Die Bestellung unserer E-Books ist momentan aus technischen Gründen nicht möglich.

Artikelempfehlung versenden

E-Mail-Adresse des Empfängers*

Wenn Sie mit der Empfehlung dieses Titels eine Nachricht an den Empfänger versenden wollen, tragen Sie den Text bitte hier ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse*

(* = Pflichtfelder)

Stefan Gärtner/Oliver Nagel: Guido außer Rand und Band

© picture alliance/dpa

«Besserwisser, Vetternwirtschafter, Klientel-Guido» – ist dieses miese Image gerecht? Der deutsche Außenminister hat es wirklich nicht leicht: Er düst durch die ganze Welt, von Afghanistan nach Brasilien, von Moskau nach Washington, er ackert und rackert – und wer dankt es ihm: (fast) niemand. Die TITANIC-Autoren Stefan Gärtner und Oliver Nagel legen nun das ultimative Porträt von Deutschlands Vizekönig vor. Es zeigt in Wort und Bild, wie Dr. Guido Westerwelle wirklich ist. Was er fühlt, was er hofft, was er sich einfach nimmt. Damit auch wir endlich verstehen, warum Guido außer Rand und Band ist.

Die eifrigen, höchst belesenen TITANIC-Männer haben alles, aber wirklich alles zusammengetragen, was Bürger dieses Landes an Dr. Westerwelle interessieren könnte. Wer weiß denn schon, woher er kommt (aus Bad Honnef!), welche Kindheit er erlebt resp. durchlitten hat (oh je, oh weh!), wieso er schon als Pimpf von seiner Mutter eine Mohrenkopfpauschale forderte (abgelehnt!) und was ihm auf dem Heimweg vom Flötenunterricht zugestoßen ist (ja was wohl?)?

Guido W.s Lehrjahre waren weder Flegel- noch Herrenjahre; schon früh suchte er sich moralisch-politische Fixpunkte (Genscher, Scheel, Lambsdorff etc.), um zeitig die Herren Kinkel & Gerhardt, Freidemokraten mit maximalem Langeweile-Appeal, auf der Karriereleiter hinter sich zu lassen. Gesagt, getan.

Ihr neuer Westerwelle™: werkseitig auf maximale Lautstärke programmiert

2001 war es endlich so weit: Aus dem Generalsekretär Guido wurde der Bundesvorsitzende Guido; in kürzester Zeit transformierte er den tristen marktliberalen Haufen in eine reine Spaßpartei. Dass der «Quartals-Irre» und Westerwelle-Intimfeind Jürgen Möllemann mittlerweile ganz aus der Politik gefallen ist, schadete der Karriere des Rechtsanwaltssohns nicht wirklich. Eine seiner aparten Einstiegsreformen war das Entfernen der Pünktchen im Logo: F.D.P. war gestern, es lebe die FDP. Was für ein Spaß! Der 28. Oktober 2009 war der schönste Tag im bisherigen Leben des Dr. Westerwelle: Er wurde Minister des Äußersten und Vizekönig von Deutschland an der Seite von Queen Mum Angie. Nur noch ein kleiner Schritt bis ganz nach oben.

«Aber wer ist Dr. Westerwelle wirklich? Bloß das Bollwerk der Besitzenden gegen die verlausten Bataillone der Armut oder doch ein Visionär, der den Traum von der zementierten Klassengesellschaft träumt? Ist er nur ein aalglatter Karrierist oder einfach Handlungsreisender in eigener Sache? War er als Kind schon schrecklich, oder hat ihn, wie so viele andere, die Pubertät zerstört?»

«Wer mag schon einem Menschen begegnen, der in vollem Ernst Sachen sagt wie «Mindestlohn ist DDR ohne Mauer»?» Zu dieser Aussage steht unser Minister des Äußersten nach wie vor vollinhaltlich. Einer Friseurin mehr als vier Euro pro Stunde zu zahlen, wäre für ihn nackter Kommunismus. Was sollen unsere Leistungsträger dazu sagen, die Banker, Anwälte, Ärzte und Architekten, die mit unermüdlichem Einsatz den Karren aus dem Dreck ziehen und das Bruttosozialprodukt stimulieren? Ausgemusterte Proleten und Hartz-4-Loser, die über ihr Abrutschen in die Armut schwadronieren, sind ja sowas von spätrömisch dekadent; ihnen kann man nur immer und immer wieder zurufen: Reißt euch zusammen – Leistung muss sich wieder lohnen!

«Das ist kein Tsunami, das ist nur eine Westerwelle»

CSU-Chef Horst Seehofer scheint sich wie Bolle über den rheinischen Emporkömmling zu amüsieren. Mit wohlfeilen Scherzchen treibt er selbst bei halbdebilen Christlich-Sozialen in Oberbayern den Heiterkeitskoeffizienten massiv in die Höhe, wenn die Rede auf den Mann an Angela Merkels Seite kommt: «Da wackeln die Alpen, da schäumt der Chiemsee. Das ist kein Tsunami, das ist nur eine Westerwelle …»

Eine seriöse Publikation wie diese informiert selbstredend auch über weniger bekannte Details aus Leben und Denken des obersten Freidemokraten. So gelang es den Autoren unter Aufbietung all ihrer investigativen Finesse, einen Vorabblick in Dr. Westerwelles «Fragen zur Person» zu werfen. Beispiel: Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück? Antwort: Allein in einer dreistündigen Sondersendung von «Anne Will». Oder: Was wäre für Sie das größte Unglück? Antwort: Große Koalition, Stimmbandentzündung, Demenz-Syndrom (in dieser Reihenfolge). Oder: Ihre gegenwärtige Geistesverfassung? Antwort: Heiter vernagelt.

Macht man über die FDP Witze? Klar, was denn sonst. Kennen Sie den? Wie kriegt man Leben in einen FDP-Parteitag? Man geht durch den Saal und ruft «Steuerfahndung». Na gut. Aber der hier ist richtig gut: Wie viele FDP-Mitglieder braucht man, um eine Glühbirne einzuschrauben? Keines. Das regelt der Markt.

«Es treibt ihn, geliebt zu werden»

Selbstverständlich enthält dieser erkennbar um Seriosität und Ausgewogenheit bemühte Band auch einen kleinen Englischkurs: Learning English with the German Outside Minister Dr. Westerwave. Hier werden Sie geholfen, aber hallo. «Would you mind passing the water? Würde es Ihnen was ausmachen, übers Wasser zu gehen? You’re not my kind of guy. Ihre Art, schwul zu sein, passt mir nicht usw. usf.

Am Ende stimmen wir alle entspannt in Guidos Schlaflied ein. Es ist fein gereimt, leicht zu merken, man kann es allein, im Duett, als vierstimmigen Choral oder mit den kompletten Fischer-Chören abfeiern. Hier ist der Text:

Schlaf, Guido, schlaf!
Es redet grad der Graf
Von Guttenberg, nein: der Baron.
Was weiß die CSU denn schon!
Schlaf, Guido, schlaf.

Träum, Guido, träum!
Den Quatsch kannst du versäum
Der Traum ist grade wunderschön:
Das Volk will dich als Kanzler sehn!
Träum, Guido, träum!

Ruh, Guido, ruh!
Der Schlaf deckt alles zu.
Die Kanzlerin, die Linkspartei –
Die Tröten sind grad einerlei.
Ruh, Guido, ruh!

Dumm, Guido, dumm:
Die Redezeit ist um!
Der Herr Baron ist schon am End
Doch seht nur, wie der Guido pennt!

Ach, bleib doch stumm.