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Stefan Schwarz: War das jetzt schon Sex?

© Corbis

Ob in den monatlichen Kolumnen für Das Magazin oder in seinem Roman Hüftkreisen mit Nancy: Stefan Schwarz, mehrfach erprobter Ehemann und leidenschaftlicher Vater, ist wirklich komisch. Nicht umsonst hat der Mann eine verdammt gute Presse: «Viel schwarzer Humor und direkte Anspielungen, Selbstironie und böse Vergleiche.» (SWR) «Der einzige im komischen Sinne ernstzunehmende Kolumnist im Osten Deutschlands.» (Titanic)
In seinem neuen Kolumnenband treibt ihn eine Frage um, die andere nie, nie, nie öffentlich stellen würden: War das jetzt schon Sex? Lesen Sie Schwarz! Vergnüglicheres über das letzte Abenteuer der Menschheit, das Familienleben, dürfte so schnell nicht zu finden sein.

«Mein Name ist Stefan Schwarz …»

«Als Kind bin ich nach dem Baden gern in der leeren Badewanne hin und her gerutscht. Heute passiert da nicht mehr viel. Dafür ist mein Wasserverbrauch jetzt geringer. Vor kurzem bin ich zu meiner Frau unter die Bettdecke gekrochen und habe ihr ins Ohr geflüstert, dass sie für sich genommen noch sehr gut aussieht. Dann musste ich wieder zurückkriechen. (…) Meine Tochter kann Flickflack auf dem Schwebebalken und Spagat im Türrahmen, aber man darf beim Erziehen nicht streng mit ihr sein, weil sie dann sofort losheult. (…) Mein Sohn hat lange, fettige Haare, aber wer hätte das nicht gern?»

Was muss man sonst noch über diesen Autor wissen? Vielleicht dies: «Ich bin Judokreismeister in der Gewichtsklasse 32,5 Kilogramm gewesen und fürchte tatsächlich keinen Menschen auf der Welt, sofern er nicht mehr als dieses Gewicht auf die Waage bringt. (…) Letztes Jahr hatte ich die Braunfäule in den Tomaten. Ich hab aber kein Gift gespritzt, obwohl ich dazu imstande wäre. Ich bin nämlich kein Pazifist, aber das ist wirklich mein einziges Laster.»

So viel an dieser Stelle zu Herrn Schwarz.

Autoreninfo

Stefan Schwarz, Jahrgang 1965, ist mehrfach erprobter Ehemann und leidenschaftlicher Vater. In der Berliner Traditionszeitschrift "Das Magazin"...
mehr über den Autor
Die Nackten und die Fakten

Dem Mann von mittlerer Statur widerfährt in seinem Alltag jede Menge Berichtenswertes. Beispielsweise eine Auffälligkeit am Körper seiner Frau – eine Beobachtung, von der Männer nie wissen, ob sie sie ignorieren (also umgehend von der inneren Festplatte löschen) oder doch dezent kommentieren sollen: «Als ich eines Tages beim Frühaufstehen interessiert das nackte Freibein meiner Frau betrachtete, entdeckte ich im schrägen Morgenlicht einen gewissen Strukturwandel im geheirateten Oberschenkel. Ich wollte es eigentlich für mich behalten, weil ein Kavalier auch schweigt, wenn er nicht genießt …» Aber natürlich tut er genau das nicht. Sondern kommentiert das nackte Freibein – dezent, aber doch ungeschönt. Die Folge: Exil auf der knarrenden Wohnzimmercouch, Schlaflosigkeit, Grübeleiexzesse. «Ich nutzte die Zeit unserer cellulitären Ehefehde, um die intersexuelle Missverständnisliteratur zu studieren.» Kommt man ja sonst nicht zu.

Des weiteren berichtet Schwarz in unnachahmlicher Weise von den Dämonen der Dunkelheit, von dringendem Paarungsbegehren, dem Erregungsdiskurs Textilschläfer vs. Nacktschläfer, Ypsilon-Namen und dem Lob der späten Schönheit. Auch das leicht peinliche Randalieren wird nicht verschwiegen, nachdem eine Freundin klipp und klar kundtat, ihr Leben fortan mit einem Maschinen- und Anlagenmonteur (samt Schäferhund) verbringen zu wollen, anstatt weiterhin mit Herrn Schwarz. Dies ließ ihn sehr unfroh werden, was wiederum eine Polizeistreife auf den Plan rief: «Die Polizeistreife konnte ihren Namen und ihren Dienstgrad auswendig und forderte, dass ich den Mülleimer, den ich gerade umgetreten hatte, wieder ins Stadtbild zurückrücken solle. Ich erläuterte, dass ich wegen einer Herzensangelegenheit leider von Sinnen sei. „Das kennen wir“, prahlten die beiden Ordnungshüter mit Lebensklugheit, „und morgen ist der Liebeskummer vorbei, aber der Mülleimer liegt hier immer noch rum!»

Jung, experimentierfreudig, dreckig …

Und immer wieder diese Sätze, die das Leben schrieb und die Betroffenen erblassen lassen: «Als ich sie am nächsten Morgen noch einmal nach ihrem Namen fragte, wusste ich noch nicht, dass wir einen gemeinsamen Sohn hatten …»

Das also ist Stefan Schwarz. «Ein bisschen wie Axel Hacke, nur eine ganze Ecke jünger, experimentierfreudiger und, nun ja, dreckiger.» (Rheinische Post)