 11. September 2001 in Downtown Manhattan oder am 12. Dezember 2001, als die Volksrepublik China in die WTO aufgenommen wurde als neuer Gigant des Welthandels –, ist das jetzt noch, ist das überhaupt von Belang?

Ein kleiner Überblick, welche Objekte uns hier u.a. begegnen werden: Flatrate, Bionade, Rollkoffer, Tamiflu, Smartphone, Nordic-Walking-Stöcke, Energiesparlampe, Obama-Button, Bärlauch, Pace-Fahne, Papst-Bier, Obama-Button, Euro, iPod, USB-Stick, Wii Remte, Hartz-IV-Fragebogen, Arschgeweih, Improvised Explosive Device, Chanel Pavillon by Zaha Hadid, Spam-Mail, Bugaboo, Deuser-Band, Mitgliedskarte eines Raucherklubs und vieles mehr.
Einige Zitate zum Anschnuppern:

Flatrate & Arschgeweih

Flatrate. Bei der Flatrate handelt es sich, verkürzt gesagt, um eine moderne Version des Paradies-Prinzips, sie versprach ‹unbegrenzte Mengen› eines bestimmten Gutes oder einer Dienstleistung. Die Flatrate verhieß den Konsumenten eine Art Paradies 2.0, in dem zwar Milch und Honig immer noch nicht fließen, aber zumindest die Bits und Bytes. (...) Hinter der Flatrate versteckt sich der Traum von der ostenlosen Lebensführung, die Illusion, dass jeder Wunsch ständig und überall erfüllbar ist, mit einem Handstreich, einem Klick.

Arschgeweih. Im Sommer 2004 schien sich in Deutschland ein unbekannter Virus mit rasender Geschwindigkeit auszubreiten. Der Virus führte ... zu einer auffälligen Veränderung der Haut … Ein Ausschlag mit ästhetischem Potenzial. Im Freibad oder am Baggersee sah man zu dieser Zeit immer mehr Mädchen und junge Frauen, die ein schwarzblaues Muster über dem Steißbein trugen, diese hautunreinheit aber nicht wie Warzen oder Pickel verschämt versteckten, sonern sie, eingerahmt vom Bikinistoff oder einem bauchfreien Top, stolz zur Schau trugen. Bei dieser ornamentalen Verfärbung des Unterrückens handelte es sich um eine Tätowierung und damit nur um eine modische Pandemie, aber ein anständiger Modetrend war ja noch nie von einem aggressiven Virus zu unterscheiden.

Bugaboo & Baumarktbomber

Bugaboo. In den Nullerjahren war jedes Kind ein Kinderstar und benötigte wie jeder VIP ein entsprechendes Gefährt. David Beckham, Jude Law und Gwen Stefani schoben den (vom niederländischen Designer Max Barenbrug entworfenen Kultkinderwagen, d.R.) Bugaboo durch die Straßen von Los Angeles, London und New York, präsentierten den Nachwuchs den Nachbarn und der Weltöffentlichkeit. Zehntausende junger Mütter und Väter auf der ganzen Welt imitierten diesen Stil. Der Bugaboo war das ultimative Statusobjekt, auffälliger als ein edler Ring, unschuldiger als ein Designeranzug und wesentlich beweglicher als das Bauhaus-Möbel – ein mobiles Designobjekt.

Improvised Explosive Device (IED). Bastelanleitungen, wie man aus Düngemittel, Phosphor und Asche eine Bombe baut, fanden sich im frühen 21. Jahrhundert auf vielen Webseiten und Community-Foren im Internet. Do it yourself – der Trend zum Basteln und Baumarkt-Shopping erfasste auch Terroristen und Guerilla-Kämpfer. (…) Der Bombenbau war keine Ingenieursleistung mehr, sondern ein leicht erlernbares Hobby. Auf besonders gravierende Art und Weise wurde das bei den Einsätzen der US-Militärs im Irak und in Afghanistan deutlich. Die Soldaten fürchteten sich nicht mehr vor Widerstandskämpfern mit Kalaschnikows und Boden-Luft-Raketen, sondern vor sogenannten ‹Improvised Explosive Devices (IED), mit Sprengstoff gefüllten Rohren, Blechdosen und Gießkannen … Die IED war eine veritable Massenvernichtungswaffe, die Luftwaffe des kleinen Mannes, das Gegenstück zu den autonomen Drohnen, den ‹flying battleships› und dem ‹Space War› der US-Armee.»